Daniel Graeber im ZEIT-Interview

Medienbeitrag vom 20. Oktober 2023

Schwächle die Wirtschaft, leide die Psyche, sagt der Ökonom Daniel Graeber. Gehe es bergauf, profitiere aber nicht jeder. Was Ungleichheit mit mentaler Gesundheit macht.

Wirtschaftliche Krisen machen Menschen unglücklich. Das lässt sich an der größten sozioökonomischen Langzeitstudie, dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), ablesen, die beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seit vielen Jahren läuft. Der DIW-Forscher Daniel Graeber hat ausgewertet, wie die  Wirtschaftsleistung die mentale Gesundheit der Deutschen beeinflusst.

ZEIT ONLINE: Herr Graeber, Sie haben erforscht, wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die psychische Gesundheit der Menschen in Deutschland zusammenhängen. Was haben Sie festgestellt?

Daniel Graeber: Allgemein gilt: Geht es im Land wirtschaftlich aufwärts, sind auch die Menschen glücklicher.

ZEIT ONLINE: Wieso? 

Graeber: Läuft es wirtschaftlich schlecht, verlieren Menschen ihre Jobs. Arbeitslosigkeit befeuert Ängste, bedroht Existenzen und macht es somit wahrscheinlicher, psychisch zu erkranken. Die Menschen sorgen sich meist bereits, bevor sie arbeitslos werden. Wir sehen auch klar, dass die Deutschen zur Schulden- und Finanzkrise 2008 und zuletzt während der Corona-Pandemie in psychisch schlechterer Verfassung waren. Dazu habe ich mit meinen Co-Autor:innen Mattis Beckmannshagen und Barbara Stacherl festgestellt: Nicht jeder profitiert im gleichen Maße davon, wenn es in Deutschland wirtschaftlich gut läuft.  

ZEIT ONLINE: Real, nach Abzug der  Inflation, stagnierte das Haushaltseinkommen der ärmeren 50 Prozent seit 2000 lange. Die reichsten zwanzig Prozent dagegen steigerten ihr Einkommen fast  durchgängig. Sehen wir Ungleichheiten wie diese auch bei der psychischen Gesundheit? 

Graeber: Ja, Akademiker:innen etwa waren in der Finanzkrise resilienter als Nicht-Studierte. Das könnte daran liegen, dass sie bewusster auf ihre psychische  Gesundheit achten und daher eher eine Therapie aufsuchen. Auch verdienen Akademiker:innen mehr, das sichert in Krisen besser ab. Während der Corona-Pandemie  hatte der Bildungsabschluss aber weniger Einfluss, und die psychische Gesundheit von allen sank.

ZEIT ONLINE: Macht Armut unglücklich? 

Graeber: Beispielsweise  aus der Glücksforschung wissen wir, dass der Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück bei Menschen mit niedrigen Einkommen am stärksten ist. Verdienen  sie mehr, verschwinden viele Sorgen, wie etwa: Kann mein Kind bei der Klassenfahrt mitfahren? Kann ich mir die Miete noch leisten? 

Das vollständige Interview finden Sie hier.

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