Claudia Kemfert zum Klimaschutz: „Jedes Zehntel Grad zählt“

In der aktuellen Folge des DIW-Podcasts Wirtschaft bewegt – 100 Jahre DIW Berlin spricht Prof. Dr. Claudia Kemfert über die ökonomischen Folgen des Klimawandels und die volkswirtschaftlichen Chancen von Klimaschutzmaßnahmen. Die Energieökonomin leitet seit 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin.

O-Ton von Claudia Kemfert
„Jedes Zehntel Grad zählt“ - Claudia Kemfert zum Klimaschutz

Klimaschäden in Milliardenhöhe

In der Podcastfolge erklärt Kemfert, wie die Schäden des Klimawandels berechnet werden. Dieses seien Annäherungen. Dabei sei auch klar, dass die tatsächlichen Kosten, die Klimaschäden verursachen deutlich über den bisherigen Annahmen lägen. „Man hat zu geringe Werte angesetzt und damit eben auch immer die Kosten des Klimawandels unterschätzt“, erklärt Kemfert im Podcast. Die wirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel seien bereits heute enorm. Allein die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 habe beispielsweise Schäden von rund 30 Milliarden Euro verursacht. Zwischen 2000 und 2021 summierten sich die Klimaschäden in Deutschland auf etwa 145 Milliarden Euro.

Podcast-Host Erich Wittenberg und Claudia Kemfert.
© DIW Berlin

Investitionen in die Zukunft

„Klimaschutz lohnt sich“, betont Kemfert. Investitionen in erneuerbare Energien, Elektromobilität und Energieeffizienz schaffen Wertschöpfung, Arbeitsplätze und reduzieren langfristig Kosten für fossile Energieimporte und Gesundheitsbelastungen. Damit seien sie wichtige Investitionen in die Zukunft. Dennoch werde der Nutzen von Klimaschutzmaßnahmen in der öffentlichen Debatte oft vernachlässigt und sogar trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse so getan, als würde der Klimaschutz der Wirtschaft schaden. „Das Gegenteil ist richtig“, sagt Kemfert. Länder wie China investierten massiv in Zukunftstechnologien und sicherten sich damit Wettbewerbsvorteile. Deutschland drohe den Anschluss zu verlieren, wenn es nicht entschlossen handelt. Umweltschädliche Subventionen – laut Umweltbundesamt rund 90 Milliarden Euro jährlich – müssten dringend abgebaut werden, um Mittel für nachhaltige Investitionen freizusetzen. Kemfert fordert zudem eine systematische Kosten-Nutzen-Bilanz, um die Vorteile von Klimaschutzmaßnahmen transparent zu machen. Zu den Zielen des Klimaschutzes sagt sie: „Jedes Zehntel Grad zählt.“

Hoffnung durch Engagement

Kemfert betont auch, wie ungerecht die Folgen des Klimawandels verteilt sind. „Es ist nicht nur so, dass es sozial ungerecht ist innerhalb der Gesellschaft oder zwischen den Gesellschaften, den Generationen der zukünftigen Gesellschaften, sondern auch noch zwischen dem globalen Norden und globalen Süden.“ Es sei enorm ungerecht, wenn etwa in Teilen Afrikas extreme Hitze und Dürre herrsche, obwohl die afrikanischen Länder den Klimawandel nur in sehr geringem Ausmaß mit verursacht hätten.

Trotz politischer Widerstände und lautstarker Lobbyinteressen zeigt sich Kemfert optimistisch: „Die Zivilgesellschaft versteht, dass sich Naturschutz und Umweltschutz lohnen.“ Sie sieht eine schweigende Mehrheit, die Klimaschutz unterstützt, und plädiert für mehr Mut und faktenbasierte Politik.

Host des Podcasts ist Journalist und Moderator Erich Wittenberg.

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