Pressemitteilung vom 30. Juli 2025
Geopolitische Spannungen und Handelskonflikte veranlassen Regierungen, ihre eigenen Währungen zu fördern – DIW-Studie zeigt am Beispiel des Handels zwischen China und Frankreich, wie Regierungen dabei vorgehen und Unternehmen reagieren – China konnte seine Währung zwar international stärker verbreiten, aber US-Dollar und Euro bleiben die wichtigsten Rechnungswährungen im internationalen Handel
Der chinesische Renminbi konnte seinen Anteil als Rechnungswährung stark ausbauen. Doch ist der Renminbi noch weit davon entfernt, den US-Dollar oder den Euro zu verdrängen. Dies ist das Kernergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die am Beispiel von französischen Exortunternehmen untersucht hat, wie die Firmen auf die Bemühungen Chinas zur Währungsförderung reagiert haben.
© DIW Berlin
„China verfolgt seit langem die Strategie, den Renminbi als führende Rechnungswährung im globalen Handel zu etablieren. Damit will das Land die Transaktionskosten für seine Unternehmen senken und deren internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken, aber auch seine Währung auf ein Niveau heben, das dem wachsenden wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss Chinas entspricht“, berichtet Studienautorin Sonali Chowdhry aus der Abteilung Unternehmen und Märkte des DIW Berlin. „Der strategische Wettbewerb mit den USA treibt China dazu, sich im globalen Handel vom US-Dollar unabhängig zu machen.“
„Die derzeitige Unsicherheit in der US-Wirtschaftspolitik könnte dem Euro die Möglichkeit bieten, sich noch stärker zu etablieren“ Sonali Chowdhry
Um zu untersuchen, wie Unternehmen auf die Bemühungen der chinesischen Regierung reagieren, hat Chowdhry detaillierte französische Zolldaten aus der frühen Phase der Renminbi-Reformen in China von 2011 bis 2017 ausgewertet. In diesem Zeitraum konnte der Renminbi seinen Anteil von unter einem Prozent auf zehn Prozent erhöhen. Insbesondere Firmen der Konsumgüterbranche haben demnach vermehrt in chinesischer Währung exportiert. Bei Rohstoffen konnte der Renminbi hingegen seinen Anteil nicht nennenswert ausbauen – hier ist der US-Dollar einfach zu dominierend.
Vor allem große und erfahrene exportorientierte französische Unternehmen rechneten Rechnungen in chinesischer Währung ab. Im Gegensatz dazu entschieden sich Firmen, die noch keine Erfahrung im Handel mit China hatten, selten für den Renminbi und machten nur 0,5 Prozent der in chinesischer Währung abgerechneten Exporte aus.
Die Rechnungsstellung in Renminbi blieb aber zu 99 Prozent auf den Handel mit China beschränkt. „Der Übergang zu einem wirklich multipolaren Währungssystem dürfte langwierig sein und je nach Branche und Unternehmen sehr unterschiedlich ausfallen“, fasst Chowdhry zusammen. „Die derzeitige Unsicherheit in der US-Wirtschaftspolitik könnte dem Euro die Möglichkeit bieten, sich noch stärker zu etablieren.“ Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank hat sich bereits für einen „globalen Euro“ ausgesprochen. Dies würde aber weitere Maßnahmen erfordern, wie die Bereitstellung von Liquidität durch die Ausweitung von Swap-Linien auf ein immer größeres Netzwerk von Handelspartnern sowie die Verringerung von Transaktionskosten durch die Einführung eines digitalen Euro.
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