Resource Shuffling bezeichnet im Kontext der CO₂-Regulierung die gezielte Zuweisung von Produkten mit weniger CO₂-intensiven Materialien oder Produktionsprozessen zu Exporten in Märkte mit strengeren Klimavorgaben – etwa in die EU. Gleichzeitig werden emissionsintensivere Produkte auf andere, weniger streng regulierte Märkte umgelenkt. Im Extremfall bleibt dadurch die durchschnittliche Emissionsintensität im Herkunftsland unverändert. Für die regulierten Märkte kann gleichzeitig der Eindruck entstehen, dass die nun importierten Produkte und Materialien zu einer flächendeckenden, klimafreundlichen Produktion im Herkunftsland beitragen.
Im EU-Kontext kann der Mechanismus für den CO₂-Grenzausgleich (CBAM) teilweise durch Resource Shuffling umgangen werden, wenn die Emissionsintensität importierter Produkte und Materialien produktionsspezifisch berechnet wird. Anstatt der gewünschten CO₂-Reduktion einzelner Anlagen/Unternehmen (die bisher Produkte und Materialien in die EU exportiert haben) werden nun die Produkte und Materialien von bereits zuvor emissionsärmeren Anlagen/Unternehmen importiert. Zum Beispiel könnte die EU nun all den Stahl importieren, der mit erneuerbarem Strom im Ausland aus Stahlschrott hergestellt wurde, während der mit fossilen Brennstoffen hergestellte Stahl in ein Drittland umgelenkt wird.
Wenn Resource Shuffling im größeren Umfang möglich ist, kann der beabsichtigte Schutz eines Grenzausgleichsmechanismus nicht erreicht werden: die Verlagerung von Emissionen (Carbon Leakage) wird nicht verhindert, während heimische CO₂Bepreisung weiterhin zu Nachteilen im internationalen Wettbewerb führt.
Eine ähnliche Problematik ergibt sich bei grünen Leitmärkten: Quoten für klimaneutrale Produkte und Materialien auf der Nachfrageseite könnten zu einem Großteil durch Importe aus der Produktion von bestehenden klimafreundlichen Anlagen in Drittstaaten erfüllt werden.
Resource Shuffling kann so die Wirksamkeit und Akzeptanz von Klimaschutzinstrumenten untergraben und zu einer Verlagerung, aber nicht zu einer tatsächlichen Minderung globaler Emissionen führen.
Mehr zu Resource Shuffling (auf engl.):
RU. (2021). Assessing the drivers and scale of potential resource shuffling under a CBAM.
play_arrow
Video ansehen
Beim Abspielen des Videos gelangen Sie auf die Webseite von YouTube, die Daten von Ihnen sammelt.
Mehr erfahren Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Den Volltext des Films können Sie im Transkript nachlesen.
Was ist CO2-Bepreisung?
Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.