Der sogenannte „Boomer-Soli“ ist ein Vorschlag, mit dem ein Teil der absehbaren Lasten im deutschen Rentensystem innerhalb der älteren Generation aufgefangen würde. Im Gegensatz zu Maßnahmen wie einem steigenden Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung oder steigenden Steuerzuschüssen würden jüngere Generationen nicht direkt belastet. Ziel des Boomer-Solis ist, ältere Generationen stärker an der Finanzierungslast des demografischen Wandels zu beteiligen. Er ist als ein Teilelement möglicher Reformen im Rentensystem zu verstehen, die angesichts der Alterung der Gesellschaft und den damit verbunden finanziellen Herausforderungen für das Rentensystem nötig sind. Diese Herausforderungen werden mit dem Renteneintritt der Babybommer-Generation noch einmal zunehmen. Der Boomer-Soli wäre eine Möglichkeit, diesen Entwicklungen schon vergleichsweise kurzfristig begegnen zu können.
Der Boomer-Soli ist eine Sonderabgabe auf sämtliche Alterseinkünfte oberhalb eines Freibetrags – dazu zählen neben gesetzlichen, betrieblichen und privaten Renten auch Beamtenpensionen, sonstige Versorgungsbezüge und Vermögenseinkommen. Die erzielten Einnahmen könnten beispielsweise in Form eines Sondervermögens verwaltet und unter anderem eingesetzt werden, um die Alterseinküfte ärmerer Haushalte aufzustocken.
Wie das konkret aussehen könnte, machen die folgenden vereinfachten Beispiele deutlich. Betrachtet werden Bruttoeinkünfte von Single-Haushalten.Dargestellt werden im Folgenden Bruttoeinkommen, da für die Berechnung der Nettoeinkommen (nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben und Transfers) für das Jahr 2025 noch keine detaillierten Informationen auf Haushaltsebene vorliegen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die relative Veränderung der Nettoeinkünfte nach Abzug von Steuern und Transfers in vielen Fällen geringer ausfallen würde als bei den nachfolgend dargestellten Bruttoeinkünften. Für die Berechnungen werden ein Freibetrag von 1.230 Euro und ein Steuersatz von zehn Prozent verwendet. Dieser Freibetrag ist im Vergleich zu dem aus der Studie höher, da er an die Preisentwicklung bis zum Jahr 2025 angepasst wurde. Steuerliche Freibeträge werden regelmäßig erhöht, um die Inflation – also steigende Lebenshaltungskosten – zu berücksichtigen. In der Studie wurde nur deshalb ein niedrigerer Freibetrag von rund 1.000 Euro pro Monat auf Basis von 2019er Werten verwendet, um den Boomer-Soli mit anderen Rentenreformkonzepten vergleichen und so eine gute Entscheidungsgrundlage für die Politik liefern zu können.
Im Folgenden wird beispielhaft angenommen, dass mit den Einnahmen aus dem Boomer-Soli die gesetzlichen Renten bestimmter Haushalte aufgestockt würden.
| Veränderung der Alterseinkommen durch Boomer-Soli und beispielhafter Aufstockung gesetzlicher Renten | Bsp. 1 | Bsp. 2 | Bsp. 3 | Bsp. 4 |
|---|---|---|---|---|
| Rente | € 1.200,00 | € 1.500,00 | € 1.500,00 | € 0,00 |
| Sonstige Alterseinkünfte | € 0,00 | € 0,00 | € 500,00 | € 4.000,00 |
| Brutto Alt | € 1.200,00 | € 1.500,00 | € 2.000,00 | € 4.000,00 |
| Rente neu | € 1.448,43 | € 1.598,43 | € 1.598,43 | € 0,00 |
| Brutto Neu | € 1.448,43 | € 1.571,43 | € 2.021,43 | € 3.723,00 |
| Veränderung (Prozent) | + 20.70% | + 4.76% | + 1.07% | - 6.93% |
Da der Boomer-Soli alle Alterseinkünfte einbeziehen würde und nicht nur innerhalb der gesetzlichen Rente umverteilt, würden auch solche Haushalte herangezogen, für die die gesetzliche Rente nicht den größten Teil ihrer Alterseinkünfte ausmacht. Das ist typischerweise bei einkommensstärkeren Haushalten der Fall. Zum anderen würde diese breite Bemessungsgrundlage vergleichsweise moderate Abgabensätze erlauben.
Es sind allerdings auch Nebenwirkungen des Soli-Modells denkbar: Auch wenn Erwerbseinkommen durch die Abgabe nicht direkt belastet werden, könnte die Erwartung einer Sonderabgabe die Motivation zur Erwerbsarbeit oder privaten Altersvorsorge heute verringern.
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Rettet der Boomer-Soli die Rente?
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