Stärken und Schwächen der Modern Monetary Theory

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 4 / 2019, S. 91-101

Sebastian Dullien, Silke Tober

get_appAufsatz Download (Verlag)

Abstract

Modern Monetary Theory (MMT) ist ein keynesianischer Ansatz, der Geld in den Mittelpunkt der Analyse stellt und die Rolle des Staates in einer geldvermittelten Marktwirtschaft herausarbeitet, in der Vollbeschäftigung weder den Normalfall noch ein Gravitationszentrum darstellt. In der wirtschaftspolitischen Debatte polarisiert MMT durch Aussagen wie ein moderner Staat könne nie ein Solvenzproblem haben und unterliege keiner Budgetrestriktion. Derartige wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen vernachlässigen wesentliche Elemente des theoretischen Rahmens und blenden gerade jene Aspekte der Makropolitik aus, die ein Abwägen zwischen verschiedenen Risiken bzw. unterschiedlichen Zielen erfordern. Budgetdefizite können zwar erforderlich sein, um wirtschaftliche Stabilität und einen hohen Beschäftigungsstand zu erreichen, der Staat kann Budgetdefizite aber selbst im Falle von Unterbeschäftigung nicht in beliebiger Höhe monetisieren, da der Wert des Geldes von seiner Knappheit abhängt.

Modern Monetary Theory (MMT) is a Keynesian approach that places money at the center of the analysis and highlights the role of the state in a monetary market economy in which full employment is neither the norm nor a center of gravity. In the policy debate, MMT polarizes by claiming a modern state could never have a solvency problem and faces no budget constraint. Such economic policy conclusions neglect essential elements of the theoretical framework and thereby ignore key macroeconomic aspects that require weighing different risks or objectives. Budget deficits may be necessary to achieve economic stability and high employment, but the state cannot monetize budget deficits without limit even in the event of underemployment because the value of money hinges on its scarcity.



JEL-Classification: E42;E50;E63;B52
Keywords: Modern Monetary Theory, budget deficits, monetary financing, fiscal policy
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.88.4.91