Welche weiteren Forderungen an die Politik leiten Sie aus Ihrer Forschung ab?
Heidinger: Allgemein sollten Maßnahmen gegen Diskriminierung am Arbeits- und Wohnungsmarkt weiter gestärkt und umgesetzt werden. Dazu zählen transparente Bewerbungs- und Vergabeprozesse, die nachvollziehbare und faire Entscheidungen ermöglichen. Anonymisierte Bewerbungen und klare Auswahlkriterien können Diskriminierung vermeiden und die Chancengleichheit verbessern. Darüber hinaus sollte der Ausbau von unabhängigen Rechtsberatungsstellen für Menschen, die Diskriminierung im Arbeits- oder Wohnbereich erfahren haben, weiter vorangetrieben werden. So kann Betroffenen niedrigschwellige Unterstützung und wirksame Möglichkeiten zur Durchsetzung ihrer Rechte angeboten werden. Abschließend sind kontinuierliche Datenerhebungen und Monitoring notwendig, um Diskriminierung systematisch zu dokumentieren und politische Maßnahmen evidenzbasiert anzupassen.
Trotz der allgemeinen Stimmung in Deutschland: Was wäre Ihnen wichtig, dass Bürger*innen zum Thema Diskriminierung von Geflüchteten wissen? Wo sind die größten blinden Flecken und wie könnte man diese auflösen?
Heidinger: Diskriminierung von Geflüchteten ist in vielen Lebensbereichen alltäglich, auch wenn sie oft unsichtbar bleibt. Diskriminierung schließt nicht nur offene Ablehnungen ein, sondern passiert häufig subtil und strukturell. So zum Beispiel bei der Wohnungssuche oder beim Zugang zu Jobs, unabhängig von Qualifikationen oder Motivation der Betroffenen. Um diese blinden Flecken aufzulösen, braucht es sowohl Sensibilisierung auf gesellschaftlicher Ebene, klare rechtliche Rahmenbedingungen, die Diskriminierung besser abdecken, als auch niedrigschwellige Möglichkeiten für Betroffene, Diskriminierung sichtbar zu machen und dagegen vorzugehen. Außerdem sollte der Fokus darauf liegen, Strukturen zu verändern, nicht nur Einzelpersonen zu sensibilisieren, da viele Barrieren systembedingt sind.
Die Fragen stellte Lena Högemann.