Das Neue an der „Arbeitsmarktdrehscheibe“: Es ist eine präventive Arbeitsmarktpolitik, die Mitarbeitenden der Arbeitsagenturen würden schon aktiv, bevor die Menschen arbeitslos werden. Das sei erst seit 2020 möglich. „Bis dahin mussten wir warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist“, berichtet Nahles. Diese rechtlichen Veränderungen seien entscheidend für die anstehende Transformation. Solche Projekte gebe es derzeit an dreißig Standorten in Deutschland. Teil dieser Arbeit sei es auch, die Arbeitskräfte weiter zu qualifizieren, wenn sie das benötigten. Neu sei das Instrument Qualifizierungsgeld, eine Art Kurzarbeitergeld für die Zeit der Qualifizierung, das bei 67 Prozent für Menschen mit Familien und bei 60 Prozent des letzten Einkommens bei Alleinstehenden liegt.
Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit berichtete aber auch von Problemen in diesen Transformationsprozessen: „Es gibt eine Art Wettbewerb zwischen Arbeitsmarktdrehscheibe und Transfergesellschaft.“ Das bedeutet konkret: Wenn etwa ein Standort geschlossen wird und die Tarifparteien dazu eine Einigung schließen, beinhalten diese oft, dass die ehemaligen Arbeitnehmer*innen möglichst lange Transferleistungen durch den Arbeitgeber bekommen, meist sogar möglichst nah an die Rente heran. Die Arbeitsagentur würde sich das aber anders wünschen: Dass diese Menschen möglich schnell weiterqualifiziert werden und sie möglichst schnell in Arbeitsplätze vermittelt werden, in denen sie gebraucht werden. „Da müssen wir manchmal noch Überzeugungsarbeit leisten“, berichtet Nahles.