DIW-Konjunkturbarometer setzt Achterbahnfahrt im Juli fort

Pressemitteilung vom 29. Juli 2026

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist im Juli deutlich gefallen. Mit 91,3 Punkten liegt der Wert nun so niedrig wie seit Herbst 2025 nicht mehr und entfernt sich damit merklich von der neutralen 100-Punkte-Marke, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigt. Wie volatil die Entwicklung ist, zeigt ein Blick auf den bisherigen Jahresverlauf: Seit Februar ist der Barometerwert monatlich abwechselnd gestiegen und wieder gefallen. „Die geopolitischen Unsicherheiten, vor allem bezüglich des Iran-Kriegs, spiegeln sich in der Achterbahnfahrt des DIW-Konjunkturbarometers wider“, sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik.

Besonders die geopolitische Lage bleibt weiter angespannt. Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA schwelt weiter und die Lage in der Straße von Hormus ist unübersichtlich. Zwar ist der Ölpreis am aktuellen Rand etwas gefallen, war aber im Juli volatil. „Insgesamt belasten die immer noch deutlich erhöhten Energiepreise die deutsche Wirtschaft nach wie vor und sorgen für eine niedrigere Kaufkraft bei den privaten Haushalten sowie Verunsicherung bei den Unternehmen“, so Dany-Knedlik. Die ohnehin schwache Nachfrage nach deutschen Exportgütern wird zusätzlich durch die gedämpfte Entwicklung der Weltwirtschaft getrübt. Neben anderen Belastungsfaktoren kamen jüngst Sorgen um ein mögliches Abflauen des KI-Booms hinzu. Auch die innenpolitische Lage bleibt unruhig: Zwar stützen die Ausgabenpakete der Bundesregierung die Konjunktur bereits sichtbar, gleichzeitig ist nach wie vor nicht in Gänze klar, wie das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität konkret umgesetzt wird und welche konjunkturellen Wirkungen damit einhergehen werden. Kurzfristig führt der Hitzesommer zu niedrigen Pegelständen des Rheins und anderer Flüsse, was die Frachtkosten erhöht und die Wirtschaft zusätzlich belastet.

Die deutsche Industrie bleibt ein zentraler Belastungsfaktor für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung; der strukturell bereits seit längerem geschwächte Sektor wird durch die wiederholte Eskalation des Iran-Kriegs und deren wirtschaftliche Folgen zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen. Die Industrieproduktion kommt nicht vom Fleck, und auch die Auftragseingänge verzeichnen – jenseits der Bereiche, die von steigenden Verteidigungsausgaben profitieren – kaum Anzeichen einer nachhaltigen Belebung. Immerhin hat sich die Stimmung zuletzt aufgehellt: Insbesondere die Geschäftserwartungen, aber auch Nachfrage und Produktionsaktivitäten haben sich Umfragen zufolge im Juli verbessert.  „In einem Umfeld, in dem sich die wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen jederzeit ändern können, bleiben die deutschen Unternehmen mit Investitionen und Produktionsausweitungen weiterhin zurückhaltend,“ sagt DIW-Konjunkturexpertin Laura Pagenhardt. „Für einen nachhaltigen Aufschwung braucht es vor allem mehr Planungssicherheit. Diese setzt voraus, dass sich die geopolitische Lage stabilisiert und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verlässlicher werden.“

Bei den Dienstleistungen ist die Stimmung ebenfalls verhalten. Die hohe Inflation, allen voran die deutlich gestiegenen Benzin- und Diesel-Preise, dämpfen die Kauflaune der Verbraucher*innen. Auch am Arbeitsmarkt ist kaum Erholung in Sicht: Zwar ist die Arbeitslosigkeit leicht gesunken, doch die Erwerbstätigkeit ging ebenfalls weiter zurück. So bleibt die Lageeinschätzung der Dienstleistungsunternehmen trüb. Die Erwartungen haben sich dagegen zuletzt etwas aufgehellt.

„Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft verläuft weiterhin holprig,“ so Konjunkturexperte Guido Baldi. „Ohne eine dynamischere Binnennachfrage wird die Konjunktur weiterhin stark durch geopolitische Schocks und andere Krisen beeinflusst.“

Das nächste DIW-Konjunkturbarometer erscheint am Donnerstag, 27. August 2026.

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Themen: Konjunktur

Geraldine Dany-Knedlik

Stellvertretende Abteilungsleiterin Abteilung Makroökonomie

Laura Pagenhardt

Wissenschaftlerin Abteilung Makroökonomie

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