Sozialwesen: ein rasant wachsender Wirtschaftszweig

DIW Wochenbericht 16 / 2018, S. 305-315

Karl Brenke, Thore Schlaak, Leopold Ringwald

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Abstract

Der Bereich des Sozialwesens hat in der Vergangenheit ein weit überdurchschnittliches Wachstumstempo vorgelegt, bei der Beschäftigung hat es sich seit Mitte der vergangenen Dekade sogar noch beschleunigt. Das rührt von einer stark ausgeweiteten Nachfrage infolge der Alterung der Gesellschaft und von zunehmenden Aufgaben zur Lösung von Problemen in den Familien her. Zuletzt kam noch die Flüchtlingswanderung hinzu. Eine kräftige Expansion des Sozialwesens gibt es fast überall in der EU. Länderübergreifend ähnlich sind auch die Strukturen: sehr ausgeprägte Arbeitsintensität und ein erheblich unter dem nationalen Durchschnitt liegendes Lohnniveau, was sich in einer geringen gemessenen Produktivität niederschlägt. In Deutschland ist der Abstand zum durchschnittlichen Lohniveau besonders groß. Zum Teil erklärt sich der Lohnrückstand dadurch, dass im Sozialwesen relativ viele Helfer beschäftigt sind. Aber auch qualifizierte Kräfte werden vergleichsweise gering entlohnt. Zwar haben die Löhne im Sozialwesen in jüngerer Zeit relativ stark zugelegt, dennoch bestehen in dem vermutlich weiter stark wachsenden Wirtschaftszweig immer noch Probleme, qualifiziertes Personal zu finden. Die Gesellschaft muss sich daher fragen, welchen Wert sie künftig einem hinreichenden Angebot an sozialen Diensten, insbesondere im Hinblick auf die Pflege, bei der Bezahlung zumessen will.

Thore Schlaak

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Konjunkturpolitik



JEL-Classification: I11;I18;J14
Keywords: Social services, development, economic importance
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2018-16-1