Trumps protektionistische Handelspolitik verfehlt ihre Ziele

Pressemitteilung vom 10. Dezember 2020

US-Präsident Trump wollte mit protektionistischer Handelspolitik Arbeitsplätze schaffen und Handelsdefizite senken – Effekt von zahlreichen gekündigten Handelsabkommen und erhöhten Zöllen verpufft: Nur Handelsdefizit mit China ging 2019 leicht zurück – Zölle verteuern Produkte in den USA ­– EU sollte sich für USA unter Biden als Handelspartner positionieren

Der scheidende US-Präsident Donald Trump hat mit seiner „America First“-Strategie handelspolitisch nicht die gewünschten Erfolge erzielt. Weder die Kündigung und Neuverhandlung von diversen Handelsabkommen noch die zahlreichen Importzölle haben bislang Arbeitsplätze in den USA geschaffen oder Handelsdefizite erheblich gesenkt. Zu diesem Ergebnis kommen DIW-Ökonominnen und -Ökonomen, die die handelspolitischen Maßnahmen Trumps und deren Wirkungen analysiert haben.

„Lediglich das Handelsdefizit mit China ist im vergangenen Jahr etwas geschrumpft, aber schon in diesem Jahr wieder gestiegen. Im Handel mit Europa und den anderen nordamerikanischen Staaten Kanada und Mexiko haben die Maßnahmen so gut wie gar nicht gewirkt“, sagt Studienautorin Geraldine Dany-Knedlik. Gemeinsam mit ihren Kollegen Paul Berenberg-Gossler, David Kläffling und Claus Michelsen hat sie sich auch die Wirkung der protektionistischen Handelspolitik auf einzelne Sektoren angeschaut.

Produkte verteuern sich, Arbeitsplätze gehen verloren

Insbesondere Stahl-, Computer- und Elektronikimporte aus China sind mit der Einführung der Zölle spürbar zurückgegangen. In anderen Sektoren, die besonders auf ausländische Güter angewiesen sind, wie beispielsweise bei Haushaltsgeräten und elektronischen Komponenten, kam es zwar auch zu einem Rückgang, dort haben die Zölle aber vor allem die Importe für amerikanische Unternehmen und Haushalte verteuert. „Darin liegt die Crux der Trumpschen Handelspolitik: Er wollte US-Produkte durch die Zölle attraktiver machen. Stattdessen hat seine Politik die Produkte verteuert“, konstatiert Studienautor Paul Berenberg-Gossler. Insbesondere das verarbeitende Gewerbe, das auf Importe aus China als Vorleistungen angewiesen ist, hat dadurch mit höheren Produktionskosten zu kämpfen. Dies betrifft vor allem die sogenannten Rust-Belt-Staaten sowie Mississippi und Alabama – und damit Bundesstaaten, in denen die Unterstützung für Trump in der Wahl im Jahr 2016 besonders groß war. Geschätzt 75.000 Arbeitsplätze gingen durch diese Politik verloren.

Wie sich die Handelspolitik unter dem neuen Präsidenten Joe Biden entwickeln wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur annähernd abschätzen. Sein Ton wird sicherlich verbindlicher sein, seine Strategie berechenbarer. An seinen Wahlkampfreden lässt sich aber ablesen, dass auch er kein ausgewiesener Verfechter des Freihandels ist und den harten Kurs gegenüber China beibehalten wird. „Hat Trump dabei auf Alleingänge gesetzt, wird sich Biden dafür verlässliche Partner suchen“, ist sich Dany-Knedlik sicher. „Für die EU heißt das, dass sie diese Chance rechtzeitig nutzen sollte, um sich als Handelspartner zu positionieren.“

Links

Geraldine Dany-Knedlik

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Makroökonomie

Paul Berenberg-Gossler

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Claus Michelsen

Abteilungsleiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

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