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„Deutschland spart sich kaputt“

Medienbeitrag vom 8. Juli 2024

Energieexpertin Claudia Kemfert über die Folgen des Haushalts für den Klimaschutz und welche Investitionen notwendig wären Interview von Joachim Wille

Joachim Wille: Professorin Kemfert, wie bewerten Sie die Leistung der Ampel in der Energie- und Klimapolitik bisher? Der CO2-Ausstoß in Deutschland ist immerhin zuletzt deutlich gesunken.

Claudia Kemfert: Es gibt Lichtblicke, aber auch tiefe Schatten. Einerseits steigt der Anteil der erneuerbaren Energien stark an und trägt erfreulicherweise weit über 50 Prozent zum Strommix bei. Zugleich sinken die Emissionen, da Kohleenergie aufgrund hoher CO2-Preise zunehmend aus dem Rennen fällt. Andererseits klemmt es gewaltig im Gebäudesektor. Beim Thema Gebäudeeffizienz geht es zwar endlich voran, aber die Mobbing-Kampagnen gegen das Heizungsgesetz bremsen den Wechsel zu energiesparenden Wärmepumpen aus. Und der Verkehrssektor ist ein echter Klima-Systemsprenger. Das Deutschlandticket und die halbherzige Reform des Straßenverkehrsrechts haben allerhöchstens Globuli-Effekt.

Das Interview mit Claudia Kemfert erschien am am 6. Juli 2024 in der Frankfurter Rundschau

Was bedeutet die Einigung auf den Haushalt 2025 für die Klimapolitik?

Die Sparmaßnahmen sind nicht dramatisch, aber schmerzlich. Es fehlen Milliardenbeträge für wichtige Bereiche wie die Stärkung der Schiene, die Förderung der energetischen Gebäudesanierung und die Entwicklung von Energiespeichern. In Zeiten fundamentaler Krisen an der Schuldenbremse festzuhalten, ist wie das Abwürgen des Motors an der Ampel. Statt Tempo für die dringend notwendige Transformation der Wirtschaft und Industrie aufzunehmen, steht alles still. Das schadet letztlich der Wirtschaft. Je weniger fossile Energien wir verbrauchen, desto unabhängiger werden wir von den Despoten in der Welt. Deutschland spart sich buchstäblich kaputt und verspielt so seine Zukunft.

Es hapert besonders in der Wärmewende und im Verkehr. Was sind hier die Signale?

Die Signale sind alarmierend. Die energetische Gebäudesanierung ist unverzichtbar und sollte finanziell eher mehr als weniger gefördert werden. Auch die Bahn braucht dringend finanzielle Unterstützung – und zwar drei- bis viermal so viel wie bisher. Solche Beträge investieren Österreich und die Schweiz und profitieren prompt von pünktlichen Zugverbindungen. Es wäre katastrophal, wenn die Bahn wirklich Verbindungen in ostdeutsche Regionen massiv reduzieren würde. Der daraus resultierende Frust stärkt bloß Protestparteien. Und das Deutschlandticket darf maximal 29 Euro kosten, um wirklich attraktiv zu sein.

Das vollständige Interview finden Sie hier.

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