Die DIW Econ bietet seit 2007 als Tochtergesellschaft des DIW Berlin Auftragsforschung und volkswirtschaftliche Beratung an. Geschäftsführer Lars Handrich erklärt im Interview, wie sich die Arbeit in der Tochtergesellschaft vom DIW Berlin unterscheidet, warum auch Auftragsforschung gesellschaftlich relevant sein kann und für wen er keine Forschung übernehmen würde.
Wie ist die DIW Econ 2007 entstanden?
Lars Handrich: Die Gründung der DIW Econ im Jahr 2007 war Teil einer umfassenden Neuausrichtung des DIW Berlin. Traditionell hatte das DIW viele Gutachten für Ministerien, Unternehmen und andere Auftraggeber erstellt – Leistungen, die oft nicht den Anforderungen an wissenschaftliche Exzellenz im engeren Sinne genügten, da sie beispielsweise nicht in referierten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Um diesen Bereich der Auftragsforschung klar vom wissenschaftlichen Kern des Instituts zu trennen, entstand die Idee einer Tochtergesellschaft, die Auftragsforschung durchführt.
Was ist denn der entscheidende Unterschied zwischen Ihrer Arbeit in der DIW Econ und der des DIW Berlin?
Handrich: Der zentrale Unterschied liegt in der Veröffentlichungspflicht: Während im DIW Berlin alle Forschungsergebnisse grundsätzlich veröffentlicht werden müssen, entscheidet bei der DIW Econ der jeweilige Auftraggeber, ob und wie Ergebnisse publiziert werden – das gilt etwa für Ministerien ebenso wie für andere Kunden. Die Forschungsarbeit selbst ist in beiden Häusern der guten wissenschaftlichen Praxis verpflichtet und somit ergebnisoffen und methodisch fundiert. Als Unternehmen ist die DIW Econ flexibler als ein Forschungsinstitut. Wir können schneller und kurzfristiger agieren, wenden die neusten wissenschaftlichen Methoden in der Praxis an, beschäftigen uns aber weit weniger mit der Weiterentwicklung dieser Methoden und Modelle als die Kolleg*innen im Institut. Unser Schwerpunkt ist die Anwendungspraxis.
Warum braucht Ihrer Meinung nach ein unabhängiges Forschungsinstitut wie das DIW eine Tochtergesellschaft, die Auftragsforschung – also von extern bezahlte Forschung - durchführt?
Handrich: Als DIW Econ arbeiten wir in Bereichen, die gesellschaftlich relevant, aber nicht unbedingt klassisch akademische Themenbereiche sind. Ein Beispiel dafür ist ein Gutachten zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des E-Lending in öffentlichen Bibliotheken auf den Publikumsmarkt. Das Thema war im Koalitionsvertrag der Ampelregierung fest vereinbart und das Gutachten wurde von uns im Auftrag der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien erstellt und in der Reihe DIW Politikberatung kompakt veröffentlicht. Im Projekt wurden zahlreiche Akteurinnen und Akteure – von Ministerien, Autoren, Übersetzern und Verlagen bis zu Verbänden – zusammengebracht, eine gemeinsame Datengrundlage geschaffen und eine von allen akzeptierte Analyse für ein politisch sensibles Thema geschaffen. Das Gutachten wurde auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert, anschließend ins Englische übersetzt und in Brüssel dem europäischen Fachpublikum vorgestellt. Die Studie wurde ebenfalls ins Italienische übersetzt. Solche komplexen, praxisnahen Projekte lassen sich außerhalb des wissenschaftlichen Kerngeschäfts effizienter in der Tochtergesellschaft umsetzen – mit wissenschaftlicher Methodik, aber klar anwendungsorientiert.