Beispiel England zeigt: Jeder Fehltag in der Schule geht mit schlechteren Abschlussnoten einher

Pressemitteilung vom 20. August 2025

Schulfehltage sind in Berlin wie in England seit der Corona-Pandemie deutlich gestiegen – Analyse für England zeigt, wie negativ sich Fehlzeiten auf Abschlussnoten auswirken – Schulen müssen personell und finanziell besser ausgestattet werden, um gegensteuern zu können

Die Zahl der Schulfehltage ist in Berlin seit der Corona-Pandemie deutlich gestiegen – in der siebten bis zehnten Jahrgangsstufe von rund sechseinhalb auf etwa neun Prozent pro Schuljahr – und liegt damit auf einem ähnlich hohen Niveau wie in England. Dort werden seit Jahren detaillierte Daten zu Fehlzeiten und schulischen Leistungen erhoben. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat diese Daten für England nun ausgewertet: Demnach geht jeder versäumte Schultag – unabhängig vom Schuljahr und davon, ob er entschuldigt ist oder nicht – mit schlechteren Abschlussnoten am Ende der elfjährigen Pflichtschulzeit einher. „Mehr Fehltage spiegeln sich in den Prüfungsergebnissen wider – die negativen Effekte dürften sich langfristig kaum aufholen lassen“, sagt Jascha Dräger, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des DIW Berlin.

© DIW Berlin

An der Studie beteiligt waren auch zwei Forscher der University of Glasgow und der University of Strathclyde in Glasgow. Die Studienautoren haben auf Daten aus England zurückgegriffen, weil Schulfehlzeiten in Deutschland nicht systematisch erhoben werden. Dort, wo das doch der Fall ist, können Fehlzeiten einzelner Schüler*innen nicht mit Leistungsdaten verknüpft werden.

Wie die Berechnungen für England zeigen, wirken sich Fehltage in sämtlichen Schuljahren negativ auf die Leistungen in den Abschlussprüfungen der elften Klasse aus. Der Zusammenhang lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: Steigt der Anteil der Fehltage bei einem*r Schüler*in in einem Schuljahr um zehn Prozentpunkte, entspricht der Effekt auf die Abschlussnoten einem Abrutschen von Platz 50 auf Platz 56 in einer Rangliste von 100 Schüler*innen. Besonders stark sind die Folgen von Fehltagen in der ersten sowie in der sechsten bis zehnten Klasse.

Konzepte zur Verringerung von Fehlzeiten müssen konsequent umgesetzt werden

In Deutschland könnte nach Einschätzung der Studienautoren vor allem die Endphase der Grundschule kritisch sein, da hier die Weichen für den Übergang auf weiterführende Schulen gestellt werden – anders als in England, wo es bis zum Ende der Sekundarschulzeit inklusive der elften Klasse keine verschiedenen Schulformen gibt. Neben kurzfristigen Lernverlusten zeigen andere Studien und Analysen auch langfristige Konsequenzen: Wer in der Schulzeit häufiger gefehlt hat, erreicht im Durchschnitt niedrigere Bildungsabschlüsse und erzielt später ein geringeres Einkommen. „Fehltage schaden nicht nur kurzfristig, sondern ziehen in vielen Fällen eine Spur durch den ganzen weiteren Bildungsverlauf und das spätere Erwerbsleben“, so Dräger.

Die Studienautoren sprechen daher zwei Empfehlungen aus: Erstens sollten Fehltage systematisch in allen Bundesländern erfasst und veröffentlicht werden. Derzeit geschieht dies regelmäßig nur in Berlin und Thüringen. Zweitens sollten Schulen besser darauf vorbereitet sein, versäumte Inhalte systematisch nachzuholen – etwa durch schulisch organisierte Förderangebote oder individuelle Lernpläne. Bereits vorhandene Kon­zepte zur Verringerung von Fehltagen sollten konsequent umgesetzt werden. Dafür müssten Schulen entsprechend ausgestattet werden, finanziell wie personell.

Links

O-Ton von Jascha Dräger
Fehltage in der Schule bringen langfristig Nachteile - Interview mit Jascha Dräger

Themen: Bildung

Jascha Dräger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel

keyboard_arrow_up