Frauenanteile in Spitzengremien großer Unternehmen steigen – abgesehen von Aufsichtsräten im Finanzsektor

DIW Wochenbericht 4 / 2020, S. 38-49

Anja Kirsch, Katharina Wrohlich

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Die Frauenanteile in den Vorständen großer Unternehmen in Deutschland sind im vergangenen Jahr etwas stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Die 200 umsatzstärksten Unternehmen knackten erstmals die Zehn-Prozent-Marke: 14 Vorstandsposten mehr als noch im Jahr zuvor – nämlich 94 von 907 – hatten Frauen inne. Auch bei den größten börsennotierten und bei den Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, war die Entwicklung im Vorstand etwas dynamischer – ebenso bei Banken und Versicherungen. Gleichwohl kann noch keine Rede davon sein, dass in sämtlichen Chefetagen das Umdenken begonnen hätte. Bei genauerem Hinsehen vollzieht sich die Entwicklung in den Chefetagen – zumal bei Betrachtung mehrjähriger Zeiträume – nach wie vor in Trippelschritten. Hinzu kommt: In den Aufsichtsräten ging es langsamer voran als in den Jahren zuvor, bei Banken und Versicherungen sank der Frauenanteil sogar. Der gesellschaftliche und politische Druck, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, könnte sich schon bald noch verstärken. In eigenem Interesse, auch mit Blick auf ihren Fachkräftebedarf in der Zukunft, sollten die Unternehmen ihre Anstrengungen dringend erhöhen.

Im Managerinnen-Barometer des DIW Berlin werden seit 2006 die Anteile von Frauen in Vorständen und Geschäftsführungen (nachfolgend Vorstände) sowie in Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräten sowie Kuratorien (nachfolgend Aufsichtsräte) der größten Unternehmen in Deutschland dokumentiert.infoZuletzt im Jahr 2018, vgl. Elke Holst und Katharina Wrohlich (2019): Managerinnen-Barometer 2019: Frauenanteile in Aufsichtsräten großer Unternehmen in Deutschland auf gutem Weg – Vorstände bleiben Männerdomänen. DIW Wochenbericht Nr. 3, 20–50 (online verfügbar; abgerufen am 7. Januar 2020. Dies gilt auch für alle anderen Online-Quellen dieses Berichts, sofern nicht anders vermerkt). Zudem wird dargestellt, wie viele Frauen als Vorsitzende des Vorstands beziehungsweise als Vorstandssprecherinnen (nachfolgend Vorstandsvorsitzende) sowie als Aufsichtsratsvorsitzende tätig sind. Diese Frauenanteile werden in diesem Bericht für die 200 – gemessen am Umsatz – größten Unternehmen in DeutschlandinfoDie Auswahl der 100 beziehungsweise 200 nach Umsatz größten Unternehmen erfolgte auf Basis der Publikation „Die 100 größten Unternehmen“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Beilage vom 3. Juli 2019)., für alle 160 DAX-UnternehmeninfoDie Liste der börsennotierten Unternehmen in den einzelnen DAX-Gruppen wurde den Internetseiten www.finanzen.net und www.boerse.de entnommen (abgerufen am 2. Oktober 2019)., alle Unternehmen mit BundesbeteiligunginfoDie vollständige Liste aller Unternehmen mit Bundesbeteiligung wurde dem Beteiligungsbericht des Bundes 2018 entnommen (online verfügbar, abgerufen am 14. Oktober 2019). sowie für die 100 – gemessen an der Bilanzsumme – größten BankeninfoDie Auswahl der nach der Bilanzsumme 100 größten Banken und Sparkassen erfolgte nach Anja U. Kraus und Klaus Kuck (2019): Die Konsolidierung hat begonnen. Die Bank, Zeitschrift für Bankpolitik und Praxis, Heft 07/2019, 8–11. und nach Beitragseinnahmen 60 größten VersicherungeninfoDie Auswahl der nach Beitragseinnahmen 60 größten Versicherungen erfolgte auf Basis einer Sonderauswertung des Kölner Instituts für Versicherungsinformation und Wirtschaftsdienste (KIVI). Zudem wurden die größten Rückversicherungsunternehmen aus der Rückversicherungsstatistik 2018 der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in die Gruppe der 60 größten Versicherungsunternehmen integriert. erfasst. Zudem werden die Frauenanteile in Vorständen und Aufsichtsräten auch gesondert für die der Geschlechterquote für Aufsichtsräte unterliegenden UnternehmeninfoDie Liste der im Herbst 2019 der Geschlechterquote im Aufsichtsrat unterliegenden Unternehmen wurde dem Women-on-Board-Index 185 der Initiative FidAR e.V. entnommen (online verfügbar). berichtet. Zusammen genommen enthält das DIW Managerinnen-Barometer somit Informationen zu etwa 500 Unternehmen in Deutschland. Die hier veröffentlichten Zahlen wurden im Oktober und November 2019 recherchiert.infoWir danken Arianna Antezza, Denise Barth, Maximilian Hauser und Kathrin Jehne für die exzellente Unterstützung bei der Datenrecherche. Die Angaben beruhen auf den Selbstdarstellungen der Unternehmen im Internet, den Geschäftsberichten des Jahres 2018, dem Bundesanzeiger sowie auf Anfragen des DIW Berlin bei den Unternehmen. Im Anschluss an die Darstellung der Entwicklung der Frauenanteile in Vorständen und Aufsichtsräten in den größten Unternehmen Deutschlands wird ein Vergleich zu den größten börsennotierten Unternehmen in anderen europäischen Ländern gezogen.

Top-200-Unternehmen

Frauenanteil in Vorständen ist 2019 stärker gestiegen als in den Jahren zuvor

In den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen (ohne den Finanzsektor) in Deutschland waren im Herbst 2019 erstmals mehr als zehn Prozent Frauen vertreten (Tabelle 1infoDie Zahlen für sämtliche Jahre seit 2006 und zusätzlich eine namentliche Auflistung aller Vorständinnen der Top-200-Unternehmen im Jahr 2019 sind hier abrufbar: www.diw.de/managerinnen., Abbildung 1). Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil um 1,4 Prozentpunkte auf nun 10,4 Prozent. In den Top-100-Unternehmen, die die Zehn-Prozent-Marke bereits im Jahr zuvor geknackt hatten, ist der Frauenanteil in den Vorständen ebenfalls weiter gestiegen und liegt nun bei 11,6 Prozent. Dies sind jeweils größere Anstiege als in den Vorjahren. Von 2016 auf 2017 beispielsweise stagnierte der Frauenanteil in den Vorständen der 100 beziehungsweise 200 größten Unternehmen Deutschlands, und auch von 2017 auf 2018 fiel der Anstieg mit weniger als einem Prozentpunkt in den Top-200-Unternehmen eher gering aus.infoEin Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über Frauen in der ersten und zweiten Führungsebene in privatwirtschaftlichen Betrieben auf Basis des IAB-Betriebspanels zeigt ebenfalls, dass der Frauenanteil in der ersten Führungsebene in den Jahren 2016 bis 2018 nahezu unverändert blieb. Der Befund des DIW Managerinnen-Barometers, das sich auf die Unternehmensebene bezieht, zeigt sich demnach für die Jahre 2016 bis 2018 auch für die betriebliche Ebene. Vgl. dazu Susanne Kohaut und Iris Möller (2019): Leider nichts Neues auf den Führungsetagen. IAB Kurzbericht 23/2019.

Tabelle 1: Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten der größten 200 Unternehmen¹ in Deutschland (ohne Finanzsektor)

Top-200-Unternehmen Top-100-Unternehmen
2006 2009 2012 2015 2017 2018 2019 2006 2009 2012 2015 2017 2018 2019
Vorstände/Geschäftsführungen
Unternehmen insgesamt 200 200 200 200 200 200 200 100 100 100 100 100 100 100
Mit Angaben zur Zusammensetzung 195 187 200 197 197 192 197 97 92 100 98 98 97 98
Mit Frauen im Vorstand 9 16 33 51 62 65 78 1 4 19 22 38 41 45
Anteil in Prozent 4,6 8,6 16,5 25,9 31,5 33,9 39,6 1,0 4,3 19,0 22,4 38,8 42,3 45,9
Mitglieder insgesamt 953 833 970 910 956 887 907 531 441 520 489 511 488 484
Männer 942 812 931 853 879 807 813 530 437 497 463 467 439 428
Frauen 11 21 39 57 77 80 94 1 4 23 26 44 49 56
Anteil der Frauen in Prozent 1,2 2,5 4,0 6,3 8,1 9,0 10,4 0,2 0,9 4,4 5,3 8,6 10,0 11,6
Vorsitze insgesamt2 195 187 198 180 177 171 192 97 92 99 92 85 89 97
Männer 195 186 196 177 171 164 182,5 97 92 99 92 85 88 94,5
Frauen 0 1 2 3 6 7 9,5 0 0 0 0 0 1 2,5
Anteil der Frauen in Prozent 0 0,5 1,0 1,7 3,4 4,1 4,9 0 0 0 0 0 1,1 2,6
Aufsichts-/Verwaltungsräte
Unternehmen insgesamt 200 200 200 200 200 200 200 100 100 100 100 100 100 100
Mit Angaben zur Zusammensetzung 170 153 170 158 145 152 164 87 78 92 82 74 82 88
Mit Frauen im Aufsichtsrat 110 110 128 137 134 136 150 65 60 76 75 71 77 83
Anteil in Prozent 64,7 71,9 75,3 86,7 92,4 89,5 91,5 74,7 76,9 82,6 91,5 95,9 93,9 94,3
Mitglieder insgesamt 2500 2175 2369 2202 2080 2071 2177 1389 1166 1359 1224 1160 1266 1321
Männer 2304 1961 2064 1768 1569 1514 1563 1270 1048 1186 976 867 906 932
Frauen 196 214 305 434 511 557 614 119 118 173 248 293 360 389
Anteil der Frauen in Prozent 7,8 9,8 12,9 19,7 24,6 26,9 28,2 8,6 10,1 12,7 20,3 25,3 28,4 29,4
Vorsitze insgesamt 170 153 171 158 145 153 162 87 78 92 82 74 83 87
Männer 167 151 168 154 143 148 156 85 76 90 80 73 80 84
Frauen 3 2 3 4 2 5 6 2 2 2 2 1 3 3
Anteil der Frauen in Prozent 1,8 1,3 1,8 2,5 1,4 3,3 3,7 2,3 2,6 2,2 2,4 1,4 3,6 3,4
Unternehmen mit Angaben zur Arbeitnehmervertretung 123 103 118 126 118 116 118 81 58 58 68 65 69 66
Mitglieder insgesamt 2206 1732 1638 1959 1854 1773 1813 602 968 860 1100 1085 1144 1118
Männer 2023 1563 1438 1557 1387 1283 1272 487 868 753 870 809 813 772
Frauen 183 169 200 402 467 490 541 115 100 107 230 276 331 346
Arbeitnehmervertreterinnen 139 121 117 224 240 254 283 84 76 64 128 140 171 179
Anteil an den Frauen insgesamt in Prozent 76,0 71,6 58,5 55,7 51,4 51,8 52,3 73,0 76,0 59,8 55,7 50,7 51,7 51,7

1 Jeweils am Jahresende. Die Zahlen für das Jahr 2019 wurden im Oktober und November 2019 recherchiert.

2 Bei Doppelspitzen wird beiden Personen jeweils ein halber Vorsitz zugerechnet. Dies ist in den dargestellten Unternehmensgruppen erstmals relevant, da der Softwarekonzern SAP im vergangenen Jahr sowohl Jennifer Morgan als auch Christian Klein an die Spitze seines Vorstands berufen hat.

Quelle: Eigene Erhebungen und Berechnungen.

Wesentlich geringer ist die Repräsentanz von Frauen allerdings, wenn man nur die Vorstandsvorsitze betrachtet. Trotz Steigerungen gegenüber dem Vorjahr waren in den Top-200-Unternehmen nur knapp fünf Prozent der Vorstandsvorsitzenden Frauen. In den Top-100-Unternehmen waren es mit 2,6 Prozent noch weniger.

Frauenanteil in Aufsichtsräten steigt weiter, Dynamik hat aber abgenommen

Auch in den Aufsichtsräten sind die Frauenanteile gestiegen: In den Top-200-Unternehmen waren im Herbst 2019 28,2 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder Frauen – eine Zunahme um mehr als einen Prozentpunkt gegenüber dem Jahr zuvor. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Top-100-Unternehmen hat ebenfalls um einen Prozentpunkt zugelegt und liegt jetzt – unweit der 30-Prozent-Marke – bei 29,4 Prozent.

Mehr oder weniger unverändert im Vergleich zu den Jahren zuvor ist der Anteil der Frauen, die von Anteilseigner- und Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsrat entsandt werden. Während vor zehn Jahren noch drei Viertel aller Aufsichtsrätinnen von der Arbeitnehmerseite gestellt wurden, ist die Aufteilung seit 2016 nahezu ausgeglichen.

Ebenfalls nahezu unverändert und damit sehr niedrig geblieben im Vergleich zu 2018 ist die Anzahl der einem Aufsichtsrat vorsitzenden Frauen: In den 200 umsatzstärksten Unternehmen ist deren Zahl von fünf auf sechs gestiegen, in den Top-100-Unternehmen ist sie mit drei konstant.infoDr. Simone Bagel-Trah (Henkel AG & Co. KGaA), Bettina Würth (Würth-Gruppe), Laura Abasolo García de Baquedano (Telefónica Deutschland Holding AG), Cristina Stenbeck (Zalando SE), Cathrina Claas-Mühlhäuser (Claas KGaA mbH), Monika Standziak-Koresh (Orlen Deutschland). In beiden Fällen liegt der Frauenanteil zwischen drei und vier Prozent.

Börsennotierte Unternehmen

Zehn-Prozent-Marke in Vorständen langsam in Sicht

Der Frauenanteil in den Vorständen der untersuchten börsennotierten Unternehmen (DAX-30, MDAX, SDAX und TecDAXinfoSeit 2018 können alle TecDAX-Unternehmen (zusätzlich zu ihrer Listung im TecDAX) auch im DAX-30, MDAX oder SDAX gelistet sein. Vgl. Georg Buschmann (2018): So sieht der neue Dax aus. Wirtschaftswoche Online vom 6. September (online verfügbar).) ist im Vergleich zum Vorjahr in allen DAX-Gruppen leicht gestiegen. Er lag im Jahr 2019 mit 9,3 Prozent um gut einen Prozentpunkt höher als im Jahr zuvor, aber immer noch unter der Zehn-Prozent-Marke (Tabelle 2infoZahlen für weitere Jahre und zusätzlich eine namentliche Auflistung aller Frauen in Vorständen börsennotierter Unternehmen in Deutschland im Jahr 2019 sind hier abrufbar: www.diw.de/managerinnen.). Der Anteil der einem Vorstand vorsitzenden Frauen ist seit 2017 mehr oder weniger unverändert und beträgt rund drei Prozent.

Tabelle 2: Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten ausgewählter börsennotierter Unternehmen¹ in Deutschland

Unterliegen der Geschlechterquote im Aufsichtsrat4 Durchschnitt DAX-Gruppen
2017 2018 2019 20115 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Vorstände/Geschäftsführungen
Unternehmen insgesamt 105 104 105 130 160 160 160 160 160 160 160
Mit Angaben zur Zusammensetzung2 105 104 105 130 160 160 160 160 160 160 159
Mit Frauen im Vorstand 33 34 42 17 37 31 35 37 43 51 56
Anteil in Prozent 31,4 32,7 40,0 13,1 23,1 19,4 21,9 23,1 26,9 31,9 35,2
Mitglieder insgesamt 495 483 494 569 681 630 658 686 697 709 706
Männer 456 442 443 549 639 596 620 640 647 651 640
Frauen 39 41 51 20 42 34 38 46 50 58 66
Anteil der Frauen in Prozent 7,9 8,5 10,3 3,5 6,2 5,4 5,8 6,7 7,2 8,2 9,3
Vorsitze insgesamt3 104 104 105 130 160 157 158 157 155 153 157
Männer 101 102 101,5 129 159 157 158 156 150 149 152,5
Frauen 3 2 3,5 1 1 0 0 1 5 4 4,5
Anteil der Frauen in Prozent 2,9 1,9 3,3 0,8 0,6 0 0 0,6 3,2 2,7 3,0
Aufsichts-/Verwaltungsräte
Unternehmen insgesamt 105 104 105 130 160 160 160 160 160 160 160
Mit Angaben zur Zusammensetzung 105 104 105 130 160 160 158 159 160 160 159
Mit Frauen im Aufsichtsrat 105 104 105 82 119 121 130 134 137 140 136
Anteil in Prozent 100 100 100 63,1 74,4 75,6 81,3 83,8 85,6 87,5 85,5
Mitglieder insgesamt 1597 1511 1577 1406 1668 1661 1653 1698 1761 1709 1698
Männer 1116 1016 1027 1228 1384 1346 1284 1261 1284 1195 1167
Frauen 481 495 550 178 286 315 369 437 477 514 531
Anteil der Frauen in Prozent 30,1 32,8 34,9 12,7 17,1 19,0 22,3 25,7 27,1 30,1 31,3
Vorsitze insgesamt 105 104 105 130 158 158 158 157 160 160 159
Männer 101 100 99 129 154 153 152 152 155 151 151
Frauen 4 4 6 1 4 5 6 5 5 9 8
Anteil der Frauen in Prozent 3,8 3,8 5,7 0,8 2,5 3,2 3,8 3,2 3,1 5,6 5,0
Unternehmen mit Angaben zur Arbeitnehmervertretung 104 102 103 100 72 94 98 96 98 95 94
Mitglieder insgesamt 1573 1502 1559 1074 891 1263 1284 1292 1360 1308 1307
Männer 1101 1009 1017 952 727 999 973 924 955 877 854
Frauen 472 493 542 122 164 264 311 368 405 431 453
Arbeitnehmervertreterinnen 249 255 278 90 101 148 167 192 205 219 228
Anteil an den Frauen insgesamt in Prozent 52,8 51,7 51,3 73,8 61,6 56,1 53,7 52,2 50,6 50,8 50,3

1 Jeweils am Jahresende. Die Zahlen für das Jahr 2019 wurden im Oktober und November 2019 recherchiert.

2 Das DAX-30-Unternehmen Linde AG fusionierte 2018 mit dem US-Konzern Praxair. Weder der Aufsichtsrat noch der Vorstand der Linde AG haben eine Entscheidungsbefugnis und existieren nur noch pro forma. Die Hauptverwaltung des Unternehmens befindet sich in den USA. Daher werden der Aufsichtsrat und der Vorstand der Linde AG in diesem Bericht nicht berücksichtigt, womit das Managerinnen-Barometer für 2019 nur Informationen zu 29 statt 30 DAX-30-Unternehmen enthält.

3 Bei Doppelspitzen wird beiden Personen jeweils ein halber Vorsitz zugerechnet. Dies ist in den dargestellten Unternehmensgruppen erstmals relevant, da der Softwarekonzern SAP im vergangenen Jahr sowohl Jennifer Morgan als auch Christian Klein an die Spitze seines Vorstands berufen hat.

4 Unternehmen laut Women-on-Board-Index 2018 von FidAR.

5 Berechnungen ohne TecDAX-Unternehmen.

Quelle: Eigene Erhebungen und Berechnungen.

Die DAX-30-UnternehmeninfoDas DAX-30-Unternehmen Linde AG fusionierte 2018 mit dem US-Konzern Praxair. Sitz des Unternehmens ist nun Dublin, trotzdem werden die Aktien noch an der Deutschen Börse gehandelt, was einer Sonderstellung gleichkommt. Weder der Aufsichtsrat noch der Vorstand der Linde AG haben noch eine Entscheidungsbefugnis und existieren nur pro forma. Die Hauptverwaltung des Unternehmens befindet sich in den USA. Daher werden der Aufsichtsrat und der Vorstand der Linde AG in diesem Bericht nicht berücksichtigt, womit das Managerinnen-Barometer für 2019 nur Informationen zu 29 statt 30 DAX-30-Unternehmen enthält. liegen beim Frauenanteil in Vorständen bereits seit vielen Jahren vor den anderen DAX-Gruppen und haben eine gewisse Vorreiterrolle inne. Im Jahr 2019 gab es in diesen Unternehmen mit 14,7 Prozent deutlich mehr Vorständinnen als bei den MDAX- (8,9 Prozent), SDAX- (5,8 Prozent) und TecDAX-Unternehmen (9,2 Prozent, Tabelle 3infoZahlen für weitere Jahre sind hier abrufbar: www.diw.de/managerinnen.). Seit im Oktober 2019 Jennifer Morgan gemeinsam mit Christian Klein den Vorsitz des DAX-30-Unternehmens SAP übernommen hat, gibt es auch erstmals eine Frau als Vorsitzende eines Unternehmens dieser Unternehmensgruppe.infoUnter den MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen gab es bereits in den Jahren zuvor vereinzelt Frauen als Vorsitzende eines Vorstands.

Tabelle 3: Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten der DAX-Unternehmensgruppen¹

DAX-30 MDAX SDAX TecDAX
2008 2011 2014 2017 2018 2019 2011 2014 2017 2018 2019 2011 2014 2017 2018 2019 2014 2017 2018 2019
Vorstände/Geschäftsführungen
Unternehmen insgesamt 30 30 30 30 30 30 50 50 50 60 60 50 50 50 70 70 30 30 30 30
Mit Angaben zur Zusammensetzung2 30 30 30 30 30 29 50 50 50 60 60 50 50 50 70 70 30 30 30 30
Mit Frauen im Vorstand 1 6 12 21 22 22 5 5 8 16 19 6 10 9 13 15 4 5 7 9
Anteil in Prozent 3,3 20,0 40,0 70,0 73,3 75,9 10,0 10,0 16,0 26,7 31,7 12,0 20,0 18,0 18,6 21,4 13,3 16,7 23,3 30,0
Mitglieder insgesamt 183 188 188 200 189 190 213 187 208 253 257 168 162 172 267 259 93 117 139 131
Männer 182 181 174 174 163 162 208 182 199 234 234 160 152 163 254 244 88 111 130 119
Frauen 1 7 14 26 26 28 5 5 9 19 23 8 10 9 13 15 5 6 9 12
Anteil der Frauen in Prozent 0,5 3,7 7,4 13,0 13,8 14,7 2,3 2,7 4,3 7,5 8,9 4,8 6,2 5,2 4,9 5,8 5,4 5,1 6,5 9,2
Vorsitze insgesamt3 30 30 30 30 30 29 50 49 48 58 59 50 48 48 65 69 30 29 29 29
Männer 30 30 30 30 30 28,5 50 49 47 58 57 49 48 46 61 67 30 27 29 28,5
Frauen 0 0 0 0 0 0,5 0 0 1 0 2 1 0 2 4 2 0 2 0 0,5
Anteil der Frauen in Prozent 0 0 0 0 0 1,7 0 0 2,1 0 3,4 2,0 0 4,2 6,2 2,9 0 6,9 0 1,7
Aufsichts-/Verwaltungsräte
Unternehmen insgesamt 30 30 30 30 30 30 50 50 50 60 60 50 50 50 70 70 30 30 30 30
Mit Angaben zur Zusammensetzung 30 30 30 30 30 29 50 50 50 60 60 50 50 50 70 70 30 30 30 30
Mit Frauen im Aufsichtsrat 27 26 28 30 30 29 35 47 47 56 54 21 26 35 54 53 20 25 27 26
Anteil in Prozent 90,0 86,7 93,3 100 100 100 70,0 94,0 94,0 93,3 90,0 42,0 52,0 70,0 77,1 75,7 66,7 83,3 90,0 86,7
Mitglieder insgesamt 527 479 490 490 478 458 581 595 631 650 604 346 366 399 581 636 210 241 259 259
Männer 458 404 369 327 319 296 515 492 461 451 416 309 316 309 425 455 169 187 183 178
Frauen 69 75 121 163 159 162 66 103 170 199 188 37 50 90 156 181 41 54 76 81
Anteil der Frauen in Prozent 13,1 15,7 24,7 33,3 33,3 35,4 11,4 17,3 26,9 30,6 31,1 10,7 13,7 22,6 26,9 28,5 19,5 22,4 29,3 31,3
Vorsitze insgesamt k.A. 30 30 30 30 29 50 49 50 60 60 50 50 50 70 70 29 30 30 30
Männer k.A. 29 29 29 29 28 50 48 49 58 57 50 49 49 64 66 27 28 27 28
Frauen k.A. 1 1 1 1 1 0 1 1 2 3 0 1 1 6 4 2 2 3 2
Anteil der Frauen in Prozent k.A. 3,3 3,3 3,3 3,3 3,4 0 2,0 2,0 3,3 5,0 0 2,0 2,0 8,6 5,7 6,9 6,7 10,0 6,7
Unternehmen mit Angaben zur Arbeitnehmervertretung 24 24 29 27 27 26 35 36 38 38 35 41 19 23 30 33 10 10 14 12
Mitglieder insgesamt 423 395 484 464 455 442 397 480 542 506 441 282 188 242 347 432 111 112 166 148
Männer 367 334 363 310 304 281 358 398 393 341 291 260 154 169 232 282 84 83 110 95
Frauen 56 61 121 154 151 153 39 82 149 165 150 22 34 73 115 150 27 29 56 53
Arbeitnehmervertreterinnen 41 43 66 79 80 83 28 45 78 82 70 19 19 35 57 75 18 13 28 27
Anteil an den Frauen insgesamt in Prozent 73,2 70,5 54,5 51,3 53,0 54,2 71,8 54,9 52,3 49,7 46,7 86,4 55,9 47,9 49,6 50,0 66,7 44,8 50,0 50,9

1 Jeweils am Jahresende. Die Zahlen für das Jahr 2019 wurden im Oktober und November 2019 recherchiert.

2 Das DAX-30-Unternehmen Linde AG fusionierte 2018 mit dem US-Konzern Praxair. Weder der Aufsichtsrat noch der Vorstand der Linde AG haben eine Entscheidungsbefugnis und existieren nur noch pro forma. Die Hauptverwaltung des Unternehmens befindet sich in den USA. Daher werden der Aufsichtsrat und der Vorstand der Linde AG in diesem Bericht nicht berücksichtigt, womit das Managerinnen-Barometer für 2019 nur Informationen zu 29 statt 30 DAX-30-Unternehmen enthält.

3 Bei Doppelspitzen wird beiden Personen jeweils ein halber Vorsitz zugerechnet. Dies ist in den dargestellten Unternehmensgruppen erstmals relevant, da der Softwarekonzern SAP im vergangenen Jahr sowohl Jennifer Morgan als auch Christian Klein an die Spitze seines Vorstands berufen hat.

Quelle: Eigene Erhebungen und Berechnungen.

Interessant ist zudem die relativ dynamische Entwicklung in den Vorständen der Unternehmen, die der verbindlichen Geschlechterquote für Aufsichtsräte unterliegen.infoDie verbindliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte galt im Jahr 2019 für 105 Unternehmen. Sie wurde im Jahr 2015 verabschiedet. Siehe dazu auch in dieser Ausgabe des DIW Wochenberichts Katharina Wrohlich und Anja Kirsch (2020): Mehr Frauen in Aufsichtsräten: Hinweise für Strahlkraft der Geschlechterquote auf Vorstände verdichten sich. DIW Wochenbericht Nr. 4, 50–55 (online verfügbar). In dieser gut 100 Unternehmen umfassenden Gruppe ist der Anteil der Frauen im Vorstand stärker gestiegen (von 8,5 Prozent im Jahr 2018 auf 10,3 Prozent im Jahr 2019, Tabelle 2) als im Durchschnitt aller DAX-Unternehmen (von 8,2 auf 9,3 Prozent).

Dynamik in Aufsichtsräten hat sich abgeschwächt

Die Entwicklung des Frauenanteils in Aufsichtsräten war in den vergangenen Jahren deutlich dynamischer als in den Vorständen. Zuletzt war das aber nicht mehr der Fall: Zwar nimmt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen nach wie vor zu, aber nicht mehr so stark wie in den Jahren zuvor. In den DAX-Unternehmen betrug der Frauenanteil in den Aufsichtsräten Ende 2019 31,3 Prozent – gut ein Prozentpunkt mehr als im Jahr davor (Tabelle 2).

Die DAX-Gruppe mit den traditionell höchsten Frauenanteilen in den Aufsichtsräten sind die DAX-30-Unternehmen. Diese Gruppe konnte – gemeinsam mit den TecDAX-Unternehmen – im Jahr 2019 den größten Zuwachs verzeichnen: In der DAX-30-Gruppe stieg der Frauenanteil in den Aufsichtsräten von 33,3 Prozent im Jahr 2018 auf 35,4 Prozent im Jahr 2019 (Tabelle 3). Bei den TecDAX-Unternehmen betrug der Zuwachs ebenfalls rund zwei Prozentpunkte auf nun 31,3 Prozent. Etwas weniger dynamisch war die Entwicklung bei den MDAX- und SDAX-Unternehmen, hier erhöhte sich der Frauenanteil um 0,5 Prozentpunkte auf 31,1 Prozent (MDAX) beziehungsweise um 1,6 Prozentpunkte auf 28,5 Prozent (SDAX).

Stark zugelegt hat erneut die Gruppe der Unternehmen, die der verbindlichen Geschlechterquote von 30 Prozent für den Aufsichtsrat unterliegen. In diesen Unternehmen ist der Frauenanteil im Vergleich zum Vorjahr um gut zwei Prozentpunkte gestiegen und liegt jetzt bei knapp 35 Prozent – also deutlich über dem Durchschnitt aller DAX-Unternehmen, die auf einen Frauenanteil im Aufsichtsrat von rund 31 Prozent kommen.

Während in der DAX-30-Gruppe und in der Gruppe der an die Geschlechterquote gebundenen Unternehmen seit 2016 in allen Unternehmen mindestens eine Frau im Aufsichtsrat vertreten ist, ist der Anteil der Unternehmen ohne eine einzige Frau im Aufsichtsrat unter den MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen im Vergleich zu 2018 gestiegen (Tabelle 3). 2019 hatten zehn Prozent der MDAX-, 24,3 Prozent der SDAX- und 13,3 Prozent der TecDAX-Unternehmen keine einzige Frau im Aufsichtsrat.

Die Anzahl der einem Aufsichtsrat von DAX-Unternehmen vorsitzenden Frauen ist seit 2018 nahezu unverändert geblieben. In allen DAX-Gruppen zusammengenommen ist die Zahl von neun im Jahr 2018 auf acht im Jahr 2019 gesunken (Tabelle 2).infoDAX-30: Dr. Simone Bagel-Trah (Henkel AG & Co. KGaA); MDAX: Marija Korsch (Aareal Bank), Laura Abasolo García de Baquedano (Telefónica Deutschland Holding AG) (TecDAX), Cristina Stenbeck (Zalando SE); SDAX: Bärbel Schomberg (HAMBORNER REIT), Ayla Busch (Pfeiffer Vacuum) (TecDAX), Susanne Klatten (SGL Carbon), Heather Sonn (Steinhoff).

Beteiligungsunternehmen des Bundes: Frauenanteil in Vorständen steigt wieder

Beteiligungsunternehmen des Bundes sind aufgrund ihrer teilweise geringen Größe nur begrenzt vergleichbar mit den anderen untersuchten Unternehmensgruppen. Zudem sind im Unterschied zur Privatwirtschaft Aufsichtsratssitze in öffentlichen Unternehmen oftmals an eine Führungsposition in der öffentlichen Verwaltung oder an politische Mandate gekoppelt. Durch diese funktionsgebundene Gremienbesetzung wird der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der öffentlichen Unternehmen vom Frauenanteil in den höheren Ebenen der öffentlichen Verwaltung und von politischen Ämtern beeinflusst.

In den Vorständen der Unternehmen mit Bundesbeteiligung konnte im vergangenen Jahr ein Anstieg des Frauenanteils um 4,4 Prozentpunkte auf 22 Prozent verzeichnet werden (Tabelle 4infoZahlen für weitere Jahre und die Namen der Frauen, die dem Vorstand eines Unternehmens mit Bundesbeteiligung vorsitzen, sind hier abrufbar: www.diw.de/managerinnen.). Die Zahl der Frauen, die einen Vorstandsvorsitz innehaben, stieg von sieben auf acht, was einem Anteil von gut 16 Prozent entspricht.

Tabelle 4: Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten der Beteiligungsunternehmen¹ des Bundes

2010 2012 2014 2016 2017 2018 2019
Vorstände/Geschäftsführungen
Unternehmen insgesamt 61 60 60 59 61 60 62
Mit Angaben zur Zusammensetzung 60 60 60 59 60 60 62
Mit Frauen im Vorstand 9 12 17 20 22 20 28
Anteil in Prozent 15,0 20,0 28,3 33,9 36,7 33,3 45,2
Mitglieder insgesamt 152 143 135 142 140 142 150
Männer 142 127 115 120 115 117 117
Frauen 10 16 20 22 25 25 33
Anteil der Frauen in Prozent 6,6 11,2 14,8 15,5 17,9 17,62 22,0
Vorsitze insgesamt 54 57 52 42 41 47 49
Männer 51 51 47 35 36 40 41
Frauen 3 6 5 7 5 7 8
Anteil der Frauen in Prozent 5,6 10,5 9,6 16,7 12,2 14,9 16,3
Aufsichts-/Verwaltungsräte
Unternehmen insgesamt 61 60 60 59 61 60 62
Mit Angaben zur Zusammensetzung 54 54 54 50 51 55 56
Mit Frauen im Aufsichtsrat 46 43 50 48 50 55 56
Anteil in Prozent 85,2 79,6 92,6 81,4 98,0 100 100
Mitglieder insgesamt 577 579 602 554 530 580 601
Männer 472 464 459 393 368 387 393
Frauen 105 115 142 161 162 193 208
Anteil der Frauen in Prozent 18,2 19,9 23,6 29,1 30,6 33,3 34,6
Vorsitze insgesamt 53 53 49 50 51 56 54
Männer 45 42 40 44 41 46 43
Frauen 8 11 9 6 10 10 11
Anteil der Frauen in Prozent 15,1 20,8 18,4 12,0 19,6 17,9 20,4

1 Jeweils am Jahresende. Die Zahlen für das Jahr 2019 wurden im Oktober und November 2019 recherchiert.

2 Dieser Wert wurde gegenüber dem DIW Managerinnen-Barometer 2019 (DIW Wochenbericht 3/2019) korrigiert.

Quelle: Eigene Erhebungen und Berechnungen.

In den Aufsichtsräten setzte sich die positive Entwicklung fort. Wie schon im Jahr zuvor haben alle Beteiligungsunternehmen des Bundes mit Angaben zur Zusammensetzung des Aufsichtsrats mindestens eine Frau in ihrem Kontrollgremium. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten lag Ende 2019 bei 34,6 Prozent und damit in etwa gleichauf mit dem entsprechenden Vergleichswert der DAX-30-Gruppe. Traditionell haben die Beteiligungsunternehmen des Bundes im Vergleich mit anderen Unternehmensgruppen am häufigsten eine Aufsichtsratsvorsitzende: In gut 20 Prozent der Unternehmen dieser Gruppe war dies im Jahr 2019 der Fall.

Banken und Versicherungen

Zuwächse beim Frauenanteil in Vorständen, leichter Rückgang in Aufsichtsräten

Nachdem es in den 100 größten Banken Deutschlands in den Jahren 2015 bis 2018 beim Frauenanteil in Vorständen nur sehr moderate Zuwächse gab oder sogar zu einer Stagnation kam, ging es zuletzt wieder stärker bergauf: Der Frauenanteil in den Vorständen stieg von 8,7 Prozent im Jahr 2018 auf 9,8 Prozent im Jahr 2019 (Tabelle 5infoZahlen für weitere Jahre und zusätzlich eine namentliche Auflistung aller Vorständinnen in Banken und Versicherungen im Jahr 2019 sind hier abrufbar: www.diw.de/managerinnen.). Auch bei den Versicherungen erhöhte sich der Frauenanteil in Vorständen und war Ende 2019 mit elf Prozent – das entspricht einem Plus von 1,4 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr zuvor – erstmals zweistellig. Die Anzahl der Frauen als Vorstandsvorsitzende hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert (fünf bei den Banken, zwei bei den Versicherungen).

Tabelle 5: Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten großer Banken und Versicherungen in Deutschland¹

Banken Versicherungen
2006 2009 2012 2015 2017 2018 2019 2006 2009 2012 2015 2017 2018 2019
Vorstände/Geschäftsführungen
Unternehmen insgesamt 100 100 100 100 100 100 100 63 62 61 59 60 60 60
Mit Angaben zur Zusammensetzung 100 100 100 100 100 100 100 63 62 61 59 60 59 59
mit Frauen im Vorstand 10 9 17 28 32 29 32 10 11 21 27 26 26 26
Anteil in Prozent 10,0 9,0 17,0 28,0 32,0 29,0 32,0 15,9 17,7 34,4 45,8 43,3 44,1 44,1
Mitglieder insgesamt 442 418 407 394 406 404 410 394 392 384 353 341 342 327
Männer 431 407 390 364 370 369 370 384 381 362 321 312 309 291
Frauen 11 11 17 30 36 35 40 10 11 22 32 29 33 36
Anteil der Frauen in Prozent 2,5 2,6 4,2 7,6 8,9 8,7 9,8 2,5 2,8 5,7 9,1 8,5 9,6 11,0
Vorsitze insgesamt 100 100 100 98 98 97 98 63 62 61 59 60 60 59
Männer 98 100 97 95 93 92 93 63 62 60 58 59 58 57
Frauen 2 0 3 3 5 5 5 0 0 1 1 1 2 2
Anteil der Frauen in Prozent 2,0 0 3,0 3,1 5,1 5,2 5,1 0 0 1,6 1,7 1,7 3,3 3,4
Aufsichts-/Verwaltungsräte
Unternehmen insgesamt 100 100 100 100 100 100 100 63 62 61 59 60 60 60
Mit Angaben zur Zusammensetzung 100 100 100 98 99 99 99 63 62 61 59 59 59 58
Mit Frauen im Aufsichtsrat 89 87 88 93 95 96 95 46 48 50 50 50 50 52
Anteil in Prozent 89,0 87,0 88,0 94,9 96,0 97,0 96,0 73,0 77,4 82,0 84,7 84,7 84,7 89,7
Mitglieder insgesamt 1633 1555 1491 1518 1532 1531 1564 812 734 704 640 580 592 581
Männer 1387 1294 1226 1194 1186 1176 1208 720 643 596 518 454 459 452
Frauen 246 261 265 324 346 355 356 92 91 108 122 126 133 129
Anteil der Frauen in Prozent 15,1 16,8 17,8 21,3 22,6 23,2 22,8 11,3 12,4 15,3 19,1 21,7 22,5 22,2
Vorsitze insgesamt 100 100 100 98 99 98 99 63 62 61 59 59 60 58
Männer 97 96 97 92 93 93 95 63 61 60 57 56 59 57
Frauen 3 4 3 6 6 5 4 0 1 1 2 3 1 1
Anteil der Frauen in Prozent 3,0 4,0 3,0 6,1 6,1 5,1 4,0 0 1,6 1,6 3,4 5,1 1,7 1,7
Unternehmen mit Angaben zur Arbeitnehmervertretung 33 50 56 81 84 89 88 24 52 39 48 51 54 51
Mitglieder insgesamt 599 764 786 1255 1312 1363 1378 291 634 411 573 545 574 535
Männer 496 637 649 968 1004 1037 1057 256 555 358 461 424 443 412
Frauen 103 127 137 288 308 326 321 35 79 53 112 121 131 123
Arbeitnehmervertreterinnen 85 91 87 157 162 164 158 32 63 43 71 73 75 63
Anteil an den Frauen insgesamt in Prozent 82,5 71,7 63,5 54,5 52,6 50,3 49,2 91,4 79,7 81,1 63,4 60,3 57,3 51,2

1 Jeweils am Jahresende. Die Zahlen für das Jahr 2019 wurden im Oktober und November 2019 recherchiert.

Quelle: Eigene Erhebungen und Berechnungen.

Die Frauenanteile in den Aufsichtsräten großer Unternehmen des Finanzsektors sind traditionell – wie auch in anderen Wirtschaftssektoren – höher und auch in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr stärker gestiegen als die Frauenanteile in den Vorständen. Zuletzt hat sich dies jedoch umgekehrt: Während die Frauenanteile in den Vorständen der größten Banken und Versicherungen im Vergleich zu 2018 zugelegt haben, gab es beim Frauenanteil in den Aufsichtsräten dieser Unternehmen zuletzt eine Stagnation zu verzeichnen. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 100 größten deutschen Banken blieb in Höhe von rund 23 Prozent in etwa konstant. Eine Stagnation ist auch bei den Versicherungen zu beobachten: Hier verblieb der Frauenanteil in Aufsichtsräten bei knapp über 22 Prozent. Die Anzahl der einem Aufsichtsrat vorsitzenden Frauen ist von 2018 auf 2019 zurückgegangen (vier Frauen bei den 100 größten Banken und eine Frau bei den 60 größten Versicherungen).infoBanken: Edith Sitzmann (Landeskreditbank Baden-Württemberg Förderbank / L-Bank), Mónica López-Monís Gallego (Santander Consumer Bank AG), Marija Korsch (Aareal Bank AG), Ramona Pop (IBB Investitionsbank Berlin); Versicherungen: Isabella Pfaller (Bayerische Beamtenkrankenkasse AG).

Zuwächse beim Frauenanteil in Vorständen nur bei öffentlich-rechtlichen und privaten Banken

Vergleicht man die einzelnen Bankengruppen untereinander, so zeigt sich, dass die öffentlich-rechtlichen Banken ihren Frauenanteil in Vorständen am stärksten steigern konnten (Tabelle 6infoZahlen für weitere Jahre sind hier abrufbar: www.diw.de/managerinnen.): Von 7,2 Prozent im Jahr 2018 ging es um über zwei Prozentpunkte auf 9,3 Prozent nach oben. Anteilig die meisten Vorständinnen haben mit fast elf Prozent allerdings die Privatbanken – ein Anstieg um gut einen Prozentpunkt. Bei den Genossenschaftsbanken hingegen ging es in die andere Richtung: Nach einem Frauenanteil von 10,7 Prozent im Jahr 2018 lag dieser im Folgejahr nur noch bei 9,1 Prozent.

Tabelle 6: Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten großer Banken in Deutschland¹ nach Säulen des Finanzsektors

Öffentlich-rechtliche Banken Private Banken2 Genossenschaftsbanken
2011 2014 2017 2018 2019 2011 2014 2017 2018 2019 2011 2014 2017 2018 2019
Vorstände/Geschäftsführungen
Unternehmen insgesamt 53 52 53 55 54 34 32 30 28 27 13 16 17 17 19
Mit Angaben zur Zusammensetzung 53 52 53 55 54 34 32 30 28 27 13 16 17 17 19
mit Frauen im Vorstand 4 10 14 13 16 5 9 12 9 10 3 4 6 7 6
Anteil in Prozent 7,5 19,2 26,4 23,6 29,6 14,7 28,1 40,0 32,1 37,0 23,1 25,0 35,3 41,2 31,6
Mitglieder insgesamt 197 190 204 207 204 151 132 132 122 129 56 65 70 75 77
Männer 192 177 188 192 185 146 123 118 110 115 53 61 64 67 70
Frauen 5 13 16 15 19 5 9 14 12 14 3 4 6 8 7
Anteil der Frauen in Prozent 2,5 6,8 7,8 7,2 9,3 3,3 6,8 10,6 9,8 10,9 5,4 6,2 8,6 10,7 9,1
Vorsitze insgesamt 53 50 53 54 53 34 28 28 27 26 13 15 17 16 19
Männer 53 49 50 51 50 33 28 27 26 25 13 14 16 15 18
Frauen 0 1 3 3 3 1 0 1 1 1 0 1 1 1 1
Anteil der Frauen in Prozent 0 2,0 5,7 5,6 5,7 2,9 0 3,6 3,7 3,8 0 6,7 5,9 6,3 5,3
Aufsichts-/Verwaltungsräte
Unternehmen insgesamt 53 52 53 55 54 34 32 30 28 27 13 16 17 17 19
Mit Angaben zur Zusammensetzung 53 51 53 55 54 34 30 30 27 26 13 16 17 17 19
mit Frauen im Aufsichtsrat 50 50 52 55 53 26 24 26 25 24 12 15 17 17 18
Anteil in Prozent 94,3 98,0 98,1 100 98,1 76,5 80,0 86,7 92,6 92,3 92,3 93,8 100 100 95,0
Mitglieder insgesamt 999 906 940 970 957 349 323 309 300 308 219 275 283 261 299
Männer 831 735 733 754 754 291 264 227 217 224 185 235 226 204 230
Frauen 168 171 207 216 203 58 59 82 83 84 34 40 57 57 69
Anteil der Frauen in Prozent 16,8 18,9 22,0 22,3 21,2 16,6 18,3 26,5 27,7 27,3 15,5 14,5 20,1 21,8 23,1
Vorsitze insgesamt 53 51 53 54 54 34 30 29 27 26 13 16 17 17 19
Männer 51 47 50 51 52 34 29 28 25 24 13 16 15 17 19
Frauen 2 4 3 3 2 0 1 1 2 2 0 0 2 0 0
Anteil der Frauen in Prozent 3,8 7,8 5,7 5,6 3,7 0 3,3 3,4 7,4 7,7 0 0 11,8 0 0

1 Jeweils am Jahresende. Die Zahlen für das Jahr 2019 wurden im Oktober und November 2019 recherchiert.

2 Zwei der Privatbanken sind freie Sparkassen.

Quelle: Eigene Erhebungen und Berechnungen.

In den Aufsichtsräten ist das Bild hingegen umgekehrt. In diesen Gremien sank der Frauenanteil zuletzt sowohl bei den öffentlich-rechtlichen Banken (von 22,3 auf 21,2 Prozent) als auch – wenn auch nur wenig – bei den Privatbanken (von 27,7 auf 27,3 Prozent). Bei den Genossenschaftsbanken stieg der Frauenanteil im Aufsichtsrat hingegen von 21,8 Prozent im Jahr 2018 auf 23,1 Prozent im Jahr 2019.

Top-100-Banken und Top-100-Unternehmen im Vergleich: besonders schleppende Entwicklung im Finanzsektor

Der Vergleich des Frauenanteils in den Vorständen und Aufsichtsräten der 100 größten Banken und der 100 größten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors macht deutlich, wie wenig dynamisch die Entwicklung des Frauenanteils im Finanzsektor verläuft (Abbildung 2). Zu Beginn des Beobachtungszeitraums im Jahr 2006 war der Frauenanteil in allen Vorständen verschwindend gering, bei den 100 größten Banken mit 2,5 Prozent aber immerhin höher als in den Top-100-Unternehmen (0,2 Prozent). Bis 2012 verlief die Entwicklung in beiden Unternehmensgruppen in etwa parallel. In den Jahren danach ging es mit Blick auf den Frauenanteil in Vorständen in den Banken etwas dynamischer bergauf als in den übrigen Sektoren. Seit 2014 ist jedoch der Frauenanteil in den Vorständen der Top-100-Unternehmen fast jedes Jahr um mindestens einen Prozentpunkt gestiegen, während die Zunahme bei den 100 größten Banken deutlich geringer ausfiel. 2019 lag daher der Frauenanteil in den Vorständen der Top-100-Unternehmen mit 11,6 Prozent bereits das zweite Jahr in Folge über dem der Top-100-Banken (9,8 Prozent).

Noch stärker ausgeprägt zeigt sich dieses Muster für die Aufsichtsräte. Hier lagen die 100 größten Banken im Jahr 2006 mit einem Frauenanteil von etwa 15 Prozent deutlich vor den 100 größten Unternehmen (knapp neun Prozent). Seit 2010 stieg der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 100 größten Unternehmen jedoch kontinuierlich und erreichte 2019 einen Wert von über 29 Prozent. Die Entwicklung des Frauenanteils in den Kontrollgremien der 100 größten Banken verlief über den gesamten Zeitraum (mit Ausnahme der Jahre 2013 bis 2015) deutlich weniger dynamisch; zuletzt ist der Frauenanteil sogar wieder leicht gesunken. Im Jahr 2019 betrug der Wert knapp 23 Prozent und war damit um fast sieben Prozentpunkte geringer als der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 100 umsatzstärksten Unternehmen der anderen Wirtschaftssektoren.

Ein weiterer Vergleich unterstreicht, wie abgehängt der Finanzsektor mittlerweile ist: Banken und Versicherungen, die mindestens 30 Prozent Frauen in ihrem Kontrollgremium haben, gibt es deutlich seltener als entsprechende Unternehmen in anderen Gruppen. Nur bei knapp 32 Prozent der Finanzinstitute – also weniger als jedem dritten – ist das der Fall (Tabelle 7). Demgegenüber haben mittlerweile knapp 88 Prozent der Unternehmen, für die die verbindliche Geschlechterquote im Aufsichtsrat gilt, einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent in ihrem Kontrollgremium. Bei den DAX-30-Unternehmen sind es sogar gut 93 Prozent. Und selbst bei den SDAX-Unternehmen, die in dieser Hinsicht nach dem Finanzsektor am schlechtesten abschneiden, hat immerhin fast jedes zweite mindestens 30 Prozent Aufsichtsrätinnen in seinen Reihen. Während sich dieser Anteil unter den Top-200-Unternehmen, den Beteiligungsunternehmen des Bundes, den an die Geschlechterquote im Aufsichtsrat gebundenen Unternehmen und den DAX-30-Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren mitunter deutlich erhöht hat, blieb er im Finanzsektor weitgehend konstant (Abbildung 3).

Tabelle 7: Unternehmensgruppen nach Frauenanteil im Aufsichtsrat

In Prozent

Unternehmensgruppe 2019 2019 Veränderung zu 2018 (Prozentpunkte)
0 Prozent 1 bis 9 Prozent 10 bis 19 Prozent 20 bis 29 Prozent 30 bis 39 Prozent 40 bis 49 Prozent 50 und mehr Prozent 30 und mehr Prozent
Unternehmen mit verbindlicher Quote 0 0 0 12,4 63,8 20,0 3,8 87,6 10,7
Top-200 8,5 3,7 15,9 20,1 37,8 11,6 2,4 51,8 3,8
DAX-30 0 0 0 6,9 72,4 13,8 6,9 93,1 9,8
MDAX 10,0 1,7 11,7 15,0 46,7 13,3 1,7 61,7 0
SDAX 24,3 0 20,0 7,1 30,0 12,9 5,7 48,6 5,7
TecDAX 13,3 0 23,3 10,0 33,3 13,3 6,7 53,3 6,6
Bundesbeteiligungen 0 0 9,1 20,0 25,5 20,0 25,5 70,9 7,3
Finanzsektor 6,4 5,7 29,9 26,1 21,0 5,1 5,7 31,8 2,1
Banken 4,0 5,1 29,3 32,3 19,2 6,1 4,0 29,3 0
Versicherungen 10,3 6,9 31,0 15,5 24,1 5,2 6,9 36,2 5,7

Quelle: Eigene Erhebungen und Berechnungen.

Die Tatsache, dass Frauen in Führungspositionen des Finanzsektors besonders stark unterrepräsentiert sind – obwohl Frauen die Mehrzahl der Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig ausmachen – wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach dokumentiert.infoVgl. dazu Elke Holst und Martin Friedrich (2016): Hohe Führungspositionen: In der Finanzbranche haben Frauen im Vergleich zu Männern besonders geringe Chancen. DIW Wochenbericht Nr. 37, 827–837 (online verfügbar). Aktuell hat auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Auswertung des IAB-Betriebspanels den Gender Leadership Gap in verschiedenen Branchen untersucht. Dafür wird der Anteil der Frauen in Führungspositionen in einem Betrieb durch ihren Anteil an allen Beschäftigten in diesem Betrieb geteilt. Die Forscherinnen errechneten den Gender Leadership Gap sowohl für die erste als auch für die zweite Führungsebene in privatwirtschaftlichen Betrieben und kamen zum Ergebnis, dass die Lücke im Sektor „Finanz- und Versicherungsleistungen“ im Vergleich mit allen Branchen am höchsten ist.infoSiehe Kohaut und Müller (2019), a.a.O.

Einer der Gründe für die geringe Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen von Banken und Versicherungen dürften stereotype Zuschreibungen und die männerdominierte Führungskultur speziell im Finanzsektor sein.infoVgl. dazu beispielsweise Astrid Jäkel, Carolin Kütz und Emily Niemann (2016): Female Leadership in Germany and Switzerland. In: Oliver Wyman (2016): Women in Financial Services, 54ff. Empirische Studien für die USA und Deutschland haben mehrfach gezeigt, dass im Finanzsektor – stärker noch als in anderen Wirtschaftssektoren – Personen, die extrem lange und unflexible Arbeitszeiten in Kauf nehmen, überproportional belohnt werden.infoVgl. dazu für die USA Marianne Bertrand, Claudia Goldin und Lawrence Katz (2010): Dynamics of the Gender Gap for Young Professionals in the Financial and Corporate Sectors. American Economic Journal: Applied Economics 2, July, 228–255; sowie Claudia Goldin and Lawrence Katz (2012): The Most Egalitarian of All Professions: Pharmacy and the Evolution of a Family-Friendly Occupation. NBER Working Paper 18410. Für Deutschland wird dieser Zusammenhang gezeigt in Aline Zucco (2019): Occupational Characteristics and the Gender Pay Gap. DIW Discussion Paper 1794 (online verfügbar); sowie in Aline Zucco (2019): Große Gender Pay Gaps in einzelnen Berufen hängen stark mit der überproportionalen Entlohnung von langen Arbeitszeiten zusammen. DIW Wochenbericht Nr. 10, 127–136 (online verfügbar).

Europäischer Vergleich: Deutschland auf Platz acht

Das Thema Gleichstellung von Frauen und Männern in hohen Führungspositionen ist in vielen europäischen Ländern ein Thema von großer politischer Relevanz. Seit Norwegen im Jahr 2003 als erstes Land eine gesetzliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte staatlicher und börsennotierter Unternehmen eingeführt hat, sind neun weitere Länder, darunter Deutschland im Jahr 2015, diesem Beispiel gefolgt. Viele weitere Länder haben Empfehlungen zu Gender Diversity in den nationalen Corporate-Governance-Kodizes festgeschrieben.infoEine ausführliche Beschreibung der institutionellen Regelungen in den europäischen Ländern sowie eine Analyse zu den Auswirkungen gesetzlicher Geschlechterquoten und Empfehlungen in den Corporate-Governance-Kodizes findet sich in Paula Arndt und Katharina Wrohlich (2019): Geschlechterquoten im europäischen Vergleich: Harte Sanktionen bei Nichteinhaltung sind am wirkungsvollsten. DIW Wochenbericht Nr. 38, 691–698 (online verfügbar).

Im Durchschnitt aller EU-Länder lag der Frauenanteil in den höchsten Entscheidungsgremien der größten börsennotierten Unternehmen im Sommer 2019 bei 28 Prozent und damit zwei Prozentpunkte höher als im Jahr zuvor (Abbildung 4).infoDiese Zahlen basieren auf der Datenbasis des European Institute for Gender Equality: Largest listed companies: presidents, board members and employee representatives. Zu beachten ist, dass die Zahl der Unternehmen in diesem Ranking von Land zu Land variiert. Sie reicht von zehn in Luxemburg bis zu 50 im Vereinigten Königreich. Für Deutschland gehen die DAX-30-Unternehmen in den Vergleich ein. Das europäische Ranking ähnelt auf den oberen Plätzen sehr dem des vorangegangenen Jahres: Deutschland liegt zwar – wie im Vorjahr – mit 33 Prozent über dem EU-Durchschnitt, aber nach wie vor sehr deutlich hinter den Spitzenreitern Island (46 Prozent), Frankreich (44 Prozent) und Norwegen (41 Prozent). Auch Schweden und Italien (beide 37 Prozent) sowie Finnland und erstmals Belgien (beide 34 Prozent) liegen bei den Frauenanteilen in den höchsten Entscheidungs- beziehungsweise Kontrollgremien vor Deutschland. Die Niederlande haben mit 33 Prozent einen gleich hohen Anteil wie Deutschland, das Vereinigte Königreich (32 Prozent) und Dänemark (30 Prozent) verzeichnen etwas niedrigere Werte. Schlusslichter waren wie schon in den Jahren zuvor Estland und Malta (beide neun Prozent), Griechenland (zehn Prozent) und Zypern (elf Prozent). Auch Rumänien liegt wie in den Vorjahren innerhalb der sechs untersten Plätze des Rankings, hat sich aber im Vergleich zum Jahr zuvor um fünf Prozentpunkte auf 13 Prozent verbessert.

Fazit: Geschlechterparität trotz Fortschritten noch in weiter Ferne

Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der rund 500 im Managerinnen-Barometer des DIW Berlin untersuchten Unternehmen ist seit 2018 gestiegen, der Zuwachs fiel jedoch – anders als in den Vorständen – vielerorts geringer aus als in den Jahren zuvor. Nennenswerte Zuwächse gab es vor allem bei den Unternehmen, die der gesetzlichen Geschlechterquote für Aufsichtsräte unterliegen. In diesen Unternehmen stieg der Frauenanteil im Kontrollgremium zuletzt auf knapp 35 Prozent. Hingegen stagnierte der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der größten Unternehmen im Finanzsektor.

Deutlich mehr Dynamik gab es bei der Entwicklung des Frauenanteils in den Vorständen der hier untersuchten Unternehmen. In den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands wurde im vergangenen Jahr beim Frauenanteil erstmals die Zehn-Prozent-Marke geknackt. Auch in den größten Unternehmen des Finanzsektors ist diese Marke 2019 erreicht worden. Bei den DAX-30-Unternehmen beträgt der Frauenanteil in den Vorständen mittlerweile knapp 15 Prozent, bei den Unternehmen mit Bundesbeteiligung sogar 22 Prozent.

Die Tatsache, dass die Frauenanteile in den Vorständen großer Unternehmen in Deutschland zuletzt stärker gestiegen sind, sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Geschlechterparität auf dieser Ebene nach wie vor in weiter Ferne ist. Ein Grund für die zu beobachtende Dynamik bei der Entwicklung des Frauenanteils in Vorständen könnte sein, dass das Thema Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen von Wirtschaft und Politik im letzten Jahr sehr stark an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Viele einflussreiche Positionen wurden 2019 mit Frauen besetzt, beispielsweise die Präsidentschaft der EU-Kommission durch Ursula von der Leyen oder die Präsidentschaft der Europäischen Zentralbank durch Christine Lagarde. Eine breite Medienberichterstattung zu den möglichen Auswirkungen auf die Gleichstellung der Geschlechter begleitete diese Personalia.infoVgl. dazu beispielsweise Hans-Jürgen Jakobs (2019): Das Jahr der Frauen. Handelsblatt Morning Briefing vom 19. Dezember 2019 (online verfügbar); oder Marc Beise (2020): Die wichtigsten Personen der Wirtschaft 2020. Videokolumne der Süddeutschen Zeitung vom 8. Januar 2020 (online verfügbar). Auch die Tatsache, dass mit Jennifer Morgan ein DAX-30-Konzern erstmals eine Frau an seine Vorstandsspitze berief, wurde in den Medien als Zeichen für Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen und Männern auf dieser Ebene bewertet.infoVgl. beispielsweise Christine Haas und Anne Kunz (2019): Diese Frau schreibt deutsche Konzern-Geschichte. Die Welt vom 13. Oktober 2019 (online verfügbar); oder Kai Lange (2019): Jennifer Morgan ist erste DAX-Chefin – „Angst gehört für mich nicht in die Unternehmenswelt“. Manager Magazin vom 11. Oktober 2019 (online verfügbar). Zugleich hat die öffentliche Diskussion und die Medienberichterstattung zur „Zielgröße Null“, die sich viele Unternehmen bezüglich des Frauenanteils im Vorstand gesetzt haben, einige Unternehmen unter Druck gesetzt, sich ehrgeizigere Ziele zu setzen.infoEin Beispiel dafür ist das Online-Handelsunternehmen Zalando, das für seine „Zielgröße Null“ für den Vorstand stark kritisiert wurde und im Oktober 2019 eine Selbstverpflichtung für eine Geschlechterquote für das Management von 40 Prozent veröffentlicht hat. Vgl. beispielsweise Der Spiegel (2019): Zalando verspricht 40 Prozent Frauen im Management. Bericht vom 15. Oktober 2019 (online verfügbar). Ob der im vergangenen Jahr dynamischere Anstieg des Frauenanteils in den Vorständen der untersuchten Unternehmen eine Trendwende einläutet, bleibt jedoch abzuwarten.

Katharina Wrohlich

Leiterin in der Forschungsgruppe Gender Economics



JEL-Classification: D22;J16;J59;J78;L21;L32;M14;M51
Keywords: corporate boards, board composition, boards of directors, board diversity, Europe, women directors, gender equality, gender quota, Germany, management, private companies, public companies, supervisory boards, executive boards, CEOs, women, finance industry, financial sector, private and public banks, insurance companies
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2020-4-2
Umfangreichere Tabellen zum Bericht:
https://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.703399.de/wb%204_wrohlich%20kirsch_managerinnen-barometer_frauenanteile_abbtab_online.pdf