„Wir müssen mehr in die Menschen investieren“

Als das DIW Berlin 2013 erstmals eine umfassende Investitionsagenda (PDF, 0.99 MB) vorlegte, war die Kritik laut. Heute aber zeigt sich, dass die Forderungen berechtigt waren. Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin, erinnert sich im Podcast Wirtschaft bewegt – 100 Jahre DIW Berlin an diese Zeit und erklärt, warum es tatsächlich mehr Investitionen braucht und wie diese genau aussehen sollten.

O-Ton von Marcel Fratzscher
"Wir müssen mehr in die Menschen investieren" - Podcast mit Marcel Fratzscher

„Wir haben vor zehn Jahren und über die Jahre viel Gegenwind bekommen“, erinnert sich Fratzscher in der Podcastfolge. Doch die Datenlage war eindeutig: Deutschland investierte zu wenig – in Infrastruktur, Bildung, Digitalisierung, Energiewende. Fratzscher macht im Gespräch deutlich, wie teuer die verlorenen Jahre geworden sind. Die aktuelle wirtschaftliche Krise – etwa in der Automobilindustrie – wäre in Teilen vermeidbar gewesen. „Große Wachstumschancen wurden verpasst“, resümiert der DIW-Präsident.

500 Milliarden Sondervermögen: Warum jetzt nicht alles gut ist

Mit dem neuen Sondervermögen der Bundesregierung sind enorme Mittel für Investitionen freigegeben. Doch Fratzscher betont: Dadurch werde jetzt nicht alles gut. Entscheidend sei, wofür das Geld am Ende eingesetzt wird – und wie effizient. Er warnt davor, Mittel umzuschichten oder in Subventionen zu stecken, statt in echte Zukunftsprojekte. Besonders die Kommunen seien finanziell zu schwach aufgestellt, obwohl sie die Hälfte aller öffentlichen Investitionen tätigen, kritisiert Fratzscher.

Die Deutschen und die „Schwarze Null“

Fratzscher spricht auch über die Deutschen und ihre Liebe für die „Schwarze Null“. Er erklärt, warum der Wunsch nach ausgeglichenen Haushalten hierzulande so tief verankert ist und weshalb vielen Menschen Schulden grundsätzlich ablehnen. „Wir sind in Deutschland traditionell seit Jahrhunderten ein Land der Sparer“, erklärt Fratzscher. Dabei gäbe es eben auch gute Schulden. „Wir müssen mehr in die Menschen investieren“, lautet sein Appell.

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100 JAHRE DIW BERLIN IN FÜNF EPOCHEN

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