„Man muss bei frühkindlicher Bildung ansetzen“

In der aktuellen Folge des Podcasts „Wirtschaft bewegt – 100 Jahre DIW Berlin“ spricht Moderator Erich Wittenberg mit Jascha Dräger, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des DIW Berlin, über Bildungsungleichheit in Deutschland. Warum hängen die Bildungschancen hierzulande so stark von der sozialen Herkunft ab – und was müsste sich ändern?

O-Ton von Jascha Dräger
„Man muss bei frühkindlicher Bildung ansetzen“ - Bildungsungleichheit

Bildungserfolg hängt vor allem von der Bildung der Eltern ab

Dräger macht im Gespräch deutlich: Der Bildungserfolg von Kindern ist in Deutschland eng mit dem Einkommen und der Bildung der Eltern verknüpft. „Wenn ich wohlhabende Eltern habe, habe ich eine vielfach höhere Chance, ein Abitur zu erwerben, eine vielfach höhere Chance, einen Universitätsabschluss zu erwerben“, erklärt er. Unterschiede zeigen sich dabei schon früh – und sie verstärken sich mit der Zeit.

Eine zentrale Ursache sei, dass Eltern mit höherem Einkommen mehr in die Bildung ihrer Kinder investieren können – etwa in Lernmaterialien oder Nachhilfe.  Einkommensschwächere Familien seien häufiger gestresst, weil sie unsichere Jobs hätten oder in unsicheren Umgebungen lebten. „Und dieser Stress wirkt sich dann auch auf den Erziehungsstil der Eltern aus“, so Dräger. Auch über Kinder, die in Familien leben, die von Bürgergeld leben, müsste im Kontext von Bildungsungleichheit gesprochen werden.

Bildungsforscher Jascha Dräger bei der Aufzeichnung des Podcasts „Wirtschaft bewegt“.
© DIW Berlin

Bei frühkindlicher Bildung ansetzen

Ungleichheiten entstehen laut Dräger nicht erst in der Schule, sondern bereits vor dem Schulbeginn: „Schon bei dreijährigen Kindern sehen wir, dass Kinder aus wohlhabenderen Familien im Durchschnitt höhere Kompetenzen haben.“ Daher plädiert er dafür, den Fokus viel stärker auf die frühe Förderung zu legen: „Eigentlich müsste man bei der frühkindlichen Bildung ansetzen. Denn alles, was man hinterher macht, kommt nach diesen unglaublich unterschiedlichen Startvoraussetzungen. “

Auch im internationalen Vergleich zeige sich ein ernüchterndes Bild: Deutschland stehe hier eher im unteren Mittelfeld oder sogar ganz unten, erklärt der Experte mit Blick auf Studien zu Bildungsungleichheit. Ein Grund dafür sei die frühe Aufteilung auf verschiedene Schulformen: „In Deutschland gibt es diese Trennung bereits nach der vierten Klasse – ein unglaublich früher Zeitpunkt, der die weiteren Bildungsverläufe stark beeinflusst.“

Warum Deutschland bei der Bildungsgerechtigkeit hinterherhinkt, welche Rolle Geld und elterliche Bildung spielen – und warum laut Jascha Dräger mehr Investitionen in die frühkindliche Bildung der Schlüssel zu mehr Chancengleichheit wären: all das in der neuen Folge von „Wirtschaft bewegt – 100 Jahre DIW Berlin“.

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