DIW Wochenbericht 30 / 1980, S. 313-318
Ulrich Brasche
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Die Bundesrepublik Deutschland ist de facto zum Einwanderungsland geworden. Trotz des Anwerbestops für ausländische Arbeitnehmer aus Nicht-EG-Ländern, anhaltend hoher Arbeitslosigkeit und erschwertem Arbeitsmarktzutritt für einige Ausländergruppen hat die ausländische Wohnbevölkerung 1979 mit 4,14 Millionen den bisherigen Höchststand von 1974 überschritten. Diese Entwicklung wurde von der fortdauernden Familienzusammenführung, erneuter Zuwanderung von Arbeitskräften aus EG-Staaten bei starker Abnahme der Rückwanderungen sowie hohen Geburtenüberschüssen getragen. Die Bundesrepublik Deutschland steht auch nach einer erfolgreichen Begrenzung des unkontrollierten Zustroms von Arbeitskräften vor der Aufgabe, die Ausländer, die auf Dauer hier leben wollen, zu integrieren. Diesem Problem wird eine Beschränkung der Ausländerpolitik auf Arbeitsmarktfragen nicht mehr gerecht. Besondere Anstrengungen sind für die zweite und dritte Ausländergeneration erforderlich, wenn die Entstehung irreversibler sozialer Schäden vermieden werden soll. Eine zügige Umsetzung und ausreichende finanzielle Ausstattung der Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Ausländerpolitik stellen unabdingbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration dar.
Themen: Migration, Arbeit und Beschäftigung
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