Externe Monographien
Fiona Herrmann, Lavinia Kinne, Katharina Wrohlich
Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, 2026, 91 S.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des damit einhergehenden zunehmenden Drucks auf die sozialen Sicherungssysteme werden aktuell die Erwerbsbeteiligung und die wöchentliche Erwerbsarbeitszeit von Frauen diskutiert. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen und liegt mit über 75 Prozent im internationalen Vergleich sehr hoch. Allerdings ist auch der Anteil der Teilzeitbeschäftigten unter den Frauen sehr hoch. Dies ist nicht nur bei Frauen mit jungen Kindern, sondern auch in der Altersgruppe ab 45 Jahren zu beobachten. Ein großer Teil der beschäftigten Frauen ist von der Phase der Familiengründung bis zum Ende ihrer Erwerbstätigkeit in Teilzeit erwerbstätig. Dadurch entsteht eine große geschlechtsspezifische Lücke in der Erwerbsarbeit, die auch negative Auswirkungen auf die Alterseinkünfte von Frauen hat. In dieser Studie werden die Gründe für den hohen Teilzeitanteil von Frauen in der Altersgruppe ab 45 Jahren untersucht. Dazu wurde eine Befragung der Zielgruppe (Frauen im Alter von 45 bis 66 Jahren) mit einem Vignetten-Experiment kombiniert. Dies ermöglicht es, nicht nur die Gründe für die aktuellen Erwerbsentscheidungen der Befragten zu ermitteln, sondern auch ihre Einstellungen zur Erwerbstätigkeit in verschiedenen Szenarien zu erheben. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich unter anderem die Wirkungen finanzieller Anreize auf die Erwerbsentscheidungen von Frauen ableiten. Die Ergebnisse der Befragung zu den Gründen der aktuellen Erwerbsentscheidungen der Befragten zeigen, dass die meisten der nicht erwerbstätigen 45–66-jährigen Frauen aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgegeben haben. Fast ein Drittel der Befragten gab auch an, dass es sich für sie finanziell nicht lohnen würde, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Die in Teilzeit beschäftigten Frauen gaben als Gründe für diese Wahl mehrheitlich an, Zeit für die Familie zu benötigen bzw. eine Vollzeittätigkeit als zu hohe körperliche Belastung zu empfinden. In dieser Gruppe gab sogar fast die Hälfte der Befragten an, dass sich eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit finanziell zu wenig lohnen würde. Im Vignetten-Teil der Studie wurden den Befragten hypothetische Szenarien vorgelegt, die sich nach der Höhe des Stundenlohnes, der Art der Aufteilung der Sorgearbeit im Haushalt, den Arbeitsbedingungen und der -flexibilität sowie der Art der Besteuerung (gemeinsame versus getrennte Veranlagung) unterschieden. Die Befragten wurden gebeten, die aus ihrer Sicht optimale Arbeitszeit für die Frauen in diesen hypothetischen Situationen anzugeben. Die Ergebnisse zeigen, dass veränderte finanzielle Anreize durch ein alternatives Steuerszenario die Erwerbsbeteiligung und die durchschnittlichen Erwerbsarbeitsstunden signifikant erhöhen würden. Insbesondere würde der Anteil der Frauen in Minijobs dadurch zugunsten einer höheren Vollzeit- und Teilzeit-Erwerbstätigkeit sinken. Auch die Aufteilung der Sorgearbeit und die Arbeitsbedingungen beeinflussen die gewählte Arbeitszeit. Unabhängig von der Aufteilung der Sorgearbeit und der Art der Arbeitsbedingungen zeigt die Vignetten-Befragung jedoch, dass finanzielle Anreize in allen Fällen eine wichtige Rolle spielen.
Against the backdrop of demographic change and the resulting growing pressure on social security systems, women’s labor force participation and weekly working hours are currently the subject of debate. Women’s labor force participation in Germany has increased markedly over recent decades and, at more than 75 percent, is high by international standards. However, the share of women working part-time is also very high. This is evident not only among women with young children, but also in the age group 45 and older. A large proportion of employed women work part-time from the family-formation phase through to the end of their working lives. This creates a substantial gender gap in paid work, which also has negative consequences for women’s income in old age. This study examines the reasons for the high prevalence of part-time employment among women aged 45 and over. To this end, a survey of the target group (women aged 45 to 66) was combined with a vignette experiment. This approach allows not only to identify the reasons behind respondents’ current employment decisions, but also to capture their attitudes towards paid work under different scenarios. These insights make it possible, among other things, to infer how financial incentives affect women’s employment choices. The survey results on the reasons for respondents’ current employment decisions show that most nonemployed women aged 45–66 left their jobs for health reasons. Almost one third of respondents also stated that taking up employment would not be financially worthwhile for them. Women working part-time cited, as their main reasons, the need for time for family or the perception that full-time work would be too physically demanding. Almost half of the women in this group also reported that expanding their paid working hours would be financially insufficiently rewarding. In the vignette component of the study, respondents were presented with hypothetical scenarios that differed in hourly wage level, the division of unpaid care work within the household, working conditions and flexibility, and the tax regime (joint versus individual taxation). Respondents were asked to indicate what they considered the optimal working time for women in each hypothetical situation. The results show that changed financial incentives under an alternative tax scenario would significantly increase both labor force participation and average paid working hours. In particular, the share of women in marginal employment (“mini-jobs”) would decline in favor of higher levels of full-time and part-time employment. The division of care work and working conditions also affect the working hours chosen. Regardless of how care work is divided and what the working conditions are, however, the vignette survey shows that financial incentives play an important role in all cases.