Interview vom 17. Mai 2024
Sara Dietz und Kerstin Bernoth haben gemeinsam mit weiteren Autoren eine Studie zu den Erfolgen des Euro in seinen ersten 25 Jahren durchgeführt. Im Redaktionsgespräch betonen sie, dass sie nicht lange nach Erfolgen suchen mussten. Demnach sei der Euro die zweitwichtigste Währung der Welt. Eine weitere Erweiterung der Währungsunion erachten sie nur als sinnvoll, wenn wirtschaftlich starke und finanziell solide Mitgliedsstaaten beitreten würden. Sie sehen in der Zukunft fünf große Herausforderungen für die Gemeinschaftswährung, die es zu bewältigen gilt, um weiterhin als Erfolgsgeschichte zu gelten. Dazu gehören unter anderem der Klimawandel, geopolitische Spannungen und die hohen öffentlichen Schuldenstände. Sie kommen zu dem Fazit, dass die europäische Idee historisch enorm viel geleistet habe und dies unter bestimmten Voraussetzungen auch weiterhin könne. (Red.)
Dieses Interview mit Kerstin Bernoth und Sara Dietz erschien am 17. Mai 2024 in der Zeitschrift für Kreditwesen.
Frau Dietz, Sie haben gemeinsam mit Kerstin Bernoth, Rosa Lastra und Atanas Pekanov eine Studie durchgeführt zu der Frage, welche Erfolge der Euro in den 25 Jahren seines Bestehens gefeiert hat und welche Herausforderungen anstehen. Mussten Sie lange suchen, um die Erfolge zu finden?
Sara Dietz: Nein, lange suchen mussten wir zum Glück nicht. Auch wenn man im Einzelnen sicherlich über die ökonomische Sinnhaftigkeit und rechtliche Zulässigkeit einzelner geldpolitischer Maßnahmen streiten kann, konnte die gemeinsame Währung alle Krisen und Herausforderungen bisher meistern und heute ist der Euro die zweitwichtigste Währung weltweit.
Die Kernaufgabe – und eigentlich ursprünglich auch einzige Aufgabe – der EZB ist es ja, Preisstabilität zu gewährleisten. Das ist mit wechselndem Erfolg gelungen. Sie haben in der Studie festgestellt, dass die Geldpolitik dabei in den ersten zehn Jahren von 1999 bis 2008 großen Erfolg hatte und sogar die Volatilität der Preisänderung gegenüber der D-Mark abgenommen hatte. Vor allem Letzteres ist erstaunlich. Zumindest von der Bevölkerung gefühlt sind die Preise zur Bargeldeinführung ja eskaliert. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und statistischer Beobachtung?
Sara Dietz: Nicht nur ursprünglich, sondern nach wie vor ist die Gewährleistung von Preisstabilität die Hauptaufgabe der EZB.
Kerstin Bernoth: Es gibt mehrere Gründe, wieso es eine Diskrepanz zwischen der Inflationswahrnehmung und der tatsächlichen statistischen Inflation gibt. Zum einen liegt es an der menschlichen Psyche. Steigen etwa Preise von gewöhnlich konsumierten Gütern, legen die Menschen da mehr Aufmerksamkeit drauf, als wenn sie stabil bleiben oder sogar fallen. Bis vor der jüngsten hohen Inflationswelle war das Thema Inflation daher sogar kaum von Interesse für die meisten Menschen.
Ein weiterer Grund ist, dass sich die Haushalte sehr vom Einkommen und Konsumverhalten unterscheiden. Daher ist die tatsächliche Inflation nicht für alle Menschen gleich. Die statistische Inflation misst die Preissteigerung anhand eines imaginären Warenkorbs eines „Durchschnittsdeutschen“. Im Vergleich zu einkommensstarken Haushalten geben einkommensschwächere Haushalte nun aber einen erheblich größeren Anteil für Lebensmittel aus als einkommensstarke Haushalte. Für sie war in den vergangenen Jahren die Inflation also tatsächlich höher, als die durchschnittliche statistische Inflation. Aber auch der Vergleichshorizont von Preisentwicklungen ist oft sehr lang bei Menschen. Statt die Preise mit denen im vergangenen Jahr zu vergleichen, vergleichen sie sie mit denen von vor zehn Jahren. Bei einem Inflationsziel von 2 Prozent jährlich steigen die Preise in zehn Jahren aber auch erwünscht deutlich an, ohne dass von einer Verfehlung des Mandats für Preisstabilität gesprochen werden muss.
Das vollständige Interview lesen Sie in der Zeitschrift für Kreditwesen.
Themen: Geldpolitik