LGBTIQ*: Lebenslagen, Diskriminierung und Gesundheit

Wie geht es Menschen, die zur Gruppe der LGBTIQ* gehören – also Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und insgesamt queere Personen? Welche Chancen haben sie auf dem Arbeitsmarkt, wie sieht es um ihre Lebenszufriedenheit und wie um ihre psychische und physische Gesundheit? In mehreren Forschungsprojekten haben sich DIW-Forscher*innen mit diesen Fragen beschäftigt. Wir zeichnen die wichtigsten Erkenntnisse nach.

Wie sind die Lebenslagen und Diskriminierungserfahrungen queerer Menschen? Dazu forschte das DIW Berlin.
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Lebenssituation homosexueller und bisexueller Menschen betrachtet

Mit der Ehe für alle, die am 30. Juni 2017 im Bundestag beschlossen wurde und am 1. Oktober des gleichen Jahres in Kraft trat, war es homosexuellen Paaren endlich möglich, standesamtlich zu heiraten und gemeinsam Kinder zu adoptieren. Wie es ihnen aber geht, war bisher wenig erforscht. Das wollten Forscher*innen des DIW Berlins ändern. Im Wochenbericht 35/2017 (PDF, 0.73 MB) vom 31. August 2017 analysierten DIW-Forscher*innen Daten des sozio-oekonomischen Panels (SOEP), um Besonderheiten in den Lebenslagen homosexueller und bisexueller Menschen, beispielsweise in Bezug auf die Berufstätigkeit, soziale Unterstützungsnetzwerke und Zufriedenheit feststellen zu können. Im SOEP, einer repräsentativen Langzeitstudie, in der Menschen regelmäßig befragt werden, wird auch die sexuelle Orientierung der Menschen erfragt. Die Ergebnisse waren deutlichinfo:

  • Homosexuelle und bisexuelle Menschen leben seltener in einer Partnerschaft und nutzen mehr Netzwerke außerhalb der Familie zur Unterstützung als heterosexuelle Menschen.
  • Schwule, Lesben und Bisexuelle haben eine etwas höhere Schulbildung, arbeiten weniger als Arbeiter*innen oder Beamte, sind dafür eher angestellt als Heterosexuelle.
  • Es gibt einen Sexuality Pay Gap. Das bedeutet: Neben dem Gender Pay Gap, der besagt, dass Männer im Durchschnitt besser bezahlt werden als Frauen, zeigt sich auch, dass heterosexuelle Männer besser bezahlt werden als heterosexuelle Frauen, homosexuelle Frauen und homosexuelle Männer.
  • Auch bei der Lebenszufriedenheit gibt es Unterschiede: Homosexuelle und bisexuelle Menschen sind etwas weniger zufrieden sind als Heterosexuelle. Auch wurde doppelt so häufig eine depressive Erkrankung diagnostiziert.

Eine wichtige Forderung leiteten die Forscher*innen ab: „Aus sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive wäre es wünschenswert, die Sozialberichterstattung in Deutschland um die Dimension der sexuellen Orientierung der Befragten zu erweitern, wie das zum Beispiel in den USA der Fall ist.“infoDIW Berlin (2017): Wochenbericht 35/2017, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.563758.de/17-35.pdf, S. 697  Dadurch könnten Differenzen in den Lebenslagen besser dokumentiert und gegebenenfalls Handlungsbedarfe besser identifiziert werden, beispielsweise in der Bekämpfung von Diskriminierung.

Im sozio-oekonomischen Panel (SOEP) beschäftigten sich verschiedene Forscher*innen in den nächsten Jahren intensiv mit der Situation von Schwulen, Lesben und Bisexuellen, ab 2020 auch mit der gesamten Gruppe der LGBTIQ*.Im SOEP beschäftigten sich verschiedene Forscher*innen in den nächsten Jahren intensiv mit der Situation von Schwulen, Lesben und Bisexuellen, ab 2020 auch mit der gesamten Gruppe der LGBTIQ*Im SOEP beschäftigten sich verschiedene Forscher*innen in den nächsten Jahren intensiv mit der Situation von Schwulen, Lesben und Bisexuellen, ab 2020 auch mit der gesamten Gruppe der LGBTIQ*Im SOEP beschäftigten sich verschiedene Forscher*innen in den nächsten Jahren intensiv mit der Situation von Schwulen, Lesben und Bisexuellen, ab 2020 auch mit der gesamten Gruppe der LGBTIQ*Vergl. DIW Berlin (2017): Wochenbericht 35/2017, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.563758.de/17-35.pdf, S. 691-694

LGBTIQ*-Menschen erleben häufiger Diskriminierung am Arbeitsplatz

Im Wochenbericht 36/2020 ging es um die mögliche Diskriminierung von LGBTIQ*-Menschen am Arbeitsmarkt. Eine der Erkenntnisse der Studie war, dass diese Menschen überproportional häufig im Gesundheit- und Sozialwesen beschäftigt sind und dort auch häufiger geoutet sind als in Branchen, in denen es wenige LGBTIQ*-Menschen gibt.infoVergl. DIW Berlin (2020): Wochenbericht 36/2020, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.798175.de/20-36.pdf , S. 619  Rund 30 Prozent der in der Studie befragten Menschen, die sich dieser Gruppe zuordneten, berichteten von einer Diskriminierung am Arbeitsplatz innerhalb der letzten zwei Jahre. Trans*-Menschen sind noch häufiger von Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffen. 40 Prozent von ihnen gaben an, eine solche in den letzten zwei Jahren erlebt zu haben, sieben Prozent berichten sogar von häufiger Diskriminierung.infoVergl. DIW Berlin (2020): Wochenbericht 36/2020, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.798175.de/20-36.pdf , S. 623

Rund 30 Prozent der in der Studie befragten Menschen, die sich dieser Gruppe zuordneten, berichteten von einer Diskriminierung am Arbeitsplatz innerhalb der letzten zwei Jahre. Trans*-Menschen sind noch häufiger von Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffen. 40 Prozent von ihnen gaben an, eine solche in den letzten zwei Jahren erlebt zu haben, sieben Prozent berichten sogar von häufiger Diskriminierung.Rund 30 Prozent der in der Studie befragten Menschen, die sich dieser Gruppe zuordneten, berichteten von einer Diskriminierung am Arbeitsplatz innerhalb der letzten zwei Jahre. Trans*-Menschen sind noch häufiger von Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffen. 40 Prozent von ihnen gaben an, eine solche in den letzten zwei Jahren erlebt zu haben, sieben Prozent berichten sogar von häufiger Diskriminierung.

Insgesamt stellen die Forscher*innen fest, dass es sich bei LGBTIQ*-Menschen um eine hoch qualifizierte Gruppe auf dem Arbeitsmarkt handelt, vermuten aber, dass sich diese Menschen bewusst gegen bestimmte Branchen entscheiden würden, weil sie dort Diskriminierung befürchten. „Für Unternehmen scheint es somit besonders ratsam, ein offenes und diskriminierungsarmes Umfeld am Arbeitsplatz zu schaffen, um LGBTIQ*-Menschen als Mitarbeiter*innen gewinnen zu können. Um dies zu erreichen, müssen Betriebe dafür sorgen, dass Gleichstellungsmaßnahmen sowie Toleranz und Vielfalt am Arbeitsplatz etabliert werden.“infoVergl. DIW Berlin (2020): Wochenbericht 36/2020, abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.798175.de/20-36.pdf , S. 626-627

Psychische und physische Gesundheit bei LGBTIQ*-Personen

Im Wochenbericht 6/2021 vom 10.2.2021 ging es um die Chancen von LGBTIQ*-Menschen für ein gesundes Leben. Das Forschungsteam stellte fest, dass diese Personengruppe fast dreimal häufiger von Depression und Burnout betroffen ist als die restliche Bevölkerung. Auch der Anteil von Menschen mit Herzkrankheiten, Asthma und chronischen Rückenschmerzen ist unter ihnen höher und sie fühlen sich doppelt so oft einsam wie die restliche Bevölkerung. Etwa 40 Prozent der Trans*-Menschen leiden unter Angststörungen.infoVergl. DIW Berlin (2021): Wochenbericht 6/2021, abrufbar unter:  https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.810348.de/21-6.pdf, S. 79

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Die Studie befasst sich auch mit den sozialen Unterstützungsnetzwerken, die LGBTIQ*-Menschen nutzen. Ein Unterschied zum Rest der Bevölkerung besteht in den Vertrauenspersonen. Während sich nur knapp die Hälfte der cis-heterosexuellen Menschen mit persönlichen Gedanken und Gefühlen an Freund*innen wenden, sind es bei LGBTIQ*-Personen 73 Prozent.infoVergl. DIW Berlin (2021): Wochenbericht 6/2021, abrufbar unter:  https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.810348.de/21-6.pdf, S. 87 

In ihrem Fazit gehen die Forscher*innen darauf ein, dass von hohen Belastungen und Stress auszugehen ist, unter dem LGBTIQ*-Personen leiden. „Dies deutet darauf hin, dass – obwohl die gesetzlichen Veränderungen in den letzten Jahren positiv zu bewerten sind – sie das Erbe jahrelanger gesellschaftlicher und institutioneller Diskriminierung nicht ohne Weiteres aufheben konnten.“infoDIW Berlin (2021): Wochenbericht 6/2021, abrufbar unter:  https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.810348.de/21-6.pdf, S. 88 Das gelte besonders für Trans*-Personen. Eine der Forderungen, die die Forschenden aus dieser Studie ableiten: Homophobie und Transfeindlichkeit sollten im Strafgesetz deutlich als Hasskriminalität benannt und sanktioniert werden. Zudem sollten Freizeitaktivitäten, Beratungsangebote und queere Treffpunkte als sogenannten „safe spaces“ stärker gefördert werden.infoVergl. DIW Berlin (2021): Wochenbericht 6/2021, abrufbar unter:  https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.810348.de/21-6.pdf, S. 88

Autorin: Lena Högemann

100 JAHRE DIW BERLIN IN FÜNF EPOCHEN

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