Erwerbstätigkeit im Alter: bereits bedeutend – aber ausbaufähig

DIW Wochenbericht 48 / 2025, S. 767-775

Anna Bindler, Marcus Borlinghaus, Hermann Buslei, Johannes Geyer, Peter Haan

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  • Auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze sind noch sieben Prozent der Älteren erwerbstätig – mit durchschnittlich 19 Wochenstunden
  • Potenzial bei der Erwerbstätigkeit Älterer zur Linderung des Fachkräftemangels bei Weitem nicht ausgeschöpft
  • Selbstständigkeit, höheres Ausbildungsniveau, bessere Gesundheit gehen mit höherer Erwerbsbeteiligung einher
  • Hoher Anteil Älterer an der Beschäftigung in einzelnen Branchen, durchschnittliche Beteiligung in Engpassberufen
  • Gesundheitsförderung, Fort- und Weiterbildung, Reformen steuerlicher Anreize sind geeignete Maßnahmen, mehr Ältere im Arbeitsmarkt zu halten

„Der zunehmende Fachkräftemangel kann auch dadurch gelindert werden, dass ein höherer Anteil Erwerbstätiger jenseits der Regelarbeitsgrenze im Arbeitsmarkt bleibt. Gesundheitsfördernde Maßnahmen, Fort- und Weiterbildung auch in höherem Alter oder Reformmaßnahmen im Steuer- und Sozialrecht können dies begünstigen.“ Peter Haan

Eine höhere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen wird häufig als Möglichkeit gesehen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Das tatsächlich realisierbare Potenzial lässt sich jedoch nur schwer abschätzen. Ein Ausgangspunkt ist die bereits bestehende Beschäftigung Älterer. Auswertungen von Daten des Mikrozensus 2022 zeigen, dass Personen im Alter von 66 Jahren und älter bereits heute einen beachtlichen Anteil der Erwerbstätigen stellen, ihre durchschnittlichen Arbeitszeiten fallen jedoch niedriger aus als bei Jüngeren. Unter den älteren Erwerbstätigen sind Selbstständige überdurchschnittlich stark vertreten. Je besser die gesundheitliche Verfassung und je höher das Bildungsniveau, desto größer ist die Erwerbsbeteiligung im Alter. Die Beschäftigung Älterer erstreckt sich zudem über zahlreiche Branchen. Sie sind etwa genauso häufig wie Jüngere in Berufen tätig, in denen die Arbeitsnachfrage das Angebot nicht nur kurzfristig übersteigt (Engpassberufe). Neben Anpassungen im Renten- und Steuerrecht könnten vor allem Maßnahmen zur Förderung von Bildung und Gesundheit zu einer weiteren Ausweitung der Beschäftigung Älterer beitragen.

Ein höherer Anteil Erwerbstätiger sowie ein Anstieg der geleisteten Arbeitsstunden in höherem Alter könnten dazu beitragen, die Finanzierung der Sozialversicherungen zu stabilisieren und dem Fach- und Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Trotz einer deutlichen Zunahme in den vergangenen Jahren liegt die Erwerbstätigkeit älterer Menschen in Deutschland im internationalen Vergleich – etwa mit Ländern wie Schweden, die eine hohe Erwerbsbeteiligung und ein großes Arbeitsvolumen Älterer vor und nach Erreichen der Regelaltersgrenze aufweisen – noch immer auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.infoHermann Buslei, Johannes Geyer und Peter Haan (2025): Wie kann das Beschäftigungspotenzial Älterer verbessert werden? In: Anke Hassel und Wolfgang Schröder (Hrsg.): Was wird aus der Arbeit? Campus Verlag, Frankfurt, New York, 35–40; Hermann Buslei, Johannes Geyer und Peter Haan (2024): Beschäftigungspotenziale Älterer – Umfang und Realisierungschancen bis 2035. Bertelsmann Stiftung (online verfügbar, abgerufen am 3. November 2025. Dies gilt auch für allen anderen Online-Quellen dieses Berichts, sofern nicht anders vermerkt); Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 28. Januar 2025: Zahl der Woche: Deutschland im EU-Durchschnitt: 13 % der Rentnerinnen und Rentner arbeiteten nach Renteneintritt weiter (online verfügbar).

Wie stark sich die Erwerbsbeteiligung künftig noch steigern lässt, ist schwer abzuschätzen. Ein Blick auf diejenigen, die bereits heute im höheren Alter erwerbstätig sind, kann jedoch Hinweise geben: Welche Merkmale unterscheiden sie von denjenigen, die nicht mehr arbeiten?infoVgl. zu diesem Vorgehen auch Silke Anger, Annette Trahms und Christian Westermeier (2018): Erwerbstätigkeit nach dem Übergang in Altersrente – Soziale Motive überwiegen, aber auch Geld ist wichtig. IAB-Kurzbericht Nr. 24 (online verfügbar). Welche Rolle spielen Veränderungen zwischen den Geburtskohorten – etwa der steigende Anteil höherer Bildungsabschlüsse – für die zukünftige Erwerbstätigkeit älterer Menschen?

Ältere Erwerbstätige waren bereits Gegenstand verschiedener empirischer Untersuchungen. Dabei wurde unter anderem untersucht, welchen Umfang die Erwerbstätigkeit neben dem Rentenbezug hat (Zahl der Personen im Arbeitsmarkt, Stundenzahl) und welche Merkmale die Erwerbstätigen kennzeichnen.infoAnger, Trahms und Westermeier (2018), a.a.O.; Sascha Drahs-Walkemeyer (2024): Hinzuverdienst neben der Altersrente: Auf den Erwerbsstatus vor Rentenbeginn kommt es an. RVaktuell Nr. 2 (online verfügbar); Hermann Buslei et al. (2025): Grundrentenberechtigte häufiger erwerbstätig als andere Rentner*innen. DIW Wochenbericht Nr. 41, 647–656 (online verfügbar). Dazu gehört die Frage nach dem Motiv der Erwerbstätigkeit: Arbeiten ältere Menschen aufgrund geringer anderweitiger Einkünfte und sind daher zum Arbeiten „gezwungen“, oder arbeiten sie vielmehr aus anderen Gründen, wie der Freude an einem sinnvollen Tun?infoLaura Romeu Gordo et al. (2022): Rentnerinnen und Rentner am Arbeitsmarkt: Erwerbsarbeit im Ruhestand hat vielfältige Gründe – nicht nur finanzielle: IAB-Kurzbericht Nr. 8 (online verfügbar).

Der vorliegende Bericht knüpft an diese Fragen an. Dabei geht er bei den individuellen Eigenschaften der älteren Erwerbstätigen neben Geschlecht und Alter zunächst auf die häufig vernachlässigten Unterschiede zwischen abhängig Beschäftigten und Selbstständigen (in der letzten oder aktuellen Tätigkeit) ein.infoFür eine Analyse dieser Gruppe einschließlich der Älteren vgl. Annabelle Krause-Pilatus und Ulf Rinne (2024): Selbstständige Erwerbstätigkeit in Deutschland. IZA Research Report No. 145 (online verfügbar). Des Weiteren beleuchtet er Bildungsstand und Gesundheitszustand als Voraussetzungen für Erwerbstätigkeit im Alter.

Eine besondere wirtschaftspolitische Bedeutung kann die Erwerbstätigkeit Älterer erlangen, wenn sie in Berufen tätig sind, in denen die Arbeitsnachfrage das Angebot längerfristig übersteigt (Engpassberufe). Mit einem stärkeren Fokus auf den Arbeitsmarkt insgesamt betrachtet der Bericht daher auch die Verteilung der älteren Beschäftigten über die Wirtschaftszweige und die Bedeutung der älteren Beschäftigten für das gesamte Arbeitsangebot innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige.

Die empirische Analyse basiert auf den Daten des Mikrozensus 2022 (Kasten). Dieser Datensatz ist repräsentativ für die Bevölkerung und hat neben der erheblichen Stichprobengröße außerdem die besonderen Vorteile, dass die Unterscheidung zwischen (ehemals) abhängig Beschäftigten und Selbstständigen möglich ist. Zudem sind Informationen zum Gesundheitszustand im Datensatz enthalten. Für die Betrachtung der Engpassberufe wird die Klassifikation der Bundesagentur für Arbeit genutzt (Kasten).

Diese Studie basiert auf Daten des Mikrozensus 2022. Der Mikrozensus ist eine jährliche, gesetzlich verpflichtende Bevölkerungsbefragung in Deutschland, bei der circa ein Prozent der Bevölkerung zu ihren Lebensverhältnissen befragt wird.

Die Engpassberufe stammen aus der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit.infoVgl. Informationen auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit. Auf Grundlage der Indikatoren Vakanzzeit, Arbeitssuchende-Stellen-Relation, berufsspezifische Arbeitslosenquote, Veränderung des Anteils sozialversicherungspflichtig beschäftigter Ausländer*innen, Abgangsrate aus Arbeitslosigkeit sowie der Entwicklung mittlerer Entgelte wird auf Bundesebene für alle Berufsgattungen ein Punktwert ermittelt. Die Punktwerte liegen zwischen null und drei. Ist dieser größer gleich 2,0, handelt es sich um einen Engpassberuf. Berufe werden gemäß der Klassifikation der Berufe von 2010 (KldB 2010) definiert.infoVgl. Bundesagentur für Arbeit (2020): Klassifikation der Berufe 2010 – überarbeitete Fassung 2020. Alphabetisches-Verzeichnis der Berufsbenennungen (online verfügbar) Die KldB klassifiziert Berufe mit fünf Stellen, wobei jede Stelle eine Untergruppe der vorangegangenen Stelle darstellt. Die letzte Stelle bezeichnet das Anforderungsniveau: Helfer-/Anlerntätigkeiten, fachlich ausgerichtete Tätigkeiten, komplexe Spezialistentätigkeiten und hoch komplexe Tätigkeiten. Die Engpassanalyse erscheint für Fachkräfte, Spezialist*innen und Expert*innen, was den letzten drei Anforderungsniveaus der KldB entspricht.

Im Mikrozensus wird der Beruf der befragten Person mit den ersten drei Stellen und dem Anforderungsniveau der KldB 2010 erfasst. Die vierte Stelle, die die Berufsuntergruppe angibt, wird nicht erfragt. Um den Berufen im Mikrozensus einen Engpassstatus zuzuordnen, werden Berufe der Engpassanalyse von den Berufsuntergruppen zu den Berufsgruppen zusammengefasst und der Engpasswert auf die höhere Ebene übernommen. Das Anforderungsniveau wurde dabei beibehalten. Der Engpasswert der Berufsgruppe ist das ungewichtete Mittel der Engpasswerte der Berufsuntergruppen. Damit kann es zu leichten Verzerrungen in der Engpassbewertung einer Berufsgruppe kommen. Die Methodik der Engpassanalyse hat zur Folge, dass mit zunehmendem Anteil der Selbstständigen in einer Berufsgattung die Ergebnisse der Engpass- und Risikoindikatoren weniger aussagekräftig werden.infoBundesagentur für Arbeit (2020): Engpassanalyse – Methodische Weiterentwicklung. Methodenbericht. April 2020 (online verfügbar). Für die Analyse ist die Zusammenfassung von abhängig Beschäftigten und Selbstständigen in Engpassberufen dennoch sinnvoll: Obwohl die Selbstständigen nicht zum Engpasswert beitragen, arbeiten sie dennoch in Berufen, in denen Arbeitskräfte knapp sind, und helfen, diesen Mangel zu lindern.

Bei der Gesundheitsanalyse muss beachtet werden, dass Befragte im Mikrozensus nicht verpflichtet sind, Auskunft über ihren allgemeinen (subjektiven) Gesundheitszustand zu geben. 38 Prozent derjenigen, die zu ihrem allgemeinen Gesundheitszustand befragt wurden, haben die Frage nicht beantwortet. Die Werte derjenigen, die die Frage nicht beantwortet haben, wurden auf Grundlage einer Ordered-Logit Regression des Gesundheitszustands auf die Variablen Alter, Geschlecht, Einkommen und Wohnort in Ost-/Westdeutschland imputiert.infoDie Imputation wurde als „multiple Imputation“ umgesetzt. Für Details zur Methode, vgl. beispeislweise Marcel Preising, Kerstin Lange und Florian Dumpert (2021): Imputation zur maschninellen Behandlung fehlender und unplausibler Werte in der amtlichen Statistik. Wirtschaft und Statistik Nr.5, 40−52 (online verfügbar).

Erwerbsbeteiligung im Alter variiert erheblich

Von denjenigen, die 2022 mindestens 66 Jahre alt sind und somit die Regelaltersgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung erreicht haben,infoIm Beobachtungsjahr 2022 lag diese (für den Geburtsjahrgang 1957) bei 65 Jahren und elf Monaten. sind sieben Prozent zum Zeitpunkt der Befragung des Mikrozensus noch erwerbstätig. Hochgerechnet auf die 16,8 Millionen Menschen dieser Altersgruppe sind das knapp 1,2 Millionen Menschen. Der Anteil der Erwerbstätigen liegt bei den 66-Jährigen bei etwa 20 Prozent, nimmt aber mit steigendem Alter deutlich ab, bis auf etwa fünf Prozent bei den 74-Jährigen. Bei Personen im Alter von über 74 Jahren ist der Anteil noch niedriger (Tabelle 1).

Tabelle 1: Erwerbstätigkeit nach Alter, Geschlecht und Erwerbsform

Erwerbstätigkeit
Alle Erwerbstätigen Abhängig beschäftigt Mehr als geringfügig beschäftigt Geringfügig beschäftigt Selbstständig Nicht erwerbstätig
N (in Tsd.) % Ø Stunden N (in Tsd.) % Ø Stunden N (in Tsd.) % Ø Stunden N (in Tsd.) % Ø Stunden N (in Tsd.) % Ø Stunden N (in Tsd.) %
Alter
20–54 30411 83,1 35,5 28327 77,4 35,2 26623 72,7 36,6 1704 4,7 13,1 2084 5,7 40,2 6188 16,9
55–65 9741 70,3 34,6 8523 61,5 33,7 7829 56,5 35,8 694 5,0 10,8 1218 8,8 40,9 4121 29,7
66 201 19,7 22,3 140 13,7 17,6 56 5,5 30,4 84 8,2 9,1 61 6,0 32,9 819 80,3
67 163 16,4 19,5 112 11,3 14,5 38 3,8 25,6 74 7,5 8,9 51 5,1 30,5 831 83,6
68 143 15,1 18,5 93 9,9 14,4 30 3,2 25,9 63 6,7 9,0 50 5,2 26,2 804 84,9
69 113 12,1 18,3 74 8,0 13,9 22 2,3 26,0 53 5,6 9,0 39 4,1 26,6 821 87,9
70 105 11,4 17,4 70 7,6 14,2 21 2,3 26,1 49 5,3 9,0 35 3,8 24,0 816 88,6
71 84 9,3 18,6 51 5,6 14,0 16 1,8 23,8 34 3,8 9,3 33 3,7 25,7 818 90,7
72 64 7,5 17,5 40 4,7 13,3 10 1,2 26,6 30 3,5 8,8 24 2,8 24,5 791 92,5
73 59 7,2 17,2 34 4,1 12,3 9 1,1 22,8 25 3,0 8,4 25 3,0 23,8 761 92,8
74 38 5,2 18,2 21 2,8 13,3 5 0,7 27,1 16 2,2 9,0 18 2,4 23,9 695 94,8
75+ 197 2,3 17,3 96 1,1 12,1 28 0,3 21,4 68 0,8 8,3 102 1,2 22,2 8427 97,7
Gesamt 41319 61,5 34,8 37580 55,9 34,5 34687 51,6 36,3 2893 4,3 11,9 3739 5,6 38,8 25892 38,5
66+ 1167 7,0 18,9 730 4,4 14,5 235 1,4 26,2 495 3,0 8,9 437 2,6 26,2 15583 93,0
Männer
Alter
20–54 16181 87,0 39,0 14839 79,8 38,5 14280 76,8 39,4 559 3,0 15,9 1342 7,2 44,4 2424 13,0
55–65 5086 74,3 39,1 4277 62,4 38,1 4087 59,7 39,3 190 2,8 12,4 809 11,8 44,4 1763 25,7
66 116 23,7 25,6 73 14,9 19,7 33 6,8 32,0 40 8,1 9,4 43 8,8 35,6 374 76,3
67 91 19,5 23,4 55 11,8 16,7 21 4,6 28,7 34 7,2 9,1 36 7,7 33,6 376 80,5
68 84 18,5 21,0 50 11,0 15,9 17 3,8 28,0 33 7,2 9,4 34 7,5 28,5 369 81,5
69 63 14,6 21,5 39 8,9 16,2 14 3,2 27,6 25 5,8 9,9 24 5,6 29,9 371 85,4
70 62 14,4 19,3 38 8,8 15,3 12 2,9 27,4 25 6,0 9,4 24 5,6 25,7 366 85,6
71 51 12,2 20,7 29 6,8 15,8 11 2,5 25,8 18 4,3 10,0 23 5,4 26,7 371 87,8
72 40 10,0 20,5 23 5,9 15,7 7 1,9 28,6 16 4,0 9,7 16 4,2 27,1 355 90,0
73 38 10,1 20,0 19 5,1 14,3 6 1,6 25,1 13 3,5 9,3 19 5,1 25,7 339 89,9
74 26 7,9 20,7 12 3,7 15,2 3 0,9 29,9 9 2,8 10,6 14 4,3 25,4 304 92,1
75+ 130 3,6 18,8 57 1,6 13,6 19 0,5 23,1 37 1,0 8,7 73 2,0 22,8 3508 96,4
Gesamt 21967 66,8 38,5 19510 59,3 38,0 18511 56,3 39,3 999 3,0 13,6 2458 7,5 42,4 10920 33,2
66+ 700 9,4 21,4 394 5,3 16,2 144 1,9 28,1 250 3,4 9,4 307 4,1 28,1 6733 90,6
Frauen
Alter
20–54 14231 79,1 31,6 13488 75,0 31,5 12343 68,6 33,4 1145 6,4 11,8 742 4,1 32,7 3763 20,9
55–65 4655 66,4 29,7 4246 60,5 29,3 3742 53,4 31,9 504 7,2 10,2 409 5,8 34,1 2358 33,6
66 85 16,1 17,7 67 12,7 15,4 23 4,3 28,1 44 8,4 8,9 18 3,4 26,4 445 83,9
67 72 13,7 14,6 57 10,8 12,3 16 3,1 21,4 41 7,7 8,7 15 2,9 23,4 455 86,3
68 59 12,0 15,1 43 8,8 12,8 13 2,6 23,0 31 6,2 8,6 16 3,2 21,2 435 88,0
69 50 10,0 14,2 36 7,1 11,5 8 1,6 23,2 28 5,5 8,2 14 2,9 20,9 450 90,0
70 43 8,8 14,8 32 6,5 12,9 9 1,8 24,2 23 4,7 8,5 11 2,3 20,2 450 91,2
71 32 6,7 15,4 22 4,6 11,7 6 1,2 20,3 16 3,4 8,6 10 2,1 23,3 448 93,3
72 24 5,3 12,8 17 3,6 10,0 3 0,6 21,3 14 3,0 7,7 8 1,7 18,9 436 94,7
73 20 4,6 12,0 15 3,3 9,8 3 0,7 18,5 12 2,6 7,4 6 1,3 17,7 422 95,4
74 12 3,0 12,8 9 2,1 10,5 2 0,5 23,0 7 1,7 6,9 4 0,9 18,2 392 97,0
75+ 67 1,4 14,6 39 0,8 10,1 9 0,2 17,8 30 0,6 7,8 28 0,6 20,7 4919 98,6
Gesamt 19352 56,4 30,7 18071 52,6 30,6 16176 47,1 33,0 1894 5,5 10,9 1281 3,7 32,0 14972 43,6
66+ 467 5,0 15,0 337 3,6 12,4 91 1,0 23,2 245 2,6 8,3 130 1,4 21,7 8851 95,0
Anteil 66+ an der jeweiligen Gruppe der Erwerbstätigen, Verhältnis der durchschnittlichen Stundenzahl der 66+ zur durchscnittlichen Stundenzahl in der Gruppe, in Prozent
alle 2,8 54,1 1,9 42,0 0,7 72,1 17,1 74,9 11,7 67,5 60,2
Männer 3,2 55,7 2,0 42,7 0,8 71,5 25,0 69,2 12,5 66,3 61,7
Frauen 2,4 48,8 1,9 40,4 0,6 70,5 12,9 76,3 10,2 67,9 59,1

Anmerkungen: N: Anzahl der Befragten; Ø Stunden: durchschnittliche Wochenarbeitszeit.

Quelle: Forschungsdatenzentrum (FDZ) der statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Scientific Use File Mikrozensus 2022 (online verfügbar), eigene Berechnungen.

Hochgerechnet sind von den 1,2 Millionen Erwerbstätigen, die mindestens 66 Jahre alt sind, etwa 730000 Personen abhängig beschäftigt. Davon ist etwa eine halbe Million Menschen geringfügig beschäftigt und arbeitet durchschnittlich knapp neun Stunden pro Woche. Dagegen sind 235000 Personen mehr als geringfügig beschäftigt und arbeiten im Schnitt etwa 26 Stunden pro Woche. Die übrigen 437000 Personen sind selbstständig tätig. Das entspricht 2,6 Prozent der Altersgruppe 66+. Wie die mehr als geringfügig abhängig Beschäftigten arbeiten die selbstständigen Älteren auch etwa 26 Stunden pro Woche.

Bezogen auf den Anteil der Erwerbstätigen über 66 Jahren an allen Erwerbstätigen zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Beschätigungsform. Besonders niedrig ist der Anzeil der über 66-Jährigen unter den mehr als geringfügig Beschäftigten (0,7 Prozent; Tabelle 1, unterster Block). Bei den geringfügig Beschäftigten sind es dagegen 17,1 Prozent. Ein Grund hierfür ist, dass die geringfügige Beschäftigung mit steigendem Alter deutlich langsamer abnimmt als bei den anderen Beschäftigten (Tabelle 1, oberer Block). Zudem erreicht die geringfügige Beschäftigung bei Männern im höheren Alter eine vergleichsweise hohe Bedeutung, jedenfalls höher als in der Altersgruppe unter 66 Jahren.

Ebenfalls bedeutend für die Beschäftigung insgesamt sind die 437000 Selbstständigen im Alter von mindestens 66 Jahren. Dies entspricht 11,7 Prozent der Selbstständigen insgesamt. Allerdings liegt die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der älteren Selbstständigen bei nur zwei Drittel der Arbeitszeit jüngerer Selbstständiger.

Die Erwerbsbeteiligung der Männer in der Altersgruppe 66+ ist mit 9,4 Prozent höher als die der Frauen mit fünf Prozent. Die über alle Altersgruppen geringere Stundenzahl erwerbstätiger Frauen setzt sich im Alter fort: Die erwerbstätigen älteren Männer arbeiten mit durchschnittlich 21,4 Stunden mehr als die erwerbstätigen älteren Frauen mit im Durchschnitt 15 Stunden pro Woche. Für beide Geschlechter sinkt der Anteil der Erwerbstätigen mit zunehmendem Alter in ähnlicher Form.

Der Anteil der Selbstständigen ist bei den erwerbstätigen Älteren mit 37,4 Prozent deutlich höher als über alle Altersgruppen zusammen, bei denen er neun Prozent beträgt. Bei den Männern ist dieser Anteil sowohl in der Gesamtbevölkerung als auch bei den Älteren mit elf beziehungsweise 44 Prozent höher als bei den Frauen mit sieben beziehungsweise 28 Prozent. Insgesamt bestehen damit insbesondere bei Frauen größere Potenziale zur Steigerung der Erwerbstätigkeit im Alter.

Ausbildung hat deutlichen Einfluss auf Erwerbsbeteiligung

Der Anteil der Erwerbstätigen ab 66 Jahren sinkt mit zunehmendem Alter. Dies gilt für alle Ausbildungsniveaus (Abbildung 1). Der Anteil der Erwerbstätigen in der Gruppe mit höherer Ausbildung ist dabei im Alter von 66 Jahren deutlich größer als in den anderen Gruppen. Das bleibt auch in den höheren Altersgruppen der Fall, allerdings mit abnehmendem Abstand. Eher gering sind dagegen die Unterschiede bei der Erwerbsbeteiligung zwischen Beschäftigten mit niedriger und mit mittlerer Bildung.

Dies zeigt sich auch, wenn nach Art der letzten Erwerbstätigkeit unterschieden wird.infoFür die weiterhin Erwerbstätigen ist die aktuelle Tätigkeit die „letzte Tätigkeit“. Dabei sind die Unterschiede bei den (ehemals) Selbstständigen (Abbildung 2, unterer Teil) stärker ausgeprägt als bei den (ehemals) Angestellten (Abbildung 2, oberer Teil). Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der im Alter arbeitenden Selbstständigen hat eine höhere Ausbildung. Bei den in höherem Alter nicht erwerbstätigen, ehemals Selbständigen beträgt dieser Anteil hingegen nur 39 Prozent. Auch bei den (ehemals) abhängig Beschäftigten ist der Anteil der Personen mit höherer Ausbildung bei den Weiterarbeitenden mit 28 Prozent um sechs Prozentpunkte höher als in der Gruppe der im Alter nicht mehr erwerbstätigen ehemaligen Angestellten.

Gute Gesundheit ist wesentliche Voraussetzung für Erwerbstätigkeit

Der Mikrozensus 2022 enthält Informationen zum Gesundheitszustand,infoDie Beantwortung der Gesundheitsfrage basiert auf Selbsteinschätzung und ist freiwillig. Die Befragten können auf einer Skala von 1 „Sehr schlecht“ bis 5 „Sehr gut“ antworten. Etwa 62 Prozent haben diese Frage beantwortet. Für die Übrigen wurde ein Wert imputiert (Kasten). auf deren Basis sich das folgende Muster ergibt: Bei sehr guter oder guter Gesundheit ist die Erwerbsbeteiligung selbst in höherem Alter noch beachtlich. So sind in der Altersgruppe 66–69 Jahre bei sehr guter Gesundheit 27,5 Prozent beschäftigt. Bei den Personen im Alter 70–74 Jahre sind in es mit sehr guter Gesundheit immerhin 16,6 Prozent (Tabelle 2). Auch bei Personen mit guter Gesundheit ist der Anteil der Erwerbstätigen mit 18,9 beziehungsweise 10,6 Prozent beachtlich. Nicht nur die Erwerbsquoten, auch die Arbeitszeit ist bei den Gruppen mit guter oder sehr guter Gesundheit höher als bei Menschen, die über Einschränkungen ihrer Gesundheit berichten.

Tabelle 2: Gesundheitszustand nach Altersgruppen und Erwerbsstand

Alter Gesundheit Erwerbstätig Nicht erwerbstätig Alle
N (in Tsd.) % Ø Stunden N (in Tsd.) % N (in Tsd.) %
20–54 sehr gut 7213 85,4 36,1 1237 14,6 8450 23,1
gut 20166 83,7 35,5 3915 16,3 24081 65,8
mittel 2791 78,2 34,6 779 21,8 3570 9,8
schlecht 191 51,4 33,5 181 48,6 372 1,0
sehr schlecht 50 39,9 33,9 76 60,1 126 0,3
gesamt 30411 83,1 35,5 6188 16,9 36599 100,0
55–65 sehr gut 539 85,2 37,2 93 14,8 633 4,6
gut 5938 76,2 35,2 1852 23,8 7790 56,2
mittel 3026 62,9 33,2 1786 37,1 4812 34,7
schlecht 204 40,3 32,2 302 59,7 506 3,6
sehr schlecht 34 27,9 33,8 88 72,1 122 0,9
gesamt 9741 70,3 34,6 4121 29,7 13862 100,0
66–69 sehr gut 28 27,5 23,1 74 72,5 102 2,6
gut 300 18,9 21,7 1288 81,1 1589 40,8
mittel 273 13,8 17,9 1702 86,2 1975 50,7
schlecht/sehr schlecht 19 8,4 17,0 210 91,6 229 5,9
gesamt 620 15,9 19,9 3275 84,1 3895 100,0
70–74 sehr gut 13 16,6 24,0 63 83,4 76 1,8
gut 143 10,6 18,7 1204 89,4 1348 31,8
mittel 178 7,2 16,8 2279 92,8 2456 58,0
schlecht/sehr schlecht 16 4,6 16,1 336 95,4 352 8,3
gesamt 350 8,3 17,8 3882 91,7 4232 100,0
75+ sehr gut 6 8,2 18,7 73 91,8 79 0,9
gut 63 4,4 19,3 1360 95,6 1423 16,5
mittel 107 2,0 16,3 5205 98,0 5312 61,6
schlecht/sehr schlecht 21 1,1 16,3 1789 98,9 1810 21,0
gesamt 197 2,3 17,3 8427 97,7 8624 100,0

Anmerkungen: Lesebeispiel: Altersgruppe 20–54 Jahre (Prozentwert): Von allen mit sehr schlechter Gesundheit arbeiten 39,9 Prozent.

Quelle: Forschungsdatenzentrum (FDZ) der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Scientific Use File Mikrozensus 2022 (online verfügbar), eigene Berechnungen.

Gleichzeitig geben im Alter weniger Menschen eine gute oder sehr gute Gesundheit an. So verfügen in der Altersgruppe 75+ nur knapp ein Prozent der Personen über eine sehr gute Gesundheit, weniger als zwei beziehungsweise 2,6 Prozent sind es in den Altersgruppen 70–74 und 66–69 Jahre. Im Vergleich dazu geben in der Altersgruppe 20–54 Jahre fast 23 Prozent an, eine sehr gute Gesundheit und nur etwa zehn Prozent, eine mittlere oder schlechte Gesundheit zu haben. Dieser Anteil fällt bei 70–74-Jährigen 31,8 Prozent deutlich größer aus.

Wie zu erwarten ist die Erwerbstätigkeit bei guter Gesundheit deutlich höher als bei mittlerer oder schlechter Gesundheit. Es zeigt sich aber auch, dass von den älteren Personen mit guter oder sehr guter Gesundheit insgesamt in keiner Altersgruppe über 66 Jahren mehr als jede vierte Person (meist weniger) erwerbstätig ist. Dies gilt insbesondere für ehemals abhängig Beschäftigte. Damit besteht ein noch erhebliches Erwerbspotenzial bei Personen, die nicht von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind.infoVgl. dazu auch Buslei, Geyer und Haan (2024), a.a.O., 51. Eine offene Frage ist dabei aber, inwiefern Arbeitgeber Rahmenbedingungen setzen können, die Erwerbstätigkeit im Alter auch bei gesundheitlichen Einschränkungen ermöglichen könnten.

Breite Streuung älterer Beschäftigter über (fast) alle Wirtschaftszweige

Ein bedeutender Anteil der Erwerbstätigen im Alter 66+ entfällt auf die Wirtschaftszweige Gesundheits- und Sozialwesen, Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) und Verarbeitendes Gewerbe (Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren; Energie- und Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung) sowie freiberufliche und technische Dienstleistungen. Beispiele für Berufe in diesen Branchen sind Ärzt*innen, Pfleger*innen, Einzelhandelskaufmann/-frau, Automechaniker*innen, Industriemechaniker*innen, Maschinenbauingenieur*innen, aber auch Bäcker*innen und Metzger*innen. Zusammen umfassen diese Wirtschaftszweige etwa 52 Prozent aller Erwerbstätigen im Alter 66+ (Abbildung 3). Von geringerer Bedeutung sind „Sonstige“ (sonstige Dienstleistungen; öffentliche VerwaltunginfoIn der öffentlichen Verwaltung ist Erwerbstätigkeit jenseits der Altersgrenze eine große Ausnahme. Das ist bemerkenswert, da der Staat hier das Ziel einer höheren Erwerbsbeteiligung Älterer auch direkt als Arbeitgeber verfolgen kann., Verteidigung, Sozialversicherung; private Haushalte mit Hauspersonal; exterritoriale Organisationen und Körperschaften) und „Wirtschaftliche Dienstleistungen“ (Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen). Auf alle anderen Wirtschaftszweige entfallen zwar im Einzelnen geringere Anteile, in der Summe beträgt ihr Anteil aber etwa 29 Prozent.

Zusammengefasst ergibt sich damit eine eher breite Streuung der älteren Beschäftigten über alle Wirtschaftszweige mit einer nur moderaten Schwerpunktbildung bei Gesundheit- und Sozialwesen, freiberufliche und technische Dienstleistungen,infoBei den Selbstständigen sind gemessen an der Beschäftigungszahl die freiberuflichen und technischen Dienstleistungen der mit Abstand bedeutendste Wirtschaftszweig. Handel und Verarbeitendes Gewerbe.

Ältere stellen in einzelnen Wirtschaftszweigen spürbaren Anteil an Erwerbstätigen

Die Branchen unterscheiden sich in ihrer Größe. Deshalb sagt ein hoher Anteil älterer Beschäftigter einer Branche im Vergleich zu allen älteren Beschäftigten nichts darüber aus, wie wichtig diese Beschäftigten innerhalb der eigenen Branche sind. Um dies zu zeigen, wird der Anteil der Beschäftigten ab 66 Jahren an allen Beschäftigten eines Wirtschaftszweigs betrachtet (Abbildung 3).

Der Anteil der Erwerbstätigen ab 66 Jahren an allen Erwerbstätigen beträgt 2,8 Prozent (Tabelle 1). Daran gemessen sind die Älteren besonders bedeutend im Grundstücks- und WohnungsweseninfoBerufe im Grundstücks- und Wohnungswesen sind unter anderem Fachwirt*in Grundstücks- und Wohnungswesen, Grundstücksverwalter*in und Immobilienmakler*in. Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2020): Klassifikation der Berufe 2010 – überarbeitete Fassung 2020. Alphabetisches-Verzeichnis der Berufsbenennungen (online verfügbar). Bei Selbstständigen könnte ein Teil der Tätigkeit in diesem Wirtschaftszweig auf die Verwaltung eigener Grundstücke entfallen. sowie in der Land- und Forstwirtschaft und Bergbau (Abbildung 3). Eine mittlere Bedeutung kommt ihnen bei den freiberuflichen und technischen Dienstleistungen und den wirtschaftlichen Dienstleitungen zu.infoBerufe, in denen über 66-Jährige überdurchschnittlich vertreten sind, könnten ein höheres Automatisierungspotenzial haben, was die geringere Nachfrage nach jüngeren Arbeitskräften erklären könnte. Dies lässt sich jedoch bisher nicht belegen. Vgl. Marie-Christine Fregin et al. (2023): Künstliche Intelligenz und Software – Beschäftigte sind unterschiedlich betroffen. IAB-Kurzbericht Nr. 21 (online verfügbar). Hohes Automatisierungspotenzial durch Software besteht in Verkehr, Lagerhaltung und verarbeitendem Gewerbe, durch KI in der Informations- und Kommunikationsbranche – ohne dass Ältere dort überdurchschnittlich vertreten wären. In etwas geringerem Maße gilt dies auch noch für Verkehr und Lagerhaltung sowie Handel. Deutlich geringer ist ihr Anteil im Verarbeitenden Gewerbe und bei den „Sonstigen“. In der letzten Kategorie sind neben sonstigen Dienstleistungen die öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung enthalten. Insbesondere in der öffentlichen Verwaltung könnten enge Regelungen Hindernisse für die Weiterbeschäftigung im Alter darstellen.infoIn vielen Branchen ist eine Weiterbeschäftigung de facto verboten, insbesondere im öffentlichen Dienst. Vgl. Axel Börsch-Supan (2024): Rentenpolitik nach dem Haushaltsurteil: keine Maximalforderungen. Wirtschaftsdienst, Nr. 2, 102–105 (online verfügbar).

Ältere sind in Engpassberufen durchschnittlich vertreten

Die Informationen zu Erwerbsumfang und Verteilung älterer Erwerbstätiger über die Branchen bieten bereits einen ersten Hinweis auf einen möglichen Beitrag Älterer zur Linderung des Fachkräftemangels. Um diesen Beitrag zu beurteilen, sind ihre Anteile in Engpassberufen und „Berufen unter Beobachtung“ im Vergleich zu den Jüngeren relevant. Dazu werden im nächsten Schritt die Daten des Mikrozensus mit den Ergebnissen der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit auf der Ebene von Berufsgruppen verknüpft. Die Engpassanalyse der Bundesagentur unterscheidet zwischen „Engpassberufen“ (akuter Engpass) und „Berufen unter Beobachtung“ (drohender Engpass) (Kasten). In den Berufskategorien „Fachkräfte“, „Spezialisten“ und „Experten“ ist jeweils ein breites Spektrum an Berufen betroffen (Tabelle 3).

Tabelle 3: Berufe mit der höchsten Engpassbewertung

Akuter Engpass Drohender Engpass
Engpassbewertung Engpassbewertung
Höchste Engpasswerte – Fachkräfte
Berufe in der regenerativen Energietechnik 3,0 Berufe im Obst-, Gemüsebau 1,8
Berufe im Tiefbau o.S. 2,8 Berufe in der industriellen Gießerei 1,8
Berufe im Hotelservice 2,8 Berufe in der spanenden Metallbearbeitung 1,8
Zahnmedizinische Fachangestellte 2,8 Berufe in der Schweiß-, Verbindungstechnik 1,8
Pflegeberufe 2,8 Berufe in der Werkzeugtechnik 1,8
Berufe in der Fleischverarbeitung 2,7 Berufe in der Zweiradtechnik 1,8
Berufe Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik 2,7 Berufe in der Elektromaschinentechnik 1,8
Berufe in der Systemgastronomie 2,7 Berufe Informations, Telekommunikationstechnik 1,8
Höchste Engpasswerte – Spezialisten
Berufe im Gastronomieservice o.S. 2,8 Aufsicht und Führung – Gartenbau 1,8
Aufsicht – Klempnerei, Sanitär, Heizung, Klimatechnik 2,7 Berufe Digital-, Printmediengestaltung 1,8
Zahnmedizinische Fachangestellte 2,7 Berufe in der Schweiß-, Verbindungstechnik 1,8
Berufe in der Physiotherapie 2,7 Berufe Maschinenbau-, Betriebstechnik o.S. 1,8
Berufe in der Ergotherapie 2,7 Berufe in der Energie-, Kraftwerkstechnik 1,8
Aufsicht und Führung – Gastronomie 2,6 Berufe Informations, Telekommunikationstechnik 1,8
Berufe in der Automatisierungstechnik 2,5 Berufe Anlagen-, Behälter-, Apparatebau 1,8
Aufsicht – Hochbau 2,5 Berufe in der IT-Systemadministration 1,8
Höchste Engpasswerte – Experten
Tierärzt*innen für Haus-, Heimtiere 2,8 Berufe in der Luft- und Raumfahrttechnik 1,8
Berufe in der Softwareentwicklung 2,7 Berufe Informations, Telekommunikationstechnik 1,8
Fachärzt*innen in der Inneren Medizin 2,6 Berufe technische Produktionsplanung, -steuerung 1,8
Apotheker, Pharmazeuten 2,5 Berufe in der Stadt- und Raumplanung 1,8
Pflegeberufe 2,5 Berufe im Tiefbau o.S. 1,8
Fachärzt*innen Anästhesiologie 2,4 Berufe in der Gebäudetechnik o.S. 1,8
Aufsicht und Führung – Bauplan, überwiegend Architektur 2,3 Berufe Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik 1,8
Berufe in der Elektrotechnik o.S. 2,2 Berufe in der Ver- und Entsorgung o.S. 1,8

Anmerkungen: Werte für das Jahr 2023; Berufe ohne Spezialisierung sind mit o.S. abgekürzt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit.

Von den Beschäftigten im Alter 66 und älter arbeiteten im Jahr 2022 etwa 23 Prozent in Engpassberufen und etwa 30 Prozent in Berufen unter Beobachtung. Damit arbeitet mehr als die Hälfte der älteren Beschäftigten in Berufen, bei denen Engpässe aktuell bestehen oder bei denen in Zukunft Engpässe drohen (Tabelle 4). Während die Zahl der Beschäftigten mit zunehmendem Alter zurückgeht, bleibt der Anteil der älteren Beschäftigten, der in Engpassberufen arbeitet, über die Altersgruppen 66 bis 74 Jahre weitgehend konstant. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist bei den Beschäftigten in Engpassberufen und in Berufen unter Beobachtung etwas höher als bei den übrigen Berufen.

Tabelle 4: Erwerbstätigkeit nach Alter und Berufen mit Engpassstatus

Engpassstatus
Weder drohender noch akuter Engpass Drohender Engpass Akuter Engpass
N (in Tsd.) % Ø Stunden N (in Tsd.) % Ø Stunden N (in Tsd.) % Ø Stunden
Alter
20–54 11067 36,4 33,3 12494 41,1 36,9 6851 22,5 36,6
55–65 3811 39,1 31,9 3807 39,1 36,5 2122 21,8 36,2
66 89 44,2 19,2 65 32,1 25,3 48 23,7 23,8
67 77 47,1 16,9 47 28,8 22,6 39 24,1 20,9
68 69 48,3 15,6 43 30,0 21,6 31 21,7 20,7
69 56 49,9 16,6 32 27,9 19,7 25 22,2 20,3
70 50 47,6 15,2 30 28,1 19,1 26 24,3 19,9
71 40 48,0 16,0 23 27,2 18,7 21 24,8 23,6
72 31 48,7 14,7 18 28,8 20,0 14 22,4 20,5
73 26 44,0 15,8 20 34,4 17,1 13 21,6 20,1
74 17 43,4 14,9 12 31,7 21,3 10 24,8 19,9
75+ 91 46,2 15,4 63 32,0 18,4 43 21,8 20,0
Gesamt 15424 37,3 32,4 16653 40,3 36,5 9242 22,4 36,0
66+ 546 46,8 16,4 352 30,2 20,9 269 23,0 21,2
Anteil 66+ an der jeweiligen Gruppe der Erwerbstätigen, Verhältnis der durchschnittlichen Stundenzahl der 66+ zur durchschnittlichen Stundenzahl in der Gruppe, in Prozent
3,5 50,6 2,1 57,3 2,9 58,8

Anmerkungen: Anmerkungen: N: Anzahl; Ø Stunden: durchschnittliche Wochenarbeitszeit.

Quelle: Forschungsdatenzentrum (FDZ) der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Scientific Use File Mikrozensus 2022 (online verfügbar), eigene Berechnungen.

Von allen Beschäftigten in den Altersgruppen 20–54 Jahre und 55–65 Jahre arbeitet im Jahr 2022 mit rund 22 Prozent ein annähernd gleich hoher Anteil in Engpassberufen wie bei den Älteren (23 Prozent). Damit ist der Anteil der Älteren in Engpassberufen etwa durchschnittlich. In Berufen unter Beobachtung fällt er dahingegen niedriger aus als bei den Jüngeren. Während von den 20–64-Jährigen etwa 40 Prozent in Berufen unter Beobachtung arbeiten, sind es bei den Beschäftigten im Alter 66+ nur etwa 30 Prozent (Tabelle 4).infoÄltere Beschäftigte stellen 2,9 Prozent der Beschäftigten in Engpassberufen (Tabelle 4). Das entspricht in etwa dem Anteil älterer Beschäftigter insgesamt (Tabelle 1: 2,8 Prozent). In Berufen „unter Beobachtung“ beträgt ihr Anteil nur 2,1 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Anteil der Personen, die in Engpassberufen oder in Berufen unter Beobachtung arbeitet, bei den Jüngeren (bis 65 Jahre) höher ist als bei den Älteren (66+).

Fazit: Erwerbstätigkeit im Alter erhöhen

Für die Erwerbsbeteiligung Älterer sind vor allem individuelle Faktoren ausschlaggebend. Insbesondere betrifft das die Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie Bildung und Gesundheit allgemein. Es gilt: Je höher die Bildung und je besser die Gesundheit, desto höher ist die Erwerbsbeteiligung.

Ob eine Verbesserung der individuellen Voraussetzungen für eine zunehmende Beschäftigung der 66+-Generation (und damit eine Stärkung des Arbeitsangebots dieser Gruppe) wirtschaftspolitisch sinnvoll ist, hängt vor allem von der – sektorspezifischen – Arbeitsnachfrage ab. Es zeigt sich, dass Ältere trotz einer leichten Schwerpunktbildung insgesamt in einem breiten Spektrum von Tätigkeiten vertreten sind und in einzelnen Branchen einen bedeutenden Anteil der Beschäftigten stellen. Dies gilt insbesondere für das Grundstücks- und Wohnungswesen und in der Land- und Forstwirtschaft und Berbau.

In sogenannten Engpassberufen liegt ihr Beschäftigungsanteil wie in der Gesamtwirtschaft und sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels. Bei Berufen, in denen in Zukunft ein Fachkräftemangel droht, liegt der Beschäftigungsanteil Älterer deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. In diesen Berufen ist das Potenzial für eine künftige Linderung des Fachkräftemangels damit besonders groß.

Der Vergleich zu Ländern mit höheren Erwerbsquoten im Alter (zum Beispiel Schweden) spricht dafür, dass es möglich ist, die Erwerbstätigkeit von Älteren zu steigern. Dafür ist eine umfassende Strategie notwendig. Damit Menschen tatsächlich länger arbeiten (können), ist es zentral, dass eine solche Strategie neben Reformen im Rentensystem eine bessere Gesundheitsförderung und durchgehende Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten auch in Jahrgängen nahe der Regelaltersgrenze umfasst. Entscheidend sind auch Veränderungen in steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Regelungen, beispielsweise eine Reform der Minijobregelung, um Anreize zu schaffen, Erwerbstätigkeit und Arbeitsstunden zu erhöhen. Zudem könnte die Unterstützung von arbeitssuchenden Rentner*innen etwa durch die Bundesagentur für Arbeit ausgebaut werden.

Anna Bindler

Abteilungsleiterin in der Abteilung Kriminalität, Arbeit und Ungleichheit

Hermann Buslei

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Staat

Johannes Geyer

Stellvertretender Abteilungsleiter in der Abteilung Staat

Peter Haan

Abteilungsleiter in der Abteilung Staat



JEL-Classification: J14;J21;J26
Keywords: Labor scarcity, labor supply, aging, health, education
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2025-48-1

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