„Die Flexibilität der EZB ist jetzt entscheidend“

Statement vom 11. Juni 2026

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute beschlossen, den Leitzins um 25 Basispunkte anzuheben. Dazu eine Einschätzung von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):

BlockquoteDie EZB handelt richtig, wenn sie die Zinsen erhöht. Der starke Anstieg der Inflation infolge des Iran-Kriegs und der höheren Energiepreise zwingt sie zum Handeln. Auch wenn die EZB die Ursache dieses Preisschubs nicht bekämpfen kann, muss sie verhindern, dass die Inflationserwartungen von Unternehmen, Gewerkschaften und Finanzmärkten steigen. Es geht um das höchste Gut der EZB: ihre Glaubwürdigkeit.

Gleichzeitig ist diese Entscheidung mit erheblichen Risiken verbunden. Die Wirtschaft im Euroraum ist schwach, die deutsche Wirtschaft besonders verwundbar. Höhere Zinsen können Investitionen bremsen, Unternehmen zusätzlich belasten und das Rezessionsrisiko erhöhen. Die EZB befindet sich damit in einem echten Dilemma: Ihr Mandat verlangt Preisstabilität, die Konjunktur würde aber eher Entlastung brauchen.

Deshalb sollte die EZB vorsichtig vorgehen, sich nicht auf einen Zinspfad festlegen und sich alle Optionen offenhalten. Niemand weiß, wie lange der Iran-Krieg andauert, wie stark Energiepreise und Lieferketten belastet werden und wie die US-Notenbank reagiert. Flexibilität ist jetzt entscheidend.

Themen: Geldpolitik

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