Den Euroraum zukunftsfähig machen

DIW Wochenbericht 24 / 2014, S. 527-539

Ferdinand Fichtner, Marcel Fratzscher, Maximilian Podstawski, Dirk Ulbricht

get_appDownload (PDF  406 KB)

get_appGesamtausgabe/ Whole Issue (PDF  1.35 MB)

Abstract

Die Krise des europäischen Währungsraums ist nicht vorbei. Zwar ist die Lage an den Finanzmärkten derzeit relativ ruhig, wirtschaftlich scheint die Talsohle in den meisten Ländern durchschritten. Aber fundamentale Konstruktionsfehler der Währungsunion bestehen weiter fort. Werden diese nicht entschieden angegangen, ist eine neue Krise nur eine Frage der Zeit und auch ein teilweises oder komplettes Auseinanderbrechen der Währungsunion nicht auszuschließen. Die wirtschaftlichen Folgen wären verheerend - nicht zuletzt für Deutschland. Um das Fortbestehen der Europäischen Währungsunion zu sichern, sind grundlegende Reformen auf drei Problemfeldern notwendig: auf den Finanzmärkten, bei den öffentlichen Finanzen und in der Realwirtschaft. Um die Währungsunion auf eine stabile Grundlage zu stellen, müssen alle Problemfelder gleichermaßen ins Auge gefasst werden; andernfalls können durch Wechselwirkungen zwischen den Bereichen Erfolge an der einen Stelle durch ein Aufflammen der Krise an anderer Stelle zunichte gemacht werden. Der vorliegende DIW Wochenbericht skizziert Elemente einer solchen Strategie zur institutionellen Neuordnung der Währungsunion. Er gibt damit den Auftakt zu einer Serie, deren folgende Teile sich bis September mit der Rolle der EZB als Kreditgeber letzter Instanz, mit der Bankenunion und Bankenregulierung, mit gemeinschaftlichen Anleihen, einer Europäischen Investitionsagenda, mit der Migration in der EU, mit einer Europäischen Arbeitslosenversicherung, mit den Möglichkeiten einer fiskalischen Abwertung sowie mit Mechanismen für Staatsinsolvenzen beschäftigen.

The crisis in the European currency area is not over yet. Although the situation in the financial markets is currently relatively calm, the economic crisis appears to be bottoming out in most countries. Nevertheless, fundamental design flaws in the Monetary Union continue to exist. If these are not fully addressed, it will only be a matter of time before a new crisis hits, and a partial or complete breakup of the monetary union cannot be ruled out. The economic consequences would be devastating‚ not least for Germany. To ensure the continued existence of the European Monetary Union, fundamental reform is required in three problem areas: the financial markets, public finances, and the real economy. In order to give the monetary union a stable foundation, all problem areas must be tackled equally; otherwise, due to interactions between these fields, success in one area might be wiped out by a flare-up of the crisis elsewhere. The present DIW Wochenbericht outlines the elements of such a strategy for the institutional restructuring of the Monetary Union. It is therefore the prelude to a series whose subsequent parts are concerned with the role of the ECB as the lender of last resort, with the banking union and bank regulation, community bonds, a European investment agenda, with migration within the EU, a European unemployment insurance, options for fiscal devaluation, and the mechanisms for sovereign bankruptcies.

Maximilian Podstawski

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Ferdinand Fichtner

Abteilungsleiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Themen: Konjunktur, Europa



JEL-Classification: E61;E44;H60;G18
Keywords: Euro crisis, Monetary union, Institutional reform, Banking crisis,Sovereign Debt crisis
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/98689