Pressemitteilung vom 30. September 2026
Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gibt im September leicht nach. Nach dem deutlichen Anstieg im August sinkt der Index um einen halben Punkt auf nun 95,9 Punkte und bleibt damit unterhalb der neutralen 100-Punkte-Marke, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigt. Nach der unerwartet kräftigen Belebung im ersten Halbjahr 2026 stellt sich die konjunkturelle Dynamik in Deutschland zwar kräftiger dar, als es sich im Frühjahr angedeutet hatte.
Dennoch bleibt die Erholung weiter fragil. Der Ölpreis ist im Zuge der stockenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA wieder deutlich über 100 Dollar gestiegen. Die steigenden Preise schwächen die Kaufkraft der privaten Haushalte – schon in den Sommermonaten lag die Verbraucherpreisinflation nur noch knapp unter drei Prozent. Ungünstige Finanzierungsbedingungen und hohe Baupreise dämpfen darüber hinaus die privaten Bauinvestitionen. Zusätzlich belasten die anhaltenden geopolitische Risiken und strukturellen Probleme die deutschen Unternehmen. So bleibt die private Binnennachfrage insgesamt weiterhin schwach. Stützend wirken dagegen die unterwartet robusten Exporte und die weiterhin kräftigen finanzpolitischen Impulse. Zum Jahresende dürfte es somit erneut bergauf gehen.
In der Industrie mehren sich weiter die Anzeichen dafür, dass die lange Schwächephase langsam überwunden wird. Die Auftragseingänge haben zuletzt kräftig zugelegt, getragen von Großaufträgen, die wohl größtenteils auf öffentliche Investitionen im Bereich Militär zurückgehen. Die Stimmung der Industrieunternehmen hat sich über den Sommer deutlich gesteigert. Besonders die Erwartungen über die zukünftige Geschäftsentwicklung sind am aktuellen Rand aufgehellt. Zwar war die Industrieproduktion im Juli noch leicht rückläufig. Dies dürfte jedoch vor allem an den niedrigen Pegelständen auf wichtigen Wasserstraßen gelegen haben, die die Industrieproduktion – insbesondere im Bereich der chemischen Industrie – merklich behindert haben. Mit der Normalisierung der Wasserstände dürfte diese zumindest teilweise nachgeholt werden.
Auch bei den Dienstleistungen ist die Stimmung besser als noch vor einigen Monaten. Die Aussichten bleiben allerdings gedämpft, da die privaten Haushalte angesichts der erhöhten Inflation und der schwachen Arbeitsmarktperspektiven wohl weiter zurückhaltend agieren werden. Hinzu kommen Risiken bei der Energieversorgung, die die Verbraucher*innen zusätzlich verunsichern: Wenig gefüllte Gasspeicher und auch deshalb steigende Gaspreise dürften mit Blick auf den bevorstehenden Winter die Konsumausgaben kaum beleben.
Das nächste DIW-Konjunkturbarometer erscheint am Mittwoch, 28. Oktober 2026.
Themen: Konjunktur