Grüne Bundesanleihen brauchen grüne Investitionen: Kommentar

DIW Wochenbericht 38 / 2020, S. 734

Franziska Schütze

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Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschland zu einem führenden Standort für nachhaltige Finanzwirtschaft zu machen. Im Klimaschutzprogramm 2030 wurde die Rolle des Finanzmarktes im Kampf gegen den Klimawandel bereits betont, bisher folgten aber noch keine konkreten Schritte. Nun schafft die Bundesregierung erste Fakten. Anfang September wurde erstmals eine grüne Bundesanleihe platziert, die dem Bund 6,5 Milliarden Euro einbrachte. Ende des Jahres soll eine weitere folgen. Damit würde die Summe der Green Bonds im Gesamtjahr auf bis zu zwölf Milliarden Euro steigen.

Wird Deutschland damit zum Vorreiter auf dem grünen Finanzmarkt? Die Idee ist gut, aber nicht neu. Im Jahr 2016 hat Polen als erstes Land grüne Staatsanleihen im Volumen von 750 Millionen Euro auf den Markt gebracht – gefolgt von anderen europäischen Ländern wie Frankreich (2017), Belgien (2018) und den Niederlanden (2019) mit je sechs bis sieben Milliarden Euro. Damit ist das Volumen der deutschen Anleihe international durchaus vergleichbar. Im Verhältnis zu den insgesamt geplanten Bundesanleihen von etwa 210 Milliarden Euro im Jahr 2020 liegt der Anteil aber bei nur vier bis sechs Prozent. Da zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zusätzliche Bundesanleihen emittiert werden, sinkt der Anteil der grünen Anleihen im Verhältnis entsprechend stärker.

Ein Aspekt ist dennoch neu. Der entscheidende Unterschied liegt in der Struktur der Anleihe. Als „Zwillingsanleihe“ kann eine grüne Anleihe jederzeit gegen eine konventionelle getauscht werden, um auch bei kleinen Emissionsvolumen ausreichend Liquidität sicherzustellen. Das Interesse von Investoren war groß, die Anleihe mehrfach überzeichnet.

Es drängt sich aber die Frage nach dem tatsächlichen Effekt des neuen Finanzproduktes auf. Hierbei muss zwischen der Wirkung auf das Portfolio von Investoren und der Wirkung auf reale Investitionen und die Gesamtwirtschaft unterschieden werden. Die grüne Anleihe enthält zusätzlich ein grünes Zertifikat, also ein Versprechen, dass die Erlöse für Klima- und Umweltschutz verwendet werden.

Um die Klimawirkung eines Investment-Portfolios zu ermitteln, müssen die CO2-Intensität beider Anleihen-Zwillinge und ihre Wechselwirkung betrachtet werden. Der grüne Zwilling macht ein Portfolio auf den ersten Blick etwas klimafreundlicher. Da die Erlöse des ihm zur Seite gestellten konventionellen Zwillings dann aber seltener in nachhaltige Projekte fließen, hebt sich dieser positive Effekt wieder auf. Die Auswirkungen auf die Klimapolitik der Bundesregierung sind damit also begrenzt.

Auf die Treibhausgasemissionen eines Landes hat die Trennung in grüne und konventionelle Staatsanleihen auch aus einem anderen Grund vorerst keinen Effekt. Die so generierten Einnahmen sollen bisher nur in Projekte fließen, die ohnehin schon im Bundeshaushalt vorgesehen waren.

Die gewünschte Wirkung hätten die grünen Anleihen nur, wenn ihr Anteil so stark erhöht würde, dass dadurch ein stärkerer Anreiz entsteht, staatliche Ausgaben und Investitionen nachhaltig umzugestalten. Daher ist zu begrüßen, dass regelmäßige grüne Staatsanleihen mit verschiedenen Laufzeiten geplant sind. Dies ermöglicht Planbarkeit und erhöht die Transparenz für AnlegerInnen. Um eine Wirkung auf das Klima und die Treibhausgasemissionen zu entfalten, braucht es jedoch zusätzlich ein Ziel für die Erhöhung der Investitionen in Klima- und Umweltschutz. Die starke Nachfrage nach grünen Anleihen durch private und öffentliche Anleger zeigt, dass die Möglichkeiten längst nicht ausgeschöpft sind.

Grüne Bundesanleihen sind ein erster Schritt und ein wichtiges Signal an den Finanzmarkt. Sie verpflichten zu mehr Transparenz in der Verwendung der Staatsausgaben und schaffen Prozesse, die das Monitoring verbessern. Damit sie aber tatsächlich eine positive Klimawirkung entfalten, muss zudem ein grüner Staatshaushalt verabschiedet werden, mit dem neue grüne Projekte angestoßen und finanziert werden. Die Bundesregierung kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten!

Franziska Schütze

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Klimapolitik

Themen: Klimapolitik