Protektionistische US-Handelspolitik schadet der Wirtschaft weltweit

Pressemitteilung vom 4. August 2021

US-Handelsrestriktionen belasten Finanzmärkte – Aktienkurse und Anleiherenditen geben nach Zollerhöhungen und ähnlichen Maßnahmen nach – Wirkung hält bis zu fünf Monate an – Fast alle Branchen und Handelspartner sind negativ betroffen – Rückkehr zur multilateralen Handelsordnung wäre wünschenswert

Erst Ende Juli hat US-Präsident Joe Biden eine Verschärfung der „Buy America“-Politik angekündigt und führt damit die protektionistische Handelspolitik seines Vorgängers Donald Trump fort. Dass diese aber nicht nur der US-Wirtschaft, sondern fast allen Handelspartnern geschadet hat, zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Demnach haben die Finanzmärkte auf Zollerhöhungen und andere restriktive Maßnahmen der Trump-Administration bis zu 100 Handelstage, also rund fünf Monate lang, signifikant negativ reagiert. Für die Studie haben die DIW-Ökonomen Lukas Boer, Lukas Menkhoff und Malte Rieth die einzelnen US-handelspolitischen Ankündigungen und Umsetzungen von 2017 bis 2020 identifiziert und mithilfe eines SVAR-Modells in Beziehung zu den Entwicklungen der Finanzmärkte gesetzt.

„An den Reaktionen der Finanzmärkte lässt sich die Erwartung der Marktteilnehmer auch auf längere Sicht ablesen“, beschreibt Studienautor Malte Rieth den Ansatz. Und die Ergebnisse der Analyse zeigen: „Nach neuen handelspolitischen Ankündigungen der US-Regierung gaben die Aktien- und Anleihemärkte deutlich nach. Nur der Dollar wertet als sicherer Hafen auf, was aber dem US-Export nicht förderlich ist.“

Neun von elf US-Branchen negativ betroffen

Vor allem in China engagierte US-Firmen haben die Restriktionen beeinträchtigt, zeigt ein speziell für diese Auswertung zusammengestellter Index. Ihre Aktienkurse gaben nach neuen Ankündigungen von Zollerhöhungen im Schnitt um ein Prozent nach. Nur wenige US-Branchen wie die exportunabhängigen Versorger oder Immobilienunternehmen ließ die protektionistische Handelspolitik weitestgehend unbeeindruckt, die übrigen neun US-Branchen mussten aber nach neuen Maßnahmen signifikante Einbußen hinnehmen, insbesondere der Technologiesektor und die Industrie. Chinas Vergeltungsmaßnahmen wirken noch einmal zusätzlich negativ, die US-Realwirtschaft ist somit doppelt getroffen.

© DIW Berlin

„Da nur wenige Unternehmen und Länder vom US-Protektionismus profitiert haben, liegt die Rationalität dieser Politik offensichtlich nicht in ökonomischen Gewinnen“ Lukas Menkhoff

Doch die Restriktionen schaden nicht nur der US-Wirtschaft: Die Maßnahmen gegen China belasteten darüber hinaus auch die Aktienleitindizes sehr vieler US-Handelspartner, vor allem in Lateinamerika und Europa.

„Da nur wenige Unternehmen und Länder vom US-Protektionismus profitiert haben, liegt die Rationalität dieser Politik offensichtlich nicht in ökonomischen Gewinnen“, konstatiert Studienautor Lukas Menkhoff. Die neue US-Regierung behält die restriktive Handelspolitik dennoch bei; gerade gegenüber China will Joe Biden weiter einen harten Kurs fahren. Mit der jüngst verschärften „Buy America“-Strategie scheint er vor allem innenpolitisch beruhigen zu wollen.

„In jedem Fall sind die wirtschaftlichen Kosten für alle Beteiligten erheblich. Hinzu kommen politische Verwerfungen. Das mag die letzte US-Regierung nicht allzu sehr gestört haben, die aktuelle Regierung sollte diese negativen Effekte einer restriktiven Handelspolitik aber berücksichtigen und zu einer multilateralen Handelsordnung zurückkehren“, hofft Studienautor Lukas Boer.

Links

  • Studie im DIW Wochenbericht 31/2021
  • Studie im DIW Weekly Report 31 (in englischer Sprache)
  • Infografik in hoher Auflösung (JPG, 1.72 MB)
  • Interview mit Lukas Boer
  • O-Ton von Lukas Boer
    Für die USA ergeben sich keine Vorteile aus der restriktiven Handelspolitik - Interview mit Lukas Boer
Lukas Boer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Weltwirtschaft

Lukas Menkhoff

Abteilungsleiter in der Abteilung Weltwirtschaft

Malte Rieth

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Makroökonomie

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