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Durch das Poolkonzept werden Strompreisschwankungen reduziert: Interview

DIW Wochenbericht 15 / 2024, S. 235

Mats Kröger, Erich Wittenberg

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Herr Kröger, Sie und Ihre Kolleg*innen haben ein Poolkonzept vorgestellt, mit dem Strompreisrisiken mittelfristig abgesichert werden können. Was genau soll dieser sogenannte „Erneuerbare-Energien-Pool“ (EE-Pool) bewirken? Mit dem Poolkonzept sollen die Bedingungen langfristiger Verträge für Produzenten von erneuerbaren Energien an die Konsument*innen weitergegeben werden. Der Vorteil davon wäre, dass dann auch Verbraucher*innen von Strom aus erneuerbaren Energien eine Absicherung gegenüber Strompreisschwankungen haben. Das ermöglicht ihnen, in Elektrifizierung zu investieren. Im Kleinen würde dann zum Beispiel ein Haushalt eher in eine Wärmepumpe investieren. Im Großen könnte ein Unternehmen eher in elektrische Stahlproduktion investieren. Das würde dazu führen, dass die Vorteile der erneuerbaren Energien auch bei den Konsument*innen ankommen und dadurch die politische Unterstützung für die Energiewende gestärkt wird.

Wie funktioniert der „Erneuerbare-Energien-Pool“? Der EE-Pool basiert zuerst auf symmetrischen Langzeitverträgen. Diese funktionieren so, dass eine staatlich beauftragte Stelle einen Vertrag für die Produktion von erneuerbaren Energien ausschreibt. Darin wird ein Vertragspreis festgelegt, mit dem die Erlöse der Produzenten für erneuerbare Energien abgesichert werden. Das bedeutet, dass immer dann, wenn der Strompreis unter diesem Vertragspreis liegt, die Differenz an den Produzenten von erneuerbaren Energien erstattet wird. Weil es ein symmetrischer Vertrag ist, gilt umgekehrt auch: wenn der Strompreis über dem Vertragspreis liegt, dann muss der Produzent von erneuerbaren Energien die Differenz zurückerstatten. Das ermöglicht es, diese Verträge zu einem Pool zusammenzufassen. Die Gesamtheit aller Absicherungsverträge ist definiert durch den durchschnittlichen Vertragspreis zum einen und zum anderen durch die durchschnittliche Erzeugung der erneuerbaren Energien. Diesen Vertrag kann man dann anteilig an die Konsument*innen weitergeben.

Wie hätten die Energiepreise in der Energiepreiskrise ausgesehen, wenn man schon vor mehreren Jahren einen EE-Pool eingeführt hätte? Durch die symmetrischen Vertragsstrukturen wäre es bei hohen Strompreisen zu Rückzahlungen der Stromproduzenten gekommen. Dadurch wären die Preise bereits in der Krise deutlich gesunken. Das heißt, die Vorteile der Energiewende, also die günstigen Erzeugungskosten mit dem EE-Pool, wären wirklich bei den Kund*innen angekommen.

Was würde sich für die Stromkund*innen in der Praxis ändern? Sie wären gegen langfristige Schwankungen am Strommarkt abgesichert. Allerdings verbleibt ein gewisses Restrisiko, weil sie in Stunden mit geringerer Produktion erneuerbarer Energie auch nur zu einem geringeren Anteil ihres Stromverbrauchs abgesichert sind. Diese Stunden, in denen weniger erneuerbare Energie produziert wird, sind Stunden mit höheren Preisen und das schafft den Anreiz, in diesen Stunden auch weniger zu konsumieren. Das ist durchaus ein gewünschter Effekt der Preisschwankungen am Strommarkt, weil sie den Anreiz geben, in Flexibilität zu investieren, also den Verbrauch der Produktion von erneuerbaren Energien anzupassen.

Was würde ein EE-Pool für die aktuell geltende gleitende Marktprämie bedeuten? Die gleitende Marktprämie würde für Neuanlagen durch eine symmetrische Absicherung ersetzt werden, denn die aktuelle Regelung bietet nur eine Absicherung für EE-Projekte, jedoch keine Absicherung für die Kund*innen.

O-Ton von Mats Kröger
Durch das Poolkonzept werden Strompreisschwankungen reduziert - Interview mit Mats Kröger

Mats Kröger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Klimapolitik

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