Zweite Ölpreiskrise durch Situation im Iran
Die zweite Ölpreiskrise der 1970er Jahre wurde durch die Situation im Iran ausgelöst. Im Herbst 1978 kam es auf den Ölfeldern des Irans zu Streiks, als Teil der landesweiten Umwälzungen durch die islamische Revolution im Iran. Bis Januar 1979 waren deshalb die weltweiten Produktionsmengen an Rohöl um sieben Prozent gesunken.infoThe Brookings Institution (2019): What Iran’s 1979 revolution meant for US and global oil markets, abrufbar unter: https://www.brookings.edu/articles/what-irans-1979-revolution-meant-for-us-and-global-oil-markets Die OPEC erhöhte daraufhin die Preise für Erdöl um durchschnittlich zehn Prozent.infoBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in den Jahren 2011 bis 2013: Wirtschaftskrise in den 1970er-Jahren, abrufbar unter: https://www.zeitklicks.de/bundesrepublik-ii/politik/die-spd-an-der-regierung/wirtschaftskrise-in-den-70er-jahrenBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in den Jahren 2011 bis 2013: Wirtschaftskrise in den 1970er-Jahren, abrufbar unter: https://www.zeitklicks.de/bundesrepublik-ii/politik/die-spd-an-der-regierung/wirtschaftskrise-in-den-70er-jahren
Im Frühjahr 1979 analysierten die DIW-Forscher*innen im Wochenbericht 17-18/79 (PDF, 1.4 MB) die Folgen dieses zweiten Ölpreisschocks für die Bundesrepublik Deutschland. Unter dem Titel „Zur Abhängigkeit der Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik Deutschland von Mineralimporten“ ging das Forschungsteam davon aus, dass die Folgen dieses zweiten Ölpreisschocks weniger drastisch als die der ersten Ölpreiskrise sein würden. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich das Rohöl so stark verteuere wie 1973/1974. Sie gingen von einer Preissteigerung von 20 bis 30 Prozent aus.infoDIW (1979): Zur Abhängigkeit der Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik Deutschland von Mineralölimporten. WBB 17-18/79, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.963099.de/79-17.pdf, S. 191Allerdings erwarteten die DIW-Forscher*innen eine länger anhaltende Angebotsverknappung und analysierten, welche Bereiche besonders von einer möglichen Verteuerung des Rohölpreises betroffen sein würden. Bei einer Erhöhung des Rohölpreises von 25 Prozent, würden sich die Preise im Einzelhandel nur um 0,2 Prozent erhöhen, in der Mineralölverarbeitung hingegen um 16,5 Prozent.infoDIW (1979): Zur Abhängigkeit der Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik Deutschland von Mineralölimporten. WBB 17-18/79, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.963099.de/79-17.pdf, S. 193
Auch hier ein Vergleich mit den Zahlen, die wir heute kennen: Tatsächlich hatte sich der Preis für Rohöl von 1978 bis 1980 mehr als verdoppelt, was aber eine wesentlich geringere Preissteigerung war als während des ersten Ölpreisschocks.infoWikipedia: Ölpreis, abrufbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lpreis Auch diese Ölpreiskrise hatte drastische Folgen für Deutschland, sie gilt auch als einer der Gründe für das Scheitern der Sozial-liberalen Koalition 1982.infoDeutscher Bundestag (2022): Politische Maßnahmen der Bundesregierung zur Bekämpfung der Ölpreiskrisen von 1973 und 1979; abrufbar unter: https://www.bundestag.de/resource/blob/924658/e933de3aec6892f4ecda22a3782ab863/WD-1-035-22-pdf-data.pdf
Auch nach den beiden großen Ölpreisschocks in den 1970er-Jahren beschäftigte sich das DIW Berlin weiterhin mit der Ölpreisentwicklung. In den 1980er Jahren sanken die Ölpreise, es kam zu einem Überangebot. Im DIW-Wochenbericht 28/85 (PDF, 1.42 MB) vom 11. Juli 1985 kritisierte das Forschungsteam eine Abhängigkeit der Industriestaaten vom Erdöl. Sie schrieben: „Sollte aber wegen unzureichender Anstrengungen in diesen Bereichen die Abhängigkeit der Industriestaaten vom OPEC-Rohöl abermals ansteigen, dann besteht die Gefahr, dass es in den neunziger Jahren zu erneuten Verteuerungen kommt.“infoDIW Berlin (1985): Perspektiven der Ölpreisentwicklung. WB 28/85. abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.963685.de/85-28.pdf , S. 321
Tatsächlich kam es 1990 mit dem zweiten Golfkrieg kurzzeitig wieder zu einem Anstieg der Ölpreise. Mit den Wirbelstürmen Katrina und Rita in den USA 2005 erreichte der Rohölpreis einen erneuten Höchstwert. Aus diesem Anlass befassten sich Claudia Kemfert und Manfred Horn im Wochenbericht (41/2005), mit der Entwicklung des Ölpreises. Die Forschenden fordern in ihrer Analyse, dass die Energieversorgung durch den Ausbau alternativer Ressourcen und eine nachhaltige Energiepolitik gesichert werden sollte.infoDIW Berlin (2005): Wohin entwickelt sich der Ölpreis? abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/43635/05-41-1.pdf, S. 589 Ein Thema, das das DIW bis heute beschäftigt: Wie nachhaltige Energieversorgung erreicht und die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verringert werden kann.
DIW (1979): Zur Abhängigkeit der Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik Deutschland von Mineralölimporten. WBB 17-18/79, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.963099.de/79-17.pdf, S. 193