31. Oktober - 1. November 2012

Industrietagung

Industrietagung 2012

Termin

31. Oktober - 1. November 2012

Ort

Deutsche Bank AG
Eingang Charlottenstr.
Unter den Linden 13-15
10117 Berlin

SprecherInnen

Bernd Kolb

Im Fokus der Veranstaltung steht der direkte Austausch zwischen Repräsentanten aus Wirtschaft und Wissenschaft. „Wie entwickelt sich die deutsche Wirtschaft?" und „Welches sind die Trends im produzierenden Gewerbe?" Das sind die zentralen Fragen, mir der sich die Industrietagung traditionell seit 1960 beschäftigt. Neben der kurzfristigen Entwicklung in der Weltwirtschaft werden Entwicklung und Prognose der deutschen Konjunktur sowie der strukturelle Wandel der Branchen thematisiert.

Zum inhaltlichen Schwerpunkt „Nachhaltigkeit" hält Bernd Kolb die Keynote Speech.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und bitten Sie, Ihre verbindliche Anmeldung per Email bis zum 22. Oktober 2012 an events@diw.de zu senden. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.

Die Industrie- und Dienstleistungstagung fördert seit 1960 den Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Auf dieser Expertentagung wird die konjunkturelle Entwicklung mit Repräsentanten aus Industrie- und Dienstleistungsverbänden diskutiert. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Vereinigung der Freunde des DIW Berlin e.V. (VdF) und der Deutschen Bank Research.

„Nachhaltigkeit" war das Schwerpunktthema der Industrietagung 2012, die vom 31. Oktober bis zum 1. November in Berlin stattfand. Wie schwer der Begriff zu fassen ist, machte Gert G. Wagner, der Vorstandsvorsitzende des DIW Berlin, gleich zu Beginn deutlich: Ein Indikator, der das Bruttoinlandsprodukt als alleiniges Maß für Wohlstand ergänzt oder sogar ersetzt und Aspekte wie Bildungschancen, Gesundheit und Lebenserwartung abbildet, sei schwer vorstellbar. Die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität", deren Mitglied Wagner ist, komme jedenfalls zu keinem befriedigenden Ergebnis. „Es ist aussichtslos und auch undemokratisch, solch subjektiv empfundenen Aspekten bestimmte Gewichte zuzusprechen", sagte Wagner. Arbeitslosenzahlen und ökologische Nachhaltigkeit seien eben schwer auf einen Nenner zu bringen.

Wie bedeutend das Thema Nachhaltigkeit ist, machte der frühere Unternehmer des Jahres und „Club of Marrakesh"-Gründer Bernd Kolb unmissverständlich klar. „Wir erreichen Limits und müssen nun mit ihnen umgehen - sonst werden sie mit uns umgehen." Oder: „Wir sind nicht schlauer als die Natur, denken das aber." Ob Naturkatastrophen, Klimawandel, Krise des internationalen Finanzsystems oder Rohstoffknappheit: Überall gelangten die Menschen an Grenzen, und die Ursachen dafür lägen im Jahr 1950: Damals habe das Zeitalter des Besitzens begonnen, die Menschen konsumierten seitdem über ihren Bedarf hinaus und befriedigten vornehmlich ihre eigene Bequemlichkeit. Anders kann es sich Kolb nicht erklären, dass die Deutschen jährlich 3,5 Milliarden Euro für Strom ausgeben, der infolge von Standby-Schaltungen an Fernsehern und anderen Geräten verbraucht wird, und dass 16 Prozent aller 15-Jährigen in Deutschland fettleibig sind. Was muss sich also ändern? Als Antwort auf diese Frage stellte Kolb sieben Tugenden als mentalen Orientierungsrahmen vor: Weisheit, Gerechtigkeit, Mut, Mäßigung, Glaube, Liebe und Hoffnung. Vom Verbraucher in einer Wegwerfgesellschaft hin zu einem Gebraucher, der große Produkte wie Autos und Bohrmaschinen mietet, wenn er sie braucht, und nicht mehr kauft. Und weg vom Streben nach Rekordgewinnen in der Wirtschaft. Oder, wie der frühere Bundeskanzler Ludwig Erhard schon vor Jahrzehnten sagte: „Maß halten."

Als die Moderatoren der Industrietagung, Josef Auer (Deutsche Bank Research) und Ralf Messer (DIW Berlin), das Wort Ferdinand Fichtner erteilten, zeichnete der Konjunkturchef des DIW Berlin ein Bild, dass die deutsche Wirtschaft zumindest bei den reinen Wachstumszahlen auf einem nachhaltigen Weg zeigt. Zwar liege das erwartete Wachstum für das Jahr 2012 nur bei 0,9 Prozent, doch für 2013 ist das DIW Berlin optimistischer: Ein Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 1,6 Prozent steht in der Prognose. Vor allem die steigende Dynamik in Schwellenländern wie China und Russland sorge dann für eine größere Nachfrage nach Exportprodukten „Made in Germany". Mit Blick auf die gesamte Eurozone und insbesondere die Krisenländer hielt Fichtner seine Warnungen jedoch aufrecht: „Es ist keine Krise, denn eine Krise ist nach zwei bis drei Jahren vorüber. Was vor allem die südeuropäischen Länder erleben, ist ein Strukturwandel, der fünf bis zehn Jahre dauern kann." Das könnte die deutsche Wirtschaft treffen, wie die bereits seit einem Jahr stagnierende Industrieproduktion in Deutschland erwarten lässt.

Bevor die Verbandsvertreter aus den jeweiligen Branchen der deutschen Industrie die aktuelle Lage und die Zukunftsaussichten präsentierten, referierte Dorothea Lucke (DIW Berlin) zu den Entwicklungen in der deutschen und französischen Industrie und deckte dabei ein Erfolgsgeheimnis der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands auf: Beide Länder haben eine große Exportindustrie und für beide ist das jeweils andere Land der wichtigste Absatzmarkt. Doch Frankreich ist eher abhängig von derzeitigen Problemländern wie Spanien und Italien, während deutsche Unternehmen größere Anteile ihres Exports in die USA und nach China liefern und von der dortigen Dynamik profitieren. Auch deshalb konnten viele Branchenvertreter nach stagnierenden oder leicht rückläufigen Produktionszahlen in 2012 einen positiveren Ausblick für das Jahr 2013 vermelden.

Der erste Tag der DIW-Industrietagung endete mit der Verleihung der Preise für die besten Publikationen des Jahres 2011 durch die Vereinigung der Freunde des DIW Berlin. Die Laudatio hielt deren Vorsitzender, Tobias Weber. Ausgezeichnet wurden Kerstin Bernoth (DIW Berlin) und Andreas Pick (Zentralbank der Niederlande) für den besten Beitrag in einer referierten Fachzeitschrift sowie Alexander Schiersch (DIW Berlin) und Sebastian Nielen (Universität Wuppertal) für den besten Beitrag im DIW-Wochenbericht. Nach weiteren Vorträgen über die Branchenkonjunkturen am zweiten Tag endete die DIW-Industrietagung mit der aggregierten Industrieprognose, die im DIW-Wochenbericht Ende November veröffentlicht wird.

Kontakt

Ralf Messer

Mitarbeiter der Serviceabteilung in der Abteilung Kommunikation

Partner