Pressemitteilung vom 3. Juni 2026
EU will Herstellung von Photovoltaikanlagen durch neue Gesetzgebung resilienter und unabhängiger machen – Mitgliedstaaten dürfen Förderung an nicht preisbezogene Kriterien wie CO₂‑Fußabdruck knüpfen – Ansätze sind EU-weit sehr heterogen und Modellanalyse zeigt, dass dadurch hohe Kosten entstehen – EU‑weite Harmonisierung würde Produktionskosten senken und Wettbewerbsfähigkeit stärken
Die Europäische Union will ihre Herstellung von Photovoltaikanlagen stärken, um die Versorgung mit klimafreundlichem Strom resilienter zu machen. Angesichts der hohen strategischen Bedeutung von Photovoltaik‑Technologien erlaubt der Net Zero Industry Act (NZIA) den Mitgliedstaaten, Förderprogramme für PV‑Projekte an nicht preisbezogene Kriterien zu knüpfen. Dabei nutzen EU-Staaten zum Beispiel den CO₂‑Fußabdruck oder die Energieeffizienz als Kriterium. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt jedoch, dass die unterschiedliche Ausgestaltung dieser Kriterien in EU-Staaten negative Folgen für Kosten und Wettbewerb hat.
„Die EU verfolgt mit der neuen Gesetzgebung ein wichtiges Ziel: bis 2030 40 Prozent ihres PV-Bedarfs mit einheimischen Produkten zu decken und somit unabhängiger von globalen Lieferketten zu werden“, sagt Thibault Deletombe, Studienautor und Wissenschaftler in der Abteilung Klimapolitik im DIW Berlin. „Unsere Analyse zeigt aber, dass die bisher sehr heterogene Umsetzung durch die Mitgliedstaaten dazu führen kann, dass dieses Ziel nur eingeschränkt erreicht wird.“
Auf Basis eines Modells des europäischen PV‑Modul‑Produktionssektors untersucht die Studie, welche Auswirkungen unterschiedliche nationale Förderkriterien haben. Das Ergebnis: Die derzeitige Fragmentierung führt dazu, dass Marktpotenziale im Binnenmarkt nicht vollständig genutzt werden. Unterschiedliche Anforderungen an PV‑Module erhöhen die Komplexität für Hersteller und Investoren – und treiben so die Kosten.
„Wenn jedes Land eigene nicht preisbezogene Kriterien definiert, entsteht ein Flickenteppich an Anforderungen, der Investitionen erschwert und Skaleneffekte verhindert“, erklärt Karsten Neuhoff, Leiter der Abteilung Klimapolitik im DIW Berlin. „Das verteuert die Herstellung und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter.“
Die Studie zeigt zugleich, dass eine EU‑weite Harmonisierung der nicht preisbezogenen Kriterien erhebliche Vorteile bringen würde. Einheitliche Standards würden den Binnenmarkt stärken, die Produktionskosten senken und für klare Rahmenbedingungen sorgen. Gleichzeitig könnten Unternehmen größere Märkte bedienen und effizienter produzieren.
Ein einheitlicher europäischer Rahmen würde zudem dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller zu verbessern. Derzeit haben insbesondere chinesische PV‑Module einen deutlichen Kostenvorteil. Um diesen Nachteil auszugleichen, benötigen europäische Unternehmen verlässliche und konsistente politische Rahmenbedingungen.
Neben dem NZIA spielt auch der vorgeschlagene Industrial Accelerator Act (IAA) eine wichtige Rolle. Dieser sieht vor, dass bei der Förderung von PV‑Projekten stärker berücksichtigt werden kann, ob Komponenten in Europa hergestellt wurden („Made in EU“-Kriterien). Entscheidend ist jedoch, dass beide Instrumente koordiniert und konsistent umgesetzt werden.
„Nur mithilfe einer abgestimmten europäischen Industriestrategie können die Ziele der EU erreicht werden: eine resilientere Herstellung von PV‑Anlagen, geringere Kosten und ein Beitrag zu einem wettbewerblichen globalen Markt. Dazu müssen Industrie‑, Wettbewerbs- und Umweltpolitik enger miteinander verzahnt werden“, resümiert Studienautor Deletombe.
Themen: Klimapolitik , Wettbewerb und Regulierung