Vom Boykott zum Ölpreisschock

„Die Erdöl-Erpressung“ titelte der SPIEGEL am 3.11.1973. „Holland ohne Benzin“ stand in schwarz auf gelber Schrift daneben. Das Cover des Nachrichtenmagazins zeigte einen bewaffneten Kämpfer auf einer Pipeline sitzend. Zwei Wochen später zierte der Spiegel-Titel eine klassische arabische Kopfbedeckung und die Zeile „Ölscheichs gegen Europa“. Ähnlich drastisch berichteten viele Medien in Deutschland. Die sogenannten Ölpreiskrisen der 1970er-Jahre zählen zu den einschneidendsten ökonomischen Schocks der Nachkriegszeit. Das DIW Berlin hat die Folgen der Krisen in seinen Veröffentlichungen genau betrachtet. Wir schauen heute zurück in die Jahre 1973 bis in die 1980er Jahre und betrachten, wie die DIW-Forscher*innen die Krisen eingeordnet und welche Forderungen sie abgeleitet haben und fragen, was das mit unserer heutigen Situation zu tun hat.

Die beiden Spiegel-Titel von 1973 zeigen, wie ernst die Lage in Deutschland war.
© Der Spiegel

Die erste Ölkrise entzündete sich im Oktober 1973 durch den sogenannten Jom-Kippur-Krieg. Saudi-Arabien und Syrien hatten zusammen mit weiteren arabischen Staaten Israel angegriffen, an Jom Kippur, einem hohen jüdischen Feiertag. Westliche Staaten wie die USA und die Niederlande unterstützten Israel mit Waffen. Als Folge drosselten die arabischen Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ihre Fördermengen um etwa fünf Prozent. Innerhalb weniger Monate stieg der Ölpreis fast bis auf sein Vierfaches, weil 75 Prozent des importierten Rohöls aus arabischen Ländern stammte. infoVergl. Schenk. Arnfrid und Coenenberg, Nora (2024): Als es kippte. Erschienen in Die Zeit 23/2023, abrufbar unter: https://www.zeit.de/2023/43/oelpreis-oelpreiskrise-1973-geschichte

Erste Berechnungen der Folgen des Ölembargos im Dezember 1973

Bereits zwei Monate nach dem verhängten Embargo 1973 veröffentlichten DIW-Forscher*innen erste Modellrechnungen zu den möglichen Auswirkungen. Im Wochenbericht 51-52/1973 (PDF, 3.71 MB) schrieben sie, dass „das Mineralölangebot als Waffe im Nahost-Konflikt“ eingesetzt werde und die bisherigen Konjunkturprognosen eine Revision bedürften. Das Forschungsteam des DIW Berlin ging in dem Wochenbericht davon aus, dass die Industrieländer von der Ölpreisverknappung unterschiedlich betroffen sein werden. Es sei davon auszugehen, dass Frankreich relativ gut abschneiden würde, weil es bisher vom Boykott nicht betroffen sei, ebenso wie die USA, weil diese bisher wenig vom arabischen Erdöl abhängig seien. Besonders stark würden die Niederlande, Italien und Japan in Mitleidenschaft gezogen werden, so die Annahmen der Forscher*innen. Insgesamt gingen sie davon aus, dass das Bruttosozialprodukt in der Europäischen Gemeinschaft gegenüber 1973 um ein bis zwei Prozent sinken werden würde.infoDIW Berlin (1994): Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 1997, Wochenbericht 51-52/73, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.974951.de/1973-51_52.pdf, S.470

Ein Ölfeld – Erdöl als „Waffe im Nahost-Konflikt“, wie es im WB von 1973 heißt?
© Adobe/Pupahava

Im Wochenbericht vom 20. Dezember 1973 (WB 51-52/73) wird für Deutschland von einer Verknappung der Mineralölimporte von 20 Prozent ausgegangen und empfohlen, den größten Teil davon bei der privaten Raumheizung und dem privaten Kraftverkehr einzusparen, sowie da, wo es möglich ist, Substitutionsgüter einzusetzen, die statt Erdöl verwendet werden können.infoDIW Berlin (1994): Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 1997, Wochenbericht 51-52/73, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.974951.de/1973-51_52.pdf, S.473 Die Forscher*innen gingen von einer Preissteigerung aus, dessen Ausmaß sie nicht prognostizieren konnten. In verschiedenen Rechenmodellen mithilfe der Input-Output-Rechnung berechneten sie allerdings, dass Deutschland einen Verlust in der Produktivität seiner Industrie von zwei bis vier Prozent als Folge der Ölpreiskrise verzeichnen würde.infoDIW Berlin (1994): Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 1997, Wochenbericht 51-52/73, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.974951.de/1973-51_52.pdf, S.476

Die Zahlen für Deutschland, die wir heute kennen, zeigen, dass das Forscher*innenteam nicht falsch lag: In Deutschland wuchs 1973 das Bruttosozialprodukt um 4,7 Prozent, 1974 fiel die Zuwachsrate auf 0 Prozent und 1975 lag der Wert bei minus 1,1 Prozent.infoBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in den Jahren 2011 bis 2013: Wirtschaftskrise in den 1970er-Jahren, abrufbar unter: https://www.zeitklicks.de/bundesrepublik-ii/politik/die-spd-an-der-regierung/wirtschaftskrise-in-den-70er-jahren

Die Forscher*innen gingen von einer Preissteigerung aus, dessen Ausmaß sie nicht prognostizieren konnten. In verschiedenen Rechenmodellen mithilfe der Input-Output-Rechnung (Geschichte Stäglin verlinken) berechneten sie allerdings, dass Deutschland einen Verlust in der Produktivität seiner Industrie von zwei bis vier Prozent als Folge der Ölpreiskrise verzeichnen würde.Die Forscher*innen gingen von einer Preissteigerung aus, dessen Ausmaß sie nicht prognostizieren konnten. In verschiedenen Rechenmodellen mithilfe der Input-Output-Rechnung (Geschichte Stäglin verlinken) berechneten sie allerdings, dass Deutschland einen Verlust in der Produktivität seiner Industrie von zwei bis vier Prozent als Folge der Ölpreiskrise verzeichnen würde.Die Forscher*innen gingen von einer Preissteigerung aus, dessen Ausmaß sie nicht prognostizieren konnten. In verschiedenen Rechenmodellen mithilfe der Input-Output-Rechnung (Geschichte Stäglin verlinken) berechneten sie allerdings, dass Deutschland einen Verlust in der Produktivität seiner Industrie von zwei bis vier Prozent als Folge der Ölpreiskrise verzeichnen würde.DIW Berlin (1994): Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 1997, Wochenbericht 51-52/73, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.974951.de/1973-51_52.pdf, S.473

Verkehrsfreie Sonntage und Tempolimit

In der Bundesrepublik wurde Energiesparen ein beherrschendes Thema, im November 1973 beschloss der Bundestag das Energiesicherungsgesetzt, was auch zu autofreien Sonntagen und der Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen führte.infoVergl. Schenk. Arnfrid und Coenenberg, Nora (2024): Als es kippte. Erschienen in Die Zeit 23/2023, abrufbar unter: https://www.zeit.de/2023/43/oelpreis-oelpreiskrise-1973-geschichte An vier Sonntagen war in Deutschland das Fahren mit dem Auto verboten.infoWenn der Scheich es will, stehen alle Räder still. Erschienen in Der Spiegel  Vergl. https://www.spiegel.de/geschichte/autofreie-sonntage-a-950129.html  Die Bilder von leeren Autobahnen und von Pferden, die einen VW-Bus zogen, sind auch heute noch im kollektiven deutschen Gedächtnis verankert.

Heute ein eher seltenes Bild: Leere Autobahnen. Bei den verkehrsfreien Sonntagen im November 1972 war solch ein Bild normal.
© Adobe/Enrico Obergefäll

Aufgrund des öffentlichen Interesses am Thema Energieversorgung veröffentlichte das DIW Berlin weitere Wochenberichte, etwa mit dem Titel „Direkter und indirekter Einsatz von Energie in der Bundesrepublik im Jahre 1972“ (PDF, 2.16 MB) . In einem Wochenbericht vom 17. Januar 1974  (PDF, 1.77 MB)errechnete ein Forscher*innen-Team dann, wie die Preisentwicklung für 1974 in einzelnen Branchen aufgrund der Ölpreisexplosion aussehen würde. 

Folgen: Inflation, Rezession, Arbeitslosigkeit

Die Ölpreiskrise von 1973/74 löste weltweit einen drastischen Energiepreisschock aus – Öl wurde bis zu viermal teurer und die Folgen in der westlichen Welt waren Inflation, Rezession und Arbeitslosigkeit. In Deutschland wirkte sich die Krise spürbar aus: massive Mehrkosten bei Ölimporten, Einbruch der Wirtschaft und steigende Arbeitslosigkeit.infoVergl. Widmann, Arno (2023): Die Ölkrise und ihre Folgen: 1973 begann die Gegenwart, erschienen in Frankfurter Rundschau online, abrufbar unter: https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/die-oelkrise-und-ihre-folgen-1973-begann-die-gegenwart-92641008.html

Das DIW Berlin warf im Juli 1975 (PDF, 1.25 MB) die Frage auf, ob Deutschland ein umfangreiches Konjunkturprogramm benötigte, stand dem aber eher skeptisch gegenüber. Das WB-Autor*innenteam schlug kurzfristige Maßnahmen vor, die zeitnah wirken sollten, wie die Freigabe von Sondereinlagen des Bundes und der Länder oder verstärkte Finanzzuweisungen an die Gemeinden, anstatt eines großen, langwierigen Programms.infoVergl. DIW Berlin (1975): Empfiehlt sich ein umfangreiches Konjunkturprogramm?, WB 30/75, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.962773.de/75-30.pdf, S. 241nfoVergl. DIW Berlin (1975): Empfiehlt sich ein umfangreiches Konjunkturprogramm?, WB 30/75, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.962773.de/75-30.pdf, S. 241

Im September 1977 forderte das DIW Berlin dann einen „durchgreifenden Kurswechsel in der Finanzpolitik“ (PDF, 1.84 MB). „Angesichts der besorgniserregend hohen Arbeitslosigkeit und des enttäuschenden Konjunkturverlaufs ist ein finanzpolitischer Kurswechsel nicht mehr zu umgehen“, schrieben die Forscher*innen im Wochenbericht 36/77. Sie betonten die Notwendigkeit, die öffentlichen Investitionen und Ausgaben gezielt auszuweiten, um Beschäftigung und Nachfrage zu fördern.infoVergl. DIW Berlin (1977): Öffentliche Haushalte 1977/78, WB 36/77, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.962963.de/77-36.pdf, S. 319

Zweite Ölpreiskrise durch Situation im Iran

Die zweite Ölpreiskrise der 1970er Jahre wurde durch die Situation im Iran ausgelöst. Im Herbst 1978 kam es auf den Ölfeldern des Irans zu Streiks, als Teil der landesweiten Umwälzungen durch die islamische Revolution im Iran. Bis Januar 1979 waren deshalb die weltweiten Produktionsmengen an Rohöl um sieben Prozent gesunken.infoThe Brookings Institution (2019): What Iran’s 1979 revolution meant for US and global oil markets, abrufbar unter: https://www.brookings.edu/articles/what-irans-1979-revolution-meant-for-us-and-global-oil-markets  Die OPEC erhöhte daraufhin die Preise für Erdöl um durchschnittlich zehn Prozent.infoBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in den Jahren 2011 bis 2013: Wirtschaftskrise in den 1970er-Jahren, abrufbar unter: https://www.zeitklicks.de/bundesrepublik-ii/politik/die-spd-an-der-regierung/wirtschaftskrise-in-den-70er-jahrenBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in den Jahren 2011 bis 2013: Wirtschaftskrise in den 1970er-Jahren, abrufbar unter: https://www.zeitklicks.de/bundesrepublik-ii/politik/die-spd-an-der-regierung/wirtschaftskrise-in-den-70er-jahren

Im Frühjahr 1979 analysierten die DIW-Forscher*innen im Wochenbericht 17-18/79 (PDF, 1.4 MB) die Folgen dieses zweiten Ölpreisschocks für die Bundesrepublik Deutschland. Unter dem Titel „Zur Abhängigkeit der Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik Deutschland von Mineralimporten“ ging das Forschungsteam davon aus, dass die Folgen dieses zweiten Ölpreisschocks weniger drastisch als die der ersten Ölpreiskrise sein würden. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich das Rohöl so stark verteuere wie 1973/1974. Sie gingen von einer Preissteigerung von 20 bis 30 Prozent aus.infoDIW (1979): Zur Abhängigkeit der Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik Deutschland von Mineralölimporten. WBB 17-18/79, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.963099.de/79-17.pdf, S. 191Allerdings erwarteten die DIW-Forscher*innen eine länger anhaltende Angebotsverknappung und analysierten, welche Bereiche besonders von einer möglichen Verteuerung des Rohölpreises betroffen sein würden. Bei einer Erhöhung des Rohölpreises von 25 Prozent, würden sich die Preise im Einzelhandel nur um 0,2 Prozent erhöhen, in der Mineralölverarbeitung hingegen um 16,5 Prozent.infoDIW (1979): Zur Abhängigkeit der Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik Deutschland von Mineralölimporten. WBB 17-18/79, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.963099.de/79-17.pdf, S. 193

Auch hier ein Vergleich mit den Zahlen, die wir heute kennen: Tatsächlich hatte sich der Preis für Rohöl von 1978 bis 1980 mehr als verdoppelt, was aber eine wesentlich geringere Preissteigerung war als während des ersten Ölpreisschocks.infoWikipedia: Ölpreis, abrufbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lpreis Auch diese Ölpreiskrise hatte drastische Folgen für Deutschland, sie gilt auch als einer der Gründe für das Scheitern der Sozial-liberalen Koalition 1982.infoDeutscher Bundestag (2022): Politische Maßnahmen der Bundesregierung zur Bekämpfung der Ölpreiskrisen von 1973 und 1979; abrufbar unter: https://www.bundestag.de/resource/blob/924658/e933de3aec6892f4ecda22a3782ab863/WD-1-035-22-pdf-data.pdf

Auch nach den beiden großen Ölpreisschocks in den 1970er-Jahren beschäftigte sich das DIW Berlin weiterhin mit der Ölpreisentwicklung. In den 1980er Jahren sanken die Ölpreise, es kam zu einem Überangebot. Im DIW-Wochenbericht 28/85 (PDF, 1.42 MB) vom 11. Juli 1985 kritisierte das Forschungsteam eine Abhängigkeit der Industriestaaten vom Erdöl. Sie schrieben: „Sollte aber wegen unzureichender Anstrengungen in diesen Bereichen die Abhängigkeit der Industriestaaten vom OPEC-Rohöl abermals ansteigen, dann besteht die Gefahr, dass es in den neunziger Jahren zu erneuten Verteuerungen kommt.“infoDIW Berlin (1985): Perspektiven der Ölpreisentwicklung. WB 28/85. abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.963685.de/85-28.pdf , S. 321

Tatsächlich kam es 1990 mit dem zweiten Golfkrieg kurzzeitig wieder zu einem Anstieg der Ölpreise. Mit den Wirbelstürmen Katrina und Rita in den USA 2005 erreichte der Rohölpreis einen erneuten Höchstwert. Aus diesem Anlass befassten sich Claudia Kemfert und Manfred Horn im Wochenbericht (41/2005), mit der Entwicklung des Ölpreises. Die Forschenden fordern in ihrer Analyse, dass die Energieversorgung durch den Ausbau alternativer Ressourcen und eine nachhaltige Energiepolitik gesichert werden sollte.infoDIW Berlin (2005): Wohin entwickelt sich der Ölpreis? abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/43635/05-41-1.pdf, S. 589 Ein Thema, das das DIW bis heute beschäftigt: Wie nachhaltige Energieversorgung erreicht und die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verringert werden kann.

DIW (1979): Zur Abhängigkeit der Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik Deutschland von Mineralölimporten. WBB 17-18/79, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.963099.de/79-17.pdf, S. 193

Auch die Wirbelstürmen Katrina und Rita in den USA 2005 hatten Einfluss auf die Rohölpreise.
© Mark Moran via Wikimedia

Weitere weltweite Krisen, wie die Bankenkrise 2008, die EU-Schuldenstaaten-Krise von 2011 und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 trieben den Erdölpreis in die Höhe. Auch in jüngerer Zeit hat das DIW Berlin die globalen Rohölmärkte eingehend analysiert. So zeigen Modellierungen von Franziska Holz und Koautor*innen (DIW Diskussionspapier Nr. 869, 2009), dass sich Marktmacht und Angebotsstrukturen auf den Ölpreis erheblich auswirken können.infoSiehe auch: Zaklan, Ansari & Kemfert (2017): „Erdöl: Marktentwicklungen und Simulationen deuten auf stabiles Gleichgewicht“ – DIW Wochenbericht 51/52-2017 (parallel als DIW Economic Bulletin).
Huppmann & Holz (2009): „Ein Modell für den globalen Rohölmarkt mit Multi-Pool-MCP-Ansatz“ – DIW Diskussionspapiere Nr. 869.
Huppmann & Holz (2012): „Marktmacht im Rohölmarkt – eine Verschiebung in den letzten Jahren?“ – The Energy Journal, Vol. 33(4).
Diese Forschung verdeutlicht, wie eng geopolitische Faktoren und ökonomische Marktmechanismen miteinander verflochten sind – eine Erkenntnis, die bis heute die energiepolitische Debatte prägt.

In ihrem DIW aktuell vom 7. April 2022 analysieren Lukas Menkhoff und Malte Rieth die Folgen des Ölpreisanstiegs für die Verbraucherpreise (DIW aktuell Nr. 82 (PDF, 314.32 KB)). Die beiden legen dar, dass die Weltkonjunktur etwa zwölf Monate nach dem Schock am stärksten leiden würde und über zwei Jahre braucht, um sich wieder annähernd davon zu erholen.infoDIW Berlin (2022): Kriegsbedingter Ölpreisanstieg erhöht Verbraucherpreise in Deutschland merklich und anhaltend, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.838663.de/diw_aktuell_82.pdf S. 3 Sie gehen auch von langanhalten Preissteigerungen für Verbraucherinnen und Verbraucher aus, konkret berechnen sie 1,5 Prozent Preissteigerung über zwei Jahre.infoDIW Berlin (2022): Kriegsbedingter Ölpreisanstieg erhöht Verbraucherpreise in Deutschland merklich und anhaltend, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.838663.de/diw_aktuell_82.pdf S. 2 Tatsächlich lag die Inflationsrate im Jahr 2022 bei 7,9 Prozent und damit bei einem Höchstwert der letzten 70 Jahre.infoAP (2023): German inflation hits 7.9% in 2022, highest in over 70 years, abrufbar unter: https://apnews.com/article/russia-ukraine-inflation-germany-europe-business-2ba565a72a327c22671d73da785b12f2  

Claudia Kemfert, die seit 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin leitet, sagt heute: „Die Ölpreiskrisen der 1970er Jahre haben uns vor Augen geführt, wie verletzlich fossile Abhängigkeiten machen.“ Schon damals habe das DIW darauf hingewiesen, dass Energiesicherheit nicht über neue fossile Abhängigkeiten, sondern nur durch Effizienzsteigerungen und den Ausbau alternativer Energien erreicht werden könne. „Diese Lehre ist heute aktueller denn je: Jede Krise bestätigt, dass eine nachhaltige, erneuerbare und unabhängige Energieversorgung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch die beste Versicherung gegen Preisschocks und geopolitische Risiken ist“, so Kemfert.

Die Forschung des DIW Berlin zum Thema Erdöl hat also wesentlich dazu beigetragen, die komplexen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Rohölpreisschocks empirisch zu erfassen und zu bewerten. Durch kontinuierliche Analysen und Modellrechnungen lieferten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts nicht nur frühzeitige Einschätzungen zur jeweiligen Krisenlage, sondern ermöglichten auch differenzierte Vorschläge für politische Handlungsoptionen für eine sichere Energieversorgung in der Zukunft.

Autorin: Lena Högemann

Kontakt zur Expertin

100 JAHRE DIW BERLIN IN FÜNF EPOCHEN

keyboard_arrow_up