„Selektiver Shutdown schützt Gesundheit und Wirtschaft“

Statement vom 28. Oktober 2020

Bund und Länder haben neue Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen. Dazu ein Statement von DIW-Präsident Marcel Fratzscher:

BlockquoteDie Entscheidung für einen selektiven Shutdown ist klug und schützt nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern auch die Wirtschaft. Diese Entscheidung ist zwar längst überfällig und hätte bereits vor zwei Wochen getroffen werden sollen, aber sie ist hoffentlich nun ausreichend um die zweite Infektionswelle genauso erfolgreich zu stoppen wie die erste. Die Politik hat die richtigen Lehren aus der ersten Infektionswelle gezogen und hält zunächst Schulen und Kitas offen. Die offene Frage ist, ob die Maßnahmen auf eine ausreichend große Akzeptanz stoßen, so dass diese Regeln auch überall umgesetzt werden. Hierfür muss die Politik wieder mehr mit einer Stimme sprechen und ihre Streitigkeiten und den angehenden Wahlkampf hinten anstellen. Die Wirtschaft bremst bereits seit Wochen stark ab. Die beschlossenen Restriktionen werden einige Branchen der Wirtschaft hart treffen, werden aber die Gesamtwirtschaft und die meisten Branchen wirtschaftlich schützen. Die zusätzlichen Wirtschaftshilfen für die am stärksten betroffenen Branchen sind gut und angemessen. Trotzdem ist zu befürchten, dass die deutsche Wirtschaft durch eine starke zweite Infektionswelle wieder in den Abschwung getrieben wird. Ob das verhindert werden kann, hängt von der Konsequenz ab, mit der die Maßnahmen umgesetzt und von den Menschen akzeptiert werden. Der größte Schaden für die deutsche Wirtschaft entsteht durch eine starke, lang anhaltende zweite Infektionswelle – nicht durch gezielte Beschränkungen des täglichen Lebens. Zeit und Vertrauen sind die beiden kritischen Faktoren für die Wirtschaft. Je länger eine zweite Infektionswelle anhält, und je weniger Politik und Wirtschaft Kontrolle über die Lage haben, desto stärker wird das Vertrauen der Menschen sinken.