DIW Wochenbericht 5 / 2012, S. 3-15
Karl Brenke
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Griechenland hat lange Zeit über seine Verhältnisse gelebt und sich im Ausland verschuldet. Die hohe Staatsschuld ist nur ein Ausdruck der Probleme, die eigentliche Ursache ist die unzureichende Wirtschaftskraft. Die vorrangige politische Aufgabe besteht darin, die wirtschaftliche Substanz - insbesondere die Exportbasis - so weit zu stärken, dass künftig die Leistungsbilanz mindestens ausgeglichen wird. Dazu braucht Griechenland eine Wachstumsstrategie, vor allem eine nachholende Industrialisierung. Bisher sorgt vor allem der Tourismus für Einnahmen im Wirtschaftsaustausch mit dem Ausland. Diese Säule ist aber längst nicht hinreichend; zwar gibt es Wachstumschancen im Fremdenverkehr im Süden Europas, sie sollten aber nicht überschätzt werden. Die industrielle Basis Griechenlands ist hingegen nur klein und deshalb in starkem Maße auf den Binnenmarkt ausgerichtet. Deren Produktionsstruktur und die Außenhandelsverflechtung bei Waren zeigen, dass die griechische Wirtschaft kaum in Konkurrenz zu der entwickelter Industriestaaten steht. Entsprechend hat, wie mitunter behauptet wird, die schwache Lohnentwicklung in Deutschland die griechische Wirtschaft auch nicht nennenswert unter Druck setzen können. Das verarbeitende Gewerbe sowie weite Teile der Wirtschaft sind in einem sehr starken Maße durch kleingewerbliche Produktionen geprägt. Insgesamt kommt in Griechenland bereits auf zwei Arbeitnehmer ein Selbständiger; die Beschäftigungsstruktur entspricht der eines Transformationslandes.
Themen: Konjunktur, Europa
JEL-Classification: F14;F15
Keywords: Greece, economic structures and problems
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/58084
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