Freund*in und Helfer*in? Frauen sind bei Polizei, Rettungsdienst und insbesondere der Feuerwehr unterrepräsentiert

DIW Wochenbericht 18 / 2026, S. 259-267

Anna Bindler, Felix Böttger, Katharina Wrohlich

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  • Frauen sind in sogenannten Erstretterberufen nach wie vor unterrepräsentiert – Frauenanteil zuletzt zwar gestiegen, aber nirgends höher als etwa ein Drittel
  • Frauenanteile bei Berufsfeuerwehr (unter drei Prozent) und Freiwilliger Feuerwehr (elf Prozent) besonders gering, obwohl es in Jugendfeuerwehr über 30 Prozent Frauen gibt
  • Arbeitsbelastungen in der Feuerwehr sind zwar hoch, allerdings im Vergleich zur Polizei und insbesondere zum Rettungsdienst (wo deutlich mehr Frauen arbeiten) nicht viel höher
  • Weitere mögliche Ursachen sind institutionelle Zugangsvoraussetzungen und geschlechter-stereotype Zuschreibungen
  • Da Arbeitskräftemangel in systemrelevanten Erstretterberufen groß ist, sollte die Politik dieses Berufsfeld für Frauen attraktiver gestalten

„Erstretterberufe müssten für Frauen attraktiver werden. Dabei geht es nicht nur darum, institutionelle Hürden wie Zulassungsvoraussetzungen zu überdenken. Wichtig ist auch, geschlechterstereotype Zuschreibungen abzubauen. Informationskampagnen sind dabei ein Anfang.“ Anna Bindler

Frauen sind in Erstretterberufen – dazu zählen Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr – unterrepräsentiert. Zwar ist der Frauenanteil im Rettungsdienst und bei der Polizei in den vergangenen Jahren gestiegen, lag zuletzt aber weiter nur bei 34 Prozent (Rettungsdienst) beziehungsweise 28 Prozent (Bundespolizei) und 35 Prozent (Durchschnitt Landespolizei). In den Berufsfeuerwehren ist der Anteil mit unter drei Prozent noch einmal deutlich geringer. Dies ist bemerkenswert, da der Mädchen- beziehungsweise Frauenanteil in der Jugendfeuerwehr und in der Freiwilligen Feuerwehr mit 31 und elf Prozent deutlich höher liegt. Zudem sind die berufsspezifischen Belastungen für Beschäftigte im Rettungsdienst und in der Feuerwehr ähnlich hoch. Mögliche Gründe für den besonders geringen Frauenanteil in der Berufsfeuerwehr sind unter anderem institutionelle Zugangsvoraussetzungen (etwa berufliche Voraussetzungen) sowie geschlechterstereotype Zuschreibungen, die mit diesem Beruf verbunden sind. Da der Arbeitskräftemangel in den systemrelevanten Erstretterberufen groß ist, sollte die Politik mit einer Überprüfung der Zugangsvoraussetzungen und Informationskampagnen versuchen, mehr Frauen für dieses Berufsfeld zu gewinnen.

Frauen sind in vielen Berufen auf dem deutschen Arbeitsmarkt unterrepräsentiert. Während einige Berufe dabei mehr Aufmerksamkeit erhalten,infoBeispielsweise gibt es regelmäßig Berichterstattung über den Frauenanteil in hohen Führungspositionen der Privatwirtschaft. Vgl. zum Beispiel Arianna Antezza, Alina Meiner und Katharina Wrohlich (2026): Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten großer Unternehmen: Aufwärtstrend der letzten Jahre kommt größtenteils zum Halt. DIW Wochenbericht Nr. 3, 17–29 (online verfügbar, abgerufen am 30. März 2026. Dies gilt auch für alle anderen Online-Quellen dieses Berichts, sofern nicht anders vermerkt). finden andere in der Debatte bisher weniger Beachtung. Eine wichtige Gruppe unter letzteren sind die sogenannten Erstretterberufe, also Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Dabei handelt es sich um Berufe, die gesellschaftlich besonders wichtig und systemrelevant sind – nicht zuletzt, weil es im Ernstfall um Leben und Tod geht.

Traditionell ist der Frauenanteil in diesen Berufen gering.Noch bis Anfang der 1990er Jahre hatte das teilweise institutionelle Gründe: Bei der Bundespolizei wurden erstmals 1987 Frauen im Rahmen eines Pilotprojekts eingestellt.infoBundespolizei (2021): Sechs Meilensteine in der Geschichte der Bundespolizei (online verfügbar). Auf Länderebene stellte die Polizei Hamburg ab 1979 Frauen ein (unter anderem, um dem Personalmangel entgegenzuwirken).infoInse Leiner (2013): Frauen in Uniform. Hamburger Polizei Journal Nr. 9, 20–22 (online verfügbar). Bayern ermöglichte Frauen als letztes Bundesland erst ab 1990 den Dienst in der uniformierten Polizei.infoVgl. Pressemitteilung der Bayerischen Staatsregierung vom 28. Februar 2020: Herrmann feiert 30 Jahre Frauen im uniformierten Polizeidienst (online verfügbar). Bei der Berufsfeuerwehr ließ als erstes Bundesland Hamburg Frauen ab 1985 „per Gesetz“ zu, in der Praxis gab es im gleichen Jahr die erste Berufsfeuerwehrfrau in Nordrhein-Westfalen (in der Freiwilligen Feuerwehr waren sie schon früher tätig).infoUlrike Nikola (2016): Ein halbes Jahrhundert Frauen in der Feuerwehr. Brandwacht 4/2016 (online verfügbar). Vgl. auch Informationen auf der Website des Netzwerks Feuerwehrfrauen e. V..

Dieser Wochenbericht zeigt, dass der Frauenanteil in Erstretterberufen auch heute noch gering ist, und analysiert mögliche Gründe und Handlungsoptionen. Das ist aus verschiedenen Perspektiven relevant: Erstens ist die Repräsentanz von Frauen für das Vertrauen in Institutionen und die Daseinsvorsorge wichtig.infoVgl. zum Beispiel Sofia Amaral, Sonia Bhalotra und Nishith Prakash (2021): Gender, crime and punishment: The effects of women police stations in India. CESifo Working Paper Nr. 9002 (online verfügbar); Amalia Miller und Carmit Segal (2019): Do female officers improve law enforcement quality? Effects on crime reporting and domestic violence. Review of Economic Studies, 86, 2220–2247 (online verfügbar); OECD (2024): OECD survey on drivers of trust in public institutions – 2024 results: Building trust in a complex policy environment (online verfügbar). Zweitens gibt es in diesen Berufen Personalmangel – die geringe Beteiligung von Frauen in diesen Tätigkeitsfeldern ist daher besonders kostspielig. In Berlin beispielsweise blieb bei der Berufsfeuerwehr 2024 jeder vierte Ausbildungsplatz unbesetzt,infoAlexander Fröhlich (2024): Berliner Feuerwehr in der Krise. Tagesspiegel vom 15. Oktober (online verfügbar). bei der Polizei 2025 etwa jeder fünfte.infoPressemitteilung der Gewerkschaft der Polizei Berlin vom 20. August 2025: GdP schlägt Alarm – Ein Fünftel der Polizei-Ausbildungsplätze bleibt leer (online verfügbar).

Frauenanteil unter Erstretter*innen steigt auf niedrigem Niveau

Die Daten zu Beschäftigten in Erstretterberufen stammen aus verschiedenen Quellen (Kasten 1). Das liegt unter anderem daran, dass insbesondere bei Polizei und Feuerwehr der Anteil der Beamt*innen hoch ist und bei der Polizei die Unterscheidung in Polizei der Länder und des Bundes hinzukommt. Anhand der verschiedenen Datenquellen lässt sich die Entwicklung des Frauenanteils in den verschiedenen Berufen über die Zeit nachzeichnen.

Die Berechnung des Frauenanteils in Erstretterberufen beruht auf Statistiken zu Beschäftigten in den jeweiligen Berufsgruppen. Für die Feuerwehr wurde die Statistik des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV) genutzt. Sie basiert auf bundesweit zusammengeführten Angaben der Innenministerien der Länder, der Deutschen Jugendfeuerwehr, des Statistischen Bundesamts (Destatis) und der Unfallversicherer. Sie wird voraussichtlich Ende 2026 erneut aktualisiert. Ergänzend wurden Zahlen aus dem Jahresbericht 2024 des Landesfeuerwehrverbands (LFV) Schleswig-Holstein genutzt. Für die Polizei wurden die von Destatis im Statistischen Bericht „Personal des öffentlichen Dienstes“ veröffentlichten Daten zur Geschlechterverteilung im Polizeidienst im Bundes- und Landesbereich analysiert. Für Rettungsdienst und Berufe im Brandschutz wurden Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten genutzt (Berufscode 8134 „Berufe im Rettungsdienst“ und Berufscode 5313 „Berufe im Brandschutz“). Die Angaben zum Frauenanteil in Leitungspositionen bei der Berliner Polizei und Feuerwehr stammen aus dem 13., 14. und 15. Bericht über die Umsetzung des Berliner Landesgleichstellungsgesetzes.

Angaben zu beruflichen Belastungen bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst beruhen auf der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) entwickelten Job-Exposure-Matrix auf Basis der BIBB/BAuA-ErwerbstätigenbefragunginfoBIBB steht für das Bundesinstitut für Berufsbildung. 2018. Diese ordnet den Berufen Expositionswerte für zentrale Arbeitsbedingungen zu. Berechnungen zu Gefährdung und Sicherheit im Beruf nutzen die Daten der in der Opferspezifik „Vollstreckungsbeamte und Rettungsdienstkräfte“ der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS, Bundeskriminalamt) erfassten Fälle, in denen die Betroffenheit als Opfer in sachlichem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht.

Mehr Frauen bei Rettungsdienst und Polizei als bei der Feuerwehr

Der Frauenanteil ist seit 2010/11 in allen betrachteten Berufsgruppen (Rettungsdienst, Polizei, Berufs- und Werkfeuerwehr sowie Berufe im Brandschutz als übergreifende Kategorie mit besserer Datenverfügbarkeit) gestiegen (Abbildung 1).infoZu Berufen im Rettungsdienst gehören beispielsweise Rettungsassistent*innen, Notfallsanitäter*innen, Notfallmanager*innen oder Funkstellenleiter*innen. Zu Berufen im Brandschutz gehören Berufe in der Feuerwehr sowie zum Beispiel Brandschutztechniker*innen und -berater*innen, Sachverständige für Brandschutz oder Brandschutzingenieur*innen. Vgl. Informationen auf der Website der Bundesagentur für Arbeit. Bei der Bundespolizei lag er im Jahr 2024 bei gut 28 Prozent, bei der Landespolizei im Durchschnitt bei knapp 35 Prozent. Im Vergleich zu 2011 waren das rund sieben beziehungsweise zehn Prozentpunkte mehr. Noch stärker ging es beim Rettungsdienst bergauf, von knapp 19 Prozent im Jahr 2012 auf fast 34 Prozent im Jahr 2025.

Bei Feuerwehr und Brandschutz zeigt sich ein anderes Bild: Zwar ist der Frauenanteil auch hier gestiegen (sowohl in Berufs- und Werkfeuerwehren als auch in Brandschutzberufen), allerdings verbleibt er auf einem deutlich niedrigeren Niveau weit unter zehn oder sogar fünf Prozent. Die neuesten Daten für die Feuerwehr sind aus dem Jahr 2022: Hier betrug der Frauenanteil bei der Berufsfeuerwehr 2,7 Prozent und bei der Werkfeuerwehr 3,9 Prozent (verglichen mit 1,2 und 2,7 Prozent im Jahr 2015). Bei Berufen im Brandschutz lag der Frauenanteil etwas höher, bei zuletzt 5,8 Prozent im vergangenen Jahr – etwa drei Prozentpunkte mehr als im Jahr 2012.

Höherer Frauenanteil in der Jugendfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr als in der Berufsfeuerwehr

Die Daten zeigen, dass der Frauenanteil bei der Feuerwehr im Vergleich zu Polizei und Rettungsdienst besonders niedrig ist. Allerdings gibt es dabei Unterschiede zwischen Berufsfeuerwehr, Werkfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr und Jugendfeuerwehr. Bei allen Feuerwehrtypen (Kasten 2) ist der Frauenanteil über die letzten 20 Jahre leicht gestiegen (Abbildung 2, linker Teil). Es zeigt sich aber ein Muster, das dem einer „Leaky Pipeline“ entspricht:info„Leaky Pipeline“ bezeichnet das Phänomen, dass mit höheren Qualifikations- und Karrierestufen der Frauenanteil sinkt. Hier wird dieser Begriff auf den Vergleich von der Jugendfeuerwehr mit den Feuerwehren im Erwachsenenalter bezogen. Während im Jahr 2022 fast jede dritte Person in der Jugendfeuerwehr weiblich war (knapp 31 Prozent), war es bei der Freiwilligen Feuerwehr nur noch etwas mehr als jede zehnte Person (gut elf Prozent) und bei Werk- beziehungsweise Berufsfeuerwehren weniger als jede 20. Person (3,9 beziehungsweise 2,7 Prozent).

Die Feuerwehr in Deutschland ist regional strukturiert. Brandschutz ist Aufgabe der Länder, liegt aber operativ bei den Kommunen.infoWolfram Geier (2021): Strukturen, Akteure und Zuständigkeiten des deutschen Bevölkerungsschutzes. Bundeszentrale für politische Bildung: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bevölkerungsschutz, 5. März (online verfügbar).

Mit der Jugendfeuerwehr (JF) und Kindergruppen beziehungsweise Kinderfeuerwehren spielt die Nachwuchsarbeit eine wichtige Rolle. Die JF dient als Nachwuchsquelle für die Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr (FF), die über eine Million ehrenamtliche Mitglieder umfasst.infoVgl. den Statistikbereich auf der Website des Deutschen Feuerwehrverbands. Neben den zentralen Aufgaben (Retten, Löschen, Bergen und Schützen) bildet die „Technische Hilfeleistung“ einen Schwerpunkt. Zahlenmäßig deutlich kleiner ist die Berufsfeuerwehr (BF). Sie stellt die professionelle, hauptamtliche Feuerwehr in Städten dar und ist meist an eine bestimmte Einwohner*innenzahl geknüpft. In Einsatzbereitschaft im Schichtdienst übernehmen spezialisierte Einheiten je nach örtlichem Risiko komplexe urbane Notfälle, etwa in Hochhäusern, im U-Bahn-Netz oder bei Einsätzen mit hoher Verkehrsdichte. Daneben existieren in Betrieben mit hohem Risiko, etwa in der Chemiebranche oder an Flughäfen, spezialisierte Werkfeuerwehren (WF). Sie sind oft staatlich beziehungsweise behördlich angeordnetinfoBayerisches Feuerwehrgesetz (BayFwG), Art. 15 Werkfeuerwehr, in der Fassung vom 23. Dezember 1981, Text gilt ab 16. Juli 2025 (online verfügbar). und machen, an der Anzahl der Personen gemessen, den kleinsten Teil der genannten Wehren aus. Sie sind vor allem für den betrieblichen Brandschutz und die technische Hilfe am Standort zuständig.

In Städten mit BF stellt diese in der Regel die Grundversorgung, während die FF je nach lokaler Alarm- und Bedarfsplanung personell, örtlich oder fachlich unterstützt, etwa bei Großeinsätzen. Auf dem Land wiederum liegen Erstmaßnahmen und tragende Regelstruktur meist bei der FF.

Auf Bundeslandebene stehen teils vollständigere Daten zur Verfügung. Am Beispiel Schleswig-Holstein zeigt sich dabei aber ein ähnliches Bild wie auf Bundesebene (Abbildung 2, rechter Teil): Im Jahr 2024 lag der Frauenanteil in der Jugendfeuerwehr bei 30,7 Prozent, in der Freiwilligen Feuerwehr bei 11,9 Prozent und in der Werk- beziehungsweise Berufsfeuerwehr bei 5,6 beziehungsweise 6,4 Prozent.

Beispiel Berlin zeigt: Bei Polizei und Feuerwehr wenig Frauen als Führungskräfte

Beim Frauenanteil in Leitungspositionen von Erstretterberufen ist es aufgrund der Datenlage schwierig, Aussagen für Deutschland insgesamt zu treffen. Stattdessen fokussiert sich dieser Wochenbericht auf das Land Berlin, da dort zumindest bis zum Jahr 2020 entsprechende Daten vorliegen.

Für die Berliner Polizei zeigt sich: Von etwas über 23000 Beschäftigten waren im Jahr 2020 gut 6700 Frauen (Abbildung 3, linker Teil). Das entspricht einem Frauenanteil von knapp 29 Prozent. Dabei ist die Tendenz seit 2016 steigend. Damals war etwa jede fünfte Leitungsposition bei der Berliner Polizei von einer Frau besetzt – 2018 und 2020 lag dieser Anteil bereits bei 23 und 27 Prozent.infoLeitungspositionen beziehen sich auf Leitungspositionen in der Polizei insgesamt, also inklusive höherem und gehobenem Dienst. Zwischen 2018 und 2020 wurde die Erfassung von Leitungs- und Führungskräften geändert, sodass sich die Anzahl der Beschäftigten in Leitungsfunktionen insgesamt verringert hat.

Bei der Feuerwehr lassen die Daten für Berlin einen noch genaueren Blick zu: Besonders niedrig war der Frauenanteil im Jahr 2020 bei Beschäftigten im technischen Dienst mit nur 56 Frauen von insgesamt knapp 3800 Beschäftigten. Das entsprach, wie auch in den Jahren 2016 und 2018, einem Frauenanteil von jeweils unter zwei Prozent (Abbildung 3, rechter Teil). Im nichttechnischen Dienst sind Frauen deutlich stärker repräsentiert, allerdings bei insgesamt niedrigeren Beschäftigtenzahlen.infoDer nichttechnische Dienst umfasst zum Beispiel Verwaltungsaufgaben wie Personal-, Finanz- oder Beschaffungswesen. Die aktuell verfügbaren Daten für das Jahr 2020 ergeben bei 209 Frauen von insgesamt 455 Beschäftigten einen Frauenanteil von knapp 46 Prozent. In Leitungspositionen der Berliner Feuerwehr betrug der Frauenanteil in den Jahren 2018 und 2020 jeweils rund 16 Prozent und lag damit deutlich höher als der Frauenanteil insgesamt im technischen Dienst, gleichzeitig aber auch deutlich niedriger als der Frauenanteil im nichttechnischen Dienst.

Mögliche Gründe für geringen Frauenanteil sind vielfältig

Der besonders niedrige Frauenanteil bei der Feuerwehr fällt insbesondere im Vergleich zu Polizei und Rettungsdienst auf. Im Folgenden werden mögliche Gründe dafür diskutiert.

Hohe Belastung im Beruf – allerdings nicht nur bei der Feuerwehr

Ein Grund für den geringen Frauenanteil bei der Feuerwehr könnte ein gesundheitlich und körperlich belastendes Berufsbild sein. Die Klassifizierungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zu verschiedenen Belastungen in Berufen geben hierfür Anhaltspunkte: Bei physischen Belastungen, umgebungsbezogenen Belastungen und bei der Arbeitszeitlage erreichen Berufsfeuerwehrleute jeweils den Höchstwert (Tabelle 1). Allerdings sind die Belastungen bei Sanitäter*innen in zwei dieser drei Kategorien genauso hoch; in den übrigen Kategorien (Arbeitsintensität und Handlungsspielraum) sind sie bei der Polizei beziehungsweise im Sanitätsdienst sogar höher als bei der Feuerwehr. Insgesamt lässt sich damit feststellen, dass die Arbeitsbelastungen in der Feuerwehr zwar hoch sind – allerdings im Vergleich zur Polizei und insbesondere zum Rettungsdienst (wo deutlich mehr Frauen arbeiten) nicht viel höher. Der besonders niedrige Frauenanteil bei der Feuerwehr lässt sich daher nicht (nur) durch ein belastendes Berufsbild erklären.

Tabelle 1: Berufliche Belastungen bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst

Auf einer Skala von 1 bis 10

Klassifizierung (KIdb92) Berufe (Label) Physische Belastungen (5 Indikatoren) Umgebungsbezogene Belastungen (5 Indikatoren) Arbeitsintensität (6 Indikatoren) Handlungsspielraum (3 Indikatoren) Arbeitszeitlage (3 Indikatoren)
8012 Grenzschutz-, Polizeibedienstete (höherer Dienst) 4 5 5 6 5
8013 Grenzschutz-, Polizeibedienstete (gehobener Dienst) 5 7 4 6 9
8014 Grenzschutz-, Polizeibedienstete (einfacher, mittlerer Dienst) 5 8 4 2 9
8020 Berufsfeuerwehrleute, allgemein 10 10 4 1 10
8021 Berufsfeuerwehrleute (höherer Dienst) 7 9 3 3 9
8022 Berufsfeuerwehrleute (gehobener Dienst) 7 10 4 1 9
8023 Berufsfeuerwehrleute (mittlerer Dienst) 8 10 2 1 9
8542 Sanitäter*innen 10 8 9 1 10

Lesebeispiel: Für Berufsfeuerwehrleute allgemein erreicht der Index für physische Belastungen den Höchstwert von 10.

Anmerkung: Die Indizes für Berufsgruppen stellen jeweils eigenständige Werte dar. So ist die Klassifizierung 8020 (Berufsfeuerwehrleute allgemein) umfassender als die Summe der Gruppen 8021, 8022 und 8023. Die Gruppe 8020 ist daher kein Mittelwert der anderen drei Gruppen.

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erlaubt einen Blick auf die Sicherheit im Beruf (Abbildung 4), die einen weiteren Grund für einen geringen Frauenanteil darstellen könnte. Insgesamt werden bei der Polizei mehr Beschäftigte Opfer von Straftaten als bei der Feuerwehr und im Rettungsdienst – wobei die Zahl der Opfer in allen drei Berufsgruppen seit 2012 deutlich steigt.infoLaut Informationen des Bundeskriminalamts (auf Anfrage am 31. März 2026) umfasst die Kategorie „Polizeivollzugsbeamte“ Beamt*innen unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Behörden (Bund, Länder). Die Kategorie „Feuerwehr“ umfasst Berufs-, Werk- und Freiwillige Feuerwehr. „Sonstige Rettungsdienste“ umfassen unter anderem Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk, Bergwacht und Wasserrettung. Um das berufsbezogene Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, grob abzuschätzen, können diese Zahlen in Relation zu den entsprechenden Beschäftigtenzahlen gesetzt werden. Dabei ergab sich für Polizeivollzugsbeamte im Jahr 2024 mit etwas über 30 Prozent ein deutlich größeres Risiko, bei der Berufsausübung Opfer einer Straftat zu werden, als für Feuerwehrleute mit knapp unter drei Prozent (Zahl aus dem Jahr 2022). Für andere Rettungskräfte lag das Risiko im Jahr 2024 mit fast 35 Prozent sogar noch höher als bei Polizist*innen. Allerdings sollten diese Zahlen mit Vorsicht interpretiert werden. Einerseits sind sie nur eine Annäherung: Die Daten zu Opfer- und Beschäftigtenzahlen kommen aus verschiedenen Quellen, wobei die Beschäftigtenzahlen einen engeren Personenkreis umfassen als die PKS, und in den Daten der PKS kann nicht identifiziert werden, wer mehrmals Opfer wird. Damit stellen sie vermutlich eine Obergrenze dar. Andererseits beziehen sich die Daten auf erfasste Fälle. Unterschiede im Meldeverhalten könnten demnach genauso wie Unterschiede in tatsächlichen Vorfällen zu niedrigeren oder höheren Zahlen führen. Bemerkenswert ist allerdings der Frauenanteil unter den erfassten Opfern in allen drei Gruppen: Bei der Polizei lag er im Jahr 2024 mit 24 Prozent unter dem Frauenanteil der Beschäftigten, beim sonstigen Rettungsdienst mit 35 Prozent etwa im gleichen Bereich wie unter allen Beschäftigten. Bei der Feuerwehr dagegen überstieg der Frauenanteil unter den Opfern mit 13,5 Prozent deutlich den Frauenanteil unter den Beschäftigten im technischen Dienst.

Institutionelle Gründe: Zugangsvoraussetzungen und Ausstattung können Frauen benachteiligen

Andere Gründe für den geringen Frauenanteil in den Erstretterberufen könnten zudem in Zugangsvoraussetzungen sowie in der Ausrüstung, beispielsweise Uniformen, liegen (Tabelle 2). In allen drei Berufsfeldern (Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei) werden die Bewerber*innen unter anderem anhand körperlicher Eignungstests ausgewählt. Bei der Polizei unterscheiden sich diese Tests (meist) nach dem Geschlecht, bei Berufsfeuerwehr und Rettungsdienst hingegen nicht.

Tabelle 2: Institutionelle Voraussetzungen in Erstretterberufen

Polizei Feuerwehr Rettungsdienst
Öffnung für Frauen

Zugang von Frauen zur uniformierten Schutzpolizei seit Ende der 1970er Jahre, Öffnung im letzten Bundesland (Bayern) 1990.

Einige Bundesländer (in der Vergangenheit): „negative Quoten“ bei Neueinstellungen (z. B. Schleswig-Holstein: 25 Prozent, Niedersachsen: 30 Prozent).

Westdeutsche Bundesländer: Mitgliedschaft für Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr bis in die 1970er Jahre hinein nicht möglich.

Nach Reformen: noch rechtliche und praktische Hürden (zunächst keine Versicherung von Frauen in der Feuerwehr-Unfallkasse, d. h. Einsatz in Funk, Versorgung, Erste Hilfe oder Verwaltung).

Erste Frauen in der Berufsfeuerwehr: Mitte der 1980er Jahre.

Frauen waren vom Rettungsdienst nicht in derselben Weise formal ausgeschlossen wie von der Schutzpolizei oder der Freiwilligen Feuerwehr; der Bereich war jedoch lange stark männlich dominiert.
Auswahltests, Sporttests, Voraussetzungen

Regelungen zur Körpergröße: je nach Bundesland unterschiedlich (teils einheitliche Mindestgrößen, teils keine feste Mindestgröße mehr).

Standardisierte Auswahlverfahren, Auswahltests in der Regel formal geschlechtsneutral.

Sporttest: häufig dieselben Disziplinen, Leistungsanforderungen unterscheiden sich oft nach Geschlecht, um durchschnittliche körperliche Leistungsfähigkeit auszugleichen.

Offizielles Testhandbuch zur physischen Eignungsfeststellung für die Berufsfeuerwehren in Deutschland (2014): keine Geschlechtsdifferenzierung.

Orientierung an einem „durchschnittlich sportlichen Mann“ beziehungsweise einer „leistungssportlich orientierten Frau“.

Freiwillige Feuerwehr: kein bundeseinheitlich standardisierter Sporttest.

Rettungsdienst: kein bundeseinheitlich standardisiertes Auswahlverfahren.

Auswahl und Eignungsprüfung unterscheiden sich je nach Ausbildungsgang, Bundesland und Träger.

Formale Zugangsvoraussetzungen geschlechtsneutral geregelt.

Uniform, Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Dienstbekleidung: in der Praxis oft in Damen- und Herrenschnitten (und Größen) vorhanden.

Schutzwesten: in frauenspezifischen Varianten vorhanden, tatsächliche Verbreitung kann je nach Behörde variieren.

Einsatzschutzkleidung geschlechtsneutral beziehungsweise ohne eigene frauenspezifische Auslegung konzipiert.

In der Praxis: vornehmlich auf männliche Körperform ausgelegt.

Dienst- und Uniformbekleidung (Tagesdienst, Ausgehuniform) in der Regel in Damen- und Herrenausführung.

Rettungsdienst: Dienstbekleidung in der Praxis meist in Damen- und Herrengrößen beziehungsweise -schnitten vorhanden.

Quellen: Sabrina Ellebrecht (2023): Vielfalt rekrutieren: Wen rekrutiert die Polizei und wen nicht? – Öffnungsprozesse und Personalgewinnung der Polizeien in Deutschland seit den 1990er Jahren. Recht der Jugend und des Bildungswesens, 70(4), 516–536; Heinz Kleinöder et al. (2014): Physische Eignungsfeststellung für die Berufsfeuerwehr in Deutschland – Offizielles Testhandbuch. Deutscher Städtetag, Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e. V.; Carsten Schiffer et al. (2024): Gleicher Einsatz, ungleiches Risiko: Geschlechtergerechtigkeit, Unfälle und Schutzbekleidung bei den Freiwilligen Feuerwehren. Gesellschaft für Arbeitswissenschaft, Frühjahrskongress 2024; Angelika Wetterer und Margot Poppenhusen (2008): Mädchen & Frauen bei der Feuerwehr: Empirische Ergebnisse – praktische Maßnahmen. Forschungsreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Band 2.

Bei der Feuerwehr kommt zusätzlich zu diesen Eignungstests eine weitere Zulassungsvoraussetzung hinzu: Berufsfeuerwehrleute müssen für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst eine handwerkliche Ausbildung oder einen als gleichwertig anerkannten Berufsabschluss vorweisen.infoDie Ausbildung kann je nach Bundesland variieren. Die Voraussetzung einer abgeschlossenen handwerklichen oder technischen Ausbildung gilt aber in den meisten Bundesländern. Vgl. Informationen auf der Website des Indeed Karriere-Guides. Für den gehobenen Dienst wird als Einstiegsvoraussetzung ein naturwissenschaftlich-technischer Fachhochschulabschluss verlangt, für den höheren Dienst ein naturwissenschaftlich-technischer (Fach-)Hochschulabschluss.infoVgl. Angelika Wetterer und Margot Poppenhusen (2008): Mädchen & Frauen bei der Feuerwehr: Empirische Ergebnisse – praktische Maßnahmen. Forschungsreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Band 2 (online verfügbar). In diesen Bereichen sind Frauen allerdings traditionell unterrepräsentiert: Der Frauenanteil bei Studienanfänger*innen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) lag im Studienjahr 2024 beim bisherigen Höchststand von 36 Prozent, bei neu gestarteten Auszubildenden allerdings nur bei zwölf Prozent.infoPressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 28. Januar 2026: Immer mehr Frauen entscheiden sich für ein MINT-Studium (online verfügbar). Die Zugangsvoraussetzungen können also von weniger Frauen als Männern überhaupt erfüllt werden.

Haben Frauen die Zugangsvoraussetzungen erfüllt, erhalten sie am Arbeitsplatz – insbesondere bei der Feuerwehr – mitunter keine passende Ausrüstung: Zwar gibt es für Polizeiuniformen und Dienstuniformen der Feuerwehr Ausführungen für Frauen und Männer, allerdings ist die Einsatzschutzkleidung der Feuerwehr (insbesondere Jacke und Hose) nur in einer Ausführung vorhanden. Diese ist jedoch in erster Linie auf die männliche Körperform ausgelegt, was bei Feuerwehrfrauen zu einem schlechteren Sitz, geringerer Schutzwirkung und erhöhtem Unfallrisiko führt.infoVgl. Carsten Schiffer (2023): Einfluss des Geschlechts auf die Schutzwirkung von Persönlicher Schutzausstattung bei den Freiwilligen Feuerwehren. Masterarbeit, RWTH Aachen (online verfügbar); Carsten Schiffer et al. (2024): Gleicher Einsatz, ungleiches Risiko: Geschlechtergerechtigkeit, Unfälle und Schutzbekleidung bei den Freiwilligen Feuerwehren. Gesellschaft für Arbeitswissenschaft: Frühjahrskongress 2024 (online verfügbar).

Rollenbilder und soziale Normen: Speziell Feuerwehr und Polizei sind stark mit männlichen Stereotypen verbunden

Auch wenn es Frauen heute erlaubt ist, Berufe im Bereich der Erstrettung zu ergreifen, war das in Deutschland nicht immer so. Bis in die 1970er Jahre waren Frauen in der Schutzpolizei nicht zugelassen.infoPersonen der Schutzpolizei sind diejenigen, die man weitläufig unter Polizei versteht (zum Beispiel Polizeistreifen). Zu den Zahlen vgl. Sabrina Ellebrecht (2023): Vielfalt rekrutieren: Wen rekrutiert die Polizei und wen nicht? – Öffnungsprozesse und Personalgewinnung der Polizeien in Deutschland seit den 1990er Jahren. Recht der Jugend und des Bildungswesens, 70(4), 516–536. Einige Bundesländer legten in den ersten Jahren nach der Zulassung von Frauen noch negative Quoten fest, um den Anteil der Frauen bei Neueinstellungen zu begrenzen.infoDer Frauenanteil unter den Neueinstellungen bei der Polizei wurde in Hamburg und Nordrhein-Westfalen bis 1987 auf 15 beziehungsweise 30 Prozent gedeckelt, in Niedersachen und Schleswig-Holstein bis 1989 auf 30 beziehungsweise 25 Prozent. Vgl. Ellebrecht (2023), a.a.O. Auch in den Freiwilligen Feuerwehren war eine Mitgliedschaft in den westdeutschen Bundesländern bis in die 1970er Jahre nur Männern möglich.infoVgl. Wetterer und Poppenhusen (2008), a.a.O. Bei der Berufsfeuerwehr gibt es erst seit Mitte der 1980er Jahre Frauen.infoVgl. Wetterer und Poppenhusen (2008), a.a.O. Nur im Rettungsdienst waren Frauen formal nie von der Berufsausübung ausgeschlossen.

Diese Berufsverbote für Frauen, die teilweise noch vor 40 Jahren in einigen Bereichen der Polizei und bei der Feuerwehr bindend waren, können sich auch heute noch auswirken, denn die Vorstellung einer typischen Person in diesen Berufen ändert sich nur langsam. Noch 1982 sagte ein Hamburger Obermedizinaldirektor: „Frauen dürfen bei der Polizei nur eingestellt werden, wenn sie 1,80 Meter groß, 80 Kilogramm schwer und sterilisiert sind.“infoVgl. Leiner (2013), a.a.O. Auch wenn eine solche Aussage eines Vertreters des öffentlichen Gesundheitsdienstes heute nur noch schwer vorstellbar scheint, zeigen Untersuchungen, dass Berufe in der Polizei und Feuerwehr nach wie vor stark mit geschlechtsspezifischen Stereotypen verbunden sind. Die Vorstellung, dass Männer diese Berufe besser ausüben können, hält sich insbesondere für das Berufsfeld Feuerwehr.infoVgl. Katharina Dinhof und Jurgen Willems (2024): The odd woman out: An (in)congruity analysis of gender stereotyping in gender-dominant public sector professions. Public Administration Review, 84, 519–543 (online verfügbar). Das lässt sich vermutlich auch dadurch erklären, wie Stereotype entstehen, nämlich durch die Beobachtung von Mitgliedern sozialer Gruppen (wie Frauen und Männer) sowie der Rollen oder Berufe, die diese ausüben.infoVgl. Alice H. Eagly und Anne M. Koenig (2021): The Vicious Cycle Linking Stereotypes and Social Roles. Current Directions in Psychological Science, 30(4), 343–350 (online verfügbar). Da sich der Frauenanteil in der Feuerwehr nur sehr langsam verändert, können sich auch die Geschlechterstereotype, die mit diesem Beruf verbunden sind, nur langsam ändern.

Fazit: Stereotype müssen besser erforscht und institutionelle Hürden abgebaut werden

Frauen sind in Erstretterberufen bei Polizei, Rettungsdienst und insbesondere Feuerwehr in der Minderheit. Die Gründe scheinen vielfältig, sind aber offenbar gerade mit Blick auf den Unterschied von Feuerwehr zu Polizei und Rettungsdienst auch mit institutionellen Hürden verknüpft. Dazu kommen Stereotype, die diese Berufe auch heute noch als Männerberufe auffassen.

Der Abbau von Geschlechterstereotypen und die daraus resultierenden Vorurteile erfordern (wie auch bei anderen Berufsbildern) eine Veränderung der Rollen, die typischerweise von Frauen und Männern eingenommen werden. Ohne eine solche Rollenveränderung besteht das Risiko, dass sich ein Teufelskreis bildet: Soziale Rollen erzeugen Stereotype, die wiederum bestehende Rollen aufrechterhalten.infoVgl. Eagly und Koenig (2021), a.a.O. Verschiedene Initiativen (zum Beispiel die Initiative Klischeefrei, der Berliner Zukunftstag Hauptstadtretterin oder der Girls’ Day) setzen an dieser Stelle an. Es besteht noch Forschungsbedarf, um einerseits die Wirkung von Stereotypen und andererseits von Initiativen zur Gewinnung von Mädchen und Frauen für diese Berufe besser zu verstehen.infoEinige Evaluierungsstudien dieser Art von Initiativen gibt es bereits, zum Beispiel Katharina Drescher, Simone Häckl und Julia Schmieder (2020): MINT-Berufe: Workshops mit Rollenvorbildern können Geschlechterstereotype abbauen. DIW Wochenbericht Nr. 13, 251–260 (online verfügbar); sowie Thomas Breda et al. (2023): How Effective are Female Role Models in Steering Girls Towards STEM? Evidence from French High Schools. The Economic Journal Volume 133(653), 1773–1809 (online verfügbar). Eine Literaturübersicht weiterer Evaluationsstudien zu Interventionen für den Abbau von Geschlechterstereotypen in der Berufswahl findet sich in Maria Olsson und Sarah E. Martiny (2018): Does Exposure to Counterstereotypical Role Models Influence Girls’ and Women’s Gender Stereotypes and Career Choices? A Review of Social Psychological Research. Frontiers in Psychology 9/2018 (online verfügbar).

Um mehr Frauen für dieses Berufsfeld gewinnen zu können, scheint auch ein Abbau der institutionellen Hürden sinnvoll, soweit sich das mit den beruflichen Bedarfen vereinbaren lässt. Insbesondere bei der Feuerwehr, bei der es im Jugendbereich noch einen deutlichen höheren Frauenanteil gibt als bei Erwachsenen, spielen Zugangsvoraussetzungen offenbar eine Rolle. Der Beruf der Feuerwehrfrau könnte also zugänglicher gemacht werden – zum Beispiel durch eine Ausweitung der vorausgesetzten Ausbildungsberufe oder durch gezielte Informationskampagnen, die darauf hinweisen, dass Ausbildungen im handwerklich-technischen Bereich diesen Karriereweg ermöglichen.



JEL-Classification: J21;J16;J28;J45
Keywords: Occupational segregation, gender inequality, female employment, first responders
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2026-18-1


Die Publikation ist gemäß der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-4.0 nachnutzbar: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

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