Es braucht Opferschutz, Unterstützung und Prävention
In Deutschland ist Forschung dieser Art bislang kaum möglich. Was aktuell noch fehle, sei ein modernes Forschungsdatengesetz, das den wissenschaftlichen Zugang zu streng gesicherten, pseudonymisierten Daten ermögliche.
Forschung ist dabei der erste Schritt. Aus ihren Erkenntnissen leiten sich weitere verschiedene Handlungsfelder ab. Bindler nennt zuerst den Opferschutz. Der im Gewalthilfegesetz verankerte Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung tritt erst 2032 vollständig in Kraft – sehr spät, wenn man bedenkt, dass die Istanbul-Konvention bereits 2018 entsprechende Verpflichtungen formuliert hat. „Es wird extrem wichtig sein, dass das konsequent umgesetzt wird. Jetzt gerade haben wir nicht genügend Kapazitäten in den Frauenhäusern", sagt Bindler.
Zweitens müsse die Inanspruchnahme institutioneller Unterstützung gestärkt werden. Betroffene müssten darauf vertrauen können, dass sie ernst genommen werden und Sicherheit gewinnen. Das kann gelingen durch spezialisierte Gerichte, geschulte Ansprechpartnerinnen in der Polizei und Sensibilisierung in der Verwaltung, wie internationale Beispiele zeigen.
Und schließlich nennt sie einen dritten Bereich, den sie als Prävention von der Opferseite beschreibt. Gerade bei Frauen, die durch eine wirtschaftliche Abhängigkeit in eine verletzliche Situation geraten, kann Prävention bedeuten: Arbeitsmarktintegration, Lohngerechtigkeit, flächendeckende Kinderbetreuung, Förderung von Alleinerziehenden. Das seien Maßnahmen, die Gleichstellung und Schutz zugleich stärken könnten.
Der 25. November erinnert daran, dass Gewalt gegen Frauen kein Einzelereignis oder Randphänomen ist, sondern ein gesellschaftliches Problem mit persönlichen und kollektiven Folgen. Die Zahlen zeigen, wie tief das Problem in Strukturen, Beziehungen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten verankert ist. Vieles ist bekannt, aber nicht ausreichend adressiert wie verlässlicher Schutz, hochqualitative Daten für belastbare Analysen und nachhaltige Prävention. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre machen deutlich, dass hier langfristige und kontinuierliche Arbeit notwendig bleibt – auch in der ökonomischen Forschung.
Autorin: Anna Lotta Noisten