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Energiewende in Frankreich: Ausbau Erneuerbarer stockt, gute Fortschritte bei Wärmepumpen

DIW Wochenbericht 4 / 2024, S. 51-61

Adeline Guéret, Wolf-Peter Schill

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  • Überblick über französische Energiewende-Politik, bisherige und künftige Ziele sowie aktuelle Trends
  • Bei Treibhausgasemissionen ist Frankreich derzeit weitgehend auf Zielpfad, aber erneuerbare Energien sollten schneller ausgebaut werden
  • Ausbau von Wärmepumpen kommt in Frankreich gut voran
  • Bei Energiewende im Stromsektor große Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich
  • Ähnliche Herausforderungen für beide Länder bei Wärme und Verkehr

„Die Zwischenbilanz der Energiewende in Frankreich fällt gemischt aus. Auch wenn Frankreich künftig weiter auf Atomkraft setzt, sollte auch der Ausbau von erneuerbaren Energien beschleunigt werden, um die Klimaziele abzusichern.“ Adeline Guéret

Wie für Deutschland stellt die Energiewende auch für Frankreich eine große Herausforderung dar. Dieser Bericht gibt einen Überblick über die kurz- und langfristigen Ziele sowie die derzeitigen Entwicklungen und Trends der Energie- und Klimapolitik in Frankreich. Es zeigt sich, dass die Treibhausgasemissionen derzeit weitgehend auf dem Zielpfad liegen. Auch die Installation von Wärmepumpen kommt gut voran. Der Ausbau der erneuerbaren Energien bleibt dagegen hinter den Zielen zurück. Unterschiede in der Energiepolitik zwischen Frankreich und Deutschland werden vor allem im Stromsektor deutlich: Hier setzt Frankreich auf Atomkraft, Deutschland dagegen stark auf erneuerbare Energien. Um die französischen Klimaziele abzusichern, sollten die erneuerbaren Energien auch in Frankreich schneller ausgebaut werden. Eine Herausforderung für beide Länder stellt die angestrebte Elektrifizierung von Mobilität und Raumwärme dar.

Die Energiepolitik Frankreichs ist derzeit im Umbruch. In den nächsten Monaten soll ein neues Energie- und Klimagesetz für die kommenden fünf Jahre verabschiedet werden. Ende November 2023 wurde ein Strategiepapier zur öffentlichen Beratung vorgelegt, das für die weitere Planung im Energiebereich relevant ist (Kasten). Dieser Bericht stellt energiepolitische Ziele und Maßnahmen der französischen Regierung vor und vergleicht sie anhand ausgewählter Indikatoren mit den bisherigen Fortschritten. Dabei werden auch einzelne Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Energiewende in Deutschland beleuchtet.infoZur deutschen Energiewende vgl. Wolf-Peter Schill, Alexander Roth und Adeline Guéret (2022): Ampel-Monitor zeigt: Energiewende muss deutlich beschleunigt werden. DIW Wochenbericht 27, 371–379 (online verfügbar; abgerufen am 8. Januar 2024. Dies gilt auch für alle weiteren Online-Quellen dieses Berichts, sofern nicht anders vermerkt); jederzeit aktuelle Zahlen und Abbildungen gibt es auf der Homepage des Ampel-Monitors Energiewende (online verfügbar).

Ein Eckpfeiler des gesetzlichen Rahmens für die Energiewende in Frankreich ist das Gesetz über den Energiewandel für grünes Wachstum (Loi relative à la transition énergétique pour la croissance verteinfoLégifrance (2022): Loi n° 2015-992 du 17 août 2015 relative à la transition énergétique pour la croissance verte (online verfügbar)) vom 17. August 2015. Dieses Gesetz entstand im Vorfeld der internationalen Klimakonferenz, die im Dezember 2015 in Paris stattfand. Es führte unter anderem erstmals die Verpflichtung für die französische Regierung ein, eine Nationale DekarbonisierungsstrategieinfoFür französische Gesetze werden im Folgenden deutsche Übersetzungen verwendet, wie sie auch das Deutsch-französische Büro für die Energiewende (DFBEW) in seinem Barometer der Energiewende in Frankreich verwendet (online verfügbar). (Stratégie Nationale Bas CarboneinfoMinistère de la Transition écologique et solidaire (2020) : Stratégie Nationale Bas Carbone (online verfügbar)., SNBC) sowie eine mehrjährige Programmplanung für Energie (Programmation Pluriannuelle de l’ÉnergieinfoMinistère de la Transition écologique et solidaire (2020) : Programmation Pluriannuelle de l’Énergie (online verfügbar)., PPE) zu erstellen. Beide Programme enthalten quantitative Ziele für eine Reihe von Teilsektoren. Sie sollen dazu beitragen, Frankreich bei der Reduzierung seiner Treibhausgasemissionen zu unterstützen sowie energieeffizienter zu werden und den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen.

Die Dekarbonisierungsstrategie (SNBC) legt bis zum Jahr 2050 ein langfristiges Ziel für Treibhausgasemissionen sowie kurzfristigere Emissionsbudgets für drei aufeinanderfolgende Fünfjahreszeiträume fest. Diese Budgets stellen die Obergrenze für die gesamten Treibhausgasemissionen dar, die im jeweiligen Zeitraum nicht überschritten werden dürfen. Die Strategie muss alle fünf Jahre überarbeitet werden, wobei ein Teil der in der vorherigen Strategie festgelegten Obergrenzen angepasst und eine neue Obergrenze für einen weiteren Fünfjahreszeitraum vorgeschlagen wird. So setzte die erste SNBC eine Emissionsobergrenze für die Zeiträume von 2015 bis 2018,infoDer erste SNBC wurde 2018 bis 2019 aufgrund der Verabschiedung des Energie- und Klimagesetzes und des neuen Ziels der CO2-Neutralität überarbeitet. Daher deckt das erste Budget nur vier statt fünf Jahre ab. von 2019 bis 2023 und von 2024 bis 2028 fest. Die zweite SNBC überarbeitete die Obergrenzen für die Zeiträume von 2019 bis 2023 sowie von 2024 bis 2028 und führte eine neue Obergrenze für den Zeitraum von 2029 bis 2033 ein. Die dritte SNBC wird derzeit von der Regierung ausgearbeitet.

Die mehrjährige Programmplanung für Energie (PPE) beruht auf einem ähnlichen Prinzip. Sie wird für zwei Fünfjahreszeiträume geplant und alle fünf Jahre überprüft. Sie legt Ziele speziell für den Energiesektor fest, wobei jeweils ein unterer und ein oberer Zielwert festgelegt wird.

Einige Bestimmungen des Gesetzes von 2015 wurden durch das Energie- und KlimagesetzinfoLégifrance (2019) : Loi n° 2019-1147 du 8 novembre 2019 relative à l'énergie et au climat (online verfügbar). vom 8. November 2019 geändert.infoDie Ziele und Bestimmungen, die in den verschiedenen energiebezogenen Gesetzen vorgesehen sind, sind im französischen Energiegesetzbuch zusammengefasst. Wenn ein Gesetz bestimmte Ziele ändert, die in einem früheren Gesetz vorgesehen waren, ändert sich der entsprechende Artikel des Energiegesetzbuchs (online verfügbar). Es stellt seither einen weiteren Eckpfeiler der französischen Energie- und Umweltpolitik dar. Es führt insbesondere eine Verpflichtung für die Regierung ein, alle fünf Jahre ein Gesetz zu erlassen (Loi de programmation quinquennale sur l’économie et le climat), in dem die Ziele und Prioritäten der Energiepolitik für die nächsten fünf Jahre detailliert festgelegt werden. Das erste entsprechende Fünfjahresgesetz hätte bis zum 1. Juli 2023 verabschiedet werden müssen,infoLégifrance (2023): Artikel L100-1 A des Energiegesetzbuches (online verfügbar). doch die Regierung hat diese Frist nicht eingehalten. Erst am 22. November 2023 wurde die „Französische Energie- und Klimastrategie“infoMinistère de la Transition Énergétique (2023) : Stratégie Française pour l’Énergie et le Climat (online verfügbar). veröffentlicht. Diese Strategie enthält unter anderem quantitative Ziele, die in die nächste mehrjährige Programmplanung für Energie (PPE3) einfließen dürften. Ende Dezember wurde eine erste Version des Entwurfs für ein Energiesouveränitätsgesetz veröffentlicht, das als Programmgesetz dienen soll.infoThomas Chemel, Contexte (04.01.2024): Comment l’avant-projet de loi de souveraineté énergétique détricote les objectifs climatiques (online verfügbar).

Nach der Wiederwahl von Präsident Emmanuel Macron im Mai 2022 waren zwei verschiedene Ministerien für Energie- und Umweltfragen zuständig: Das „Ministerium für den Energiewandel“ und das „Ministerium für den ökologischen Übergang und den territorialen Zusammenhalt“. Zusätzlich wurde ein Generalsekretariat für ökologische Planung eingerichtet, das der Premierministerin beziehungsweise dem Premierminister unterstellt wurde. Nach der Regierungsumbildung vom 9. Januar 2024 wurde das Ministerium für den Energiewandel abgeschafft und das Energieressort dem Wirtschafts- und Finanzministerium zugeschlagen.

Bisher gemischte Bilanz bei den übergreifenden Zielen

Wie in Deutschland orientieren sich die energie- und klimapolitischen Ziele auch in Frankreich an den europäischen Vorgaben. Aktuell ist dabei vor allem die Umsetzung des europäischen Fit-for-55-PaketsinfoEuropäische Kommission (2023): „Fit-for-55: Unsere Bilanz“ (online verfügbar). maßgeblich, das unter anderem ambitioniertere Ziele für die Senkung der Treibhausgasemissionen und die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien in Europa enthält.infoDie folgenden Grafiken sowie weitere Analysen auch zu den Energieeffizienzzielen sowie anderen Aspekten wie grünem Wasserstoff werden im Open Energy Tracker bereitgestellt (online verfügbar). Teile des Open Energy Trackers sowie dieses Wochenberichts wurden im Rahmen der Forschungsprojekte „Ariadne“ 1&2 (03SFK5N0 & 03SFK5N0-2) sowie „Klimapolitik und sozialer Ausgleich” (FIS.03.00016.21) entwickelt.

Ziele für Treibhausgasemissionen werden aktuell weitgehend erreicht

Auf europäischer Ebene besteht das Ziel, bis zum Jahr 2050 CO2-neutral zu werden. Zudem sollen nach der jüngsten Zielverschärfung die Netto-TreibhausgasemissioneninfoInklusive Kohlenstoffsenken, also nach Berücksichtigung von Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft. bereits bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken.infoEuropäische Kommission (2020): „Mehr Ehrgeiz für das Klimaziel Europas bis 2030“ (online verfügbar). In Frankreich wurde das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2050 im Energiegesetzbuch verankert.infoLégifrance (2023): Artikel L100-4 des Energiegesetzbuches (online verfügbar). Deutschland beabsichtigt, bereits im Jahr 2045 klimaneutral zu sein. Das neue EU-Ziel für 2030 wurde in Frankreich noch nicht umgesetzt. Derzeit ist für 2030 noch geplant, die Bruttoemissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Dieses Ziel lag auch der Festlegung der bisherigen Emissionsbudgets zugrunde. Für den Zeitraum von 2015 bis 2018 waren es 442 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (MtCO2eq) pro Jahr. Dieses Ziel wurde mit durchschnittlich 456 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente jährlich in den betreffenden vier Jahren nicht erreicht (Abbildung 1).infoCentre interprofessionnel technique d'études de la pollution atmosphérique (CITEPA) (2024): Tableau de bord des engagements climat (online verfügbar). Vgl. auch Haut Conseil pour le Climat (HCC) : Rapport annuel 2023 (Seite 65) (online verfügbar).

Das zweite Emissionsbudget, das sich auf die fünf Jahre 2019 bis 2023 bezieht, legt eine Obergrenze der Bruttotreibhausgasemissionen von durchschnittlich 421 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr fest.infoMinistère de la Transition Énergétique (2022): Ajustement technique des budgets carbone (online verfügbar). Dies entspricht rund 6,5 Tonnen pro Person. Das ist deutlich weniger als in Deutschland, wo im Jahr 2022 rund neun Tonnen pro Kopf emittiert wurden. In den Jahren 2020 bis 2022 sind die Emissionen in Frankreich unter dem Emissionsbudget geblieben. Diese Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da in diesen Zeitraum sowohl die Covid-Pandemie als auch die aktuelle Energiepreiskrise fallen, die zu einem deutlichen Rückgang des Energieverbrauchs und der damit verbundenen Emissionen geführt haben. Zudem lagen die Nettotreibhausgasemissionen in den Jahren 2019 und 2021 über dem Zielwert. Dies liegt unter anderem daran, dass die Forstwirtschaft in geringerem Maß eine Treibhausgassenke war als geplant. Insgesamt lagen die Nettoemissionen in Frankreich daher im Zeitraum von 2015 bis 2021 (neuere Daten sind noch nicht verfügbar) leicht über den Zielen.infoHaut Conseil pour le Climat, Rapport annuel 2023, 65 (online verfügbar).

Die Dekarbonisierungsstrategie (SNBC) enthält auch eine Schätzung der sektoralen Emissionsbudgets, die mit dem fünfjährigen Gesamtbudget vereinbar sind. Diese Aufschlüsselung ist jedoch nur ein Richtwert. Ein Sektor kann mehr emittieren, wenn dies durch einen stärkeren Rückgang der Emissionen in einem anderen Sektor ausgeglichen wird, solange das Gesamtbudget eingehalten wird. In Deutschland gab es bisher dagegen sektorale Ziele. Mit dem aktuellen Entwurf für eine Änderung des Klimaschutzgesetzes soll aber, ähnlich wie in Frankreich, künftig nur noch ein Gesamtziel gelten.infoDeutscher Bundestag (2023): Homepage zur Novelle des Klimaschutzgesetzes (online verfügbar).

Mit rund 129 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr für den Zeitraum von 2019 bis 2023 hat der Verkehrssektor das größte Emissionsbudget. Er ist historisch gesehen auch der Sektor mit den höchsten Emissionen. Danach folgen die Landwirtschaft (80 MtCO2eq pro Jahr), Gebäude (77 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente) und die Industrie (75 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente). Der Energiesektor ist nach der Abfallwirtschaft der Sektor mit dem zweitniedrigsten Emissionsbudget.infoMinistère de la Transition Énergétique (2022): Ajustement technique des budgets carbone (online verfügbar). Die Sektoren Gebäude und Verkehr müssen ihre Emissionen am stärksten senken, um etwa 45 beziehungsweise 30 Prozent gegenüber 2019 bis zum Zeitraum von 2029 bis 2033.

Die sektoralen Emissionen sowie die Emissionsziele unterschieden sich stark von denen Deutschlands. In Deutschland ist der Anteil der Energiewirtschaft an den Gesamtemissionen traditionell am höchsten, was vor allem an der hohen Kohleverstromung liegt. Danach folgt die Industrie, da Deutschland besonders viel energieintensive Industrie hat, sowie die Sektoren Verkehr und Gebäude.

Die Umsetzung des neuen europäischen Ziels einer Nettotreibhausgassenkung von mindestens 55 Prozent bis 2030 wird in Frankreich zu einer Abwärtskorrektur der Emissionsbudgets für die Jahre von 2024 bis 2028 und von 2029 bis 2034 führen. Im Integrierten Nationalen Energie- und KlimaplaninfoEuropäische Kommission (2023): France – Draft Updated NECP 2021–2030 (online verfügbar)., der der Europäischen Kommission im Oktober 2023 zur Prüfung vorgelegt wurde, ist für den Zeitraum von 2024 bis 2028 (2029 bis 2034) ein durchschnittliches Emissionsbudget genannt, das um sechs Prozent (14 Prozent) niedriger ist, als es die derzeitige Dekarbonisierungsstrategie vorsieht.

Anteil erneuerbarer Energien zu gering

Die europäische Erneuerbare-Energien-Richtlinie von 2009 enthielt verbindliche Ziele für den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch für alle Mitgliedstaaten für das Jahr 2020. Für Frankreich betrug das Ziel 23 Prozent, für Deutschland waren es 18 Prozent. Frankreich erreichte nur 19,2 Prozent und ist somit das einzige Land in der EU, das sein Ziel für 2020 verfehlt hat (Abbildung 2).infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques (2023): Les énergies renouvelables en France en 2022 – Suivi de la directive (UE) 2018/2001 relative à la promotion de l'utilisation des énergies renouvelables (online verfügbar); sowie Europäische Kommission (2023): Assessment of the draft updated National Energy and Climate Plan of France, 3 (online verfügbar).

Die wichtigsten erneuerbaren Energien in Frankreich sind erneuerbare feste Biomasse und Siedlungsabfälle, die zur Wärmeerzeugung genutzt werden (32 Prozent des erneuerbaren Bruttoendenergieverbrauchs im Jahr 2022), gefolgt von Wasserkraft (18 Prozent). Wärmepumpen, Windkraft und Biokraftstoffe machen jeweils rund zehn bis 14 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen aus.infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques (SDES) (2023): Les énergies renouvelables en France en 2022 – Suivi de la directive (UE) 2018/2001 relative à la promotion de l'utilisation des énergies renouvelables (online verfügbar). In Deutschland hat die Biomasse zur Wärmeerzeugung einen ähnlichen Anteil an der Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energieträgern wie in Frankreich; dagegen ist der Anteil der Wind- und Solarenergie in Deutschland viel höher, und der Anteil der Wasserkraft ist deutlich geringer.infoUmweltbundesamt (2023): Erneuerbare Energien in Zahlen (online verfügbar).

Zur Umsetzung der bisherigen EU-Vorgaben sieht das französische Energie- und Klimagesetz von 2019 ein Ziel von mindestens 33 Prozent erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch im Jahr 2030 vor.infoArtikel L100-4 des Energiegesetzbuches (online verfügbar). Dieser Anteil lag im Jahr 2022 bei 20,7 ProzentinfoDie Daten für 2022 sind vorläufig. Der Anteil im Jahr 2021 betrug 19,4 Prozent. (in Deutschland waren es 20,8 Prozent). Nach der Erhöhung des EU-Ziels von 32 auf 42,5 oder sogar 45 ProzentinfoEU-Richtlinie 2023/2413, Oktober 2023. wäre zu erwarten, dass auch Frankreich seine Ziele für 2030 nach oben korrigiert. Der kürzlich vorgelegte Plan enthält jedoch keine solche Zielerhöhung. Stattdessen wurde ein Ziel für den Anteil kohlenstofffreier Energieträger genannt, das neben erneuerbaren Energien auch die Atomkraft einschließt.infoPaul Messad, Euractiv: „France sticks to its guns, refuses to table 2030 renewable energy target” (online verfügbar).

Senkung des Verbrauchs fossiler Energieträger

Frankreich hat im Gegensatz zu Deutschland auch explizite Ziele für die Senkung des Verbrauchs fossiler Primärenergieträger. Bis 2030 soll ihr Verbrauch um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 2012 sinken. Dies erfordert eine deutliche Verringerung des aktuellen Verbrauchstrends.infoOpen Energy Tracker (online verfügbar).

Ziele im Stromsektor

Im Jahr 2023 machte die Atomkraft etwa 65 Prozent der Stromerzeugung in Frankreich aus, gefolgt von der Wasserkraft mit zwölf Prozent (Abbildung 3). Windkraft und Solarenergie sind zuletzt gewachsen auf zehn beziehungsweise vier Prozent der Stromerzeugung. Der Gesamtanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung lag bei 18 Prozent. Kohle- und Gaskraftwerke machten 2023 knapp sieben Prozent der Erzeugung aus, mit einer abnehmenden Tendenz (gegenüber zehn Prozent im Jahr 2007).infoRTE (2024a): Generation (online verfügbar). Die Daten für das Jahr 2023 sind vorläufig. In Deutschland kam im Jahr 2023 nur noch gut ein Prozent der Stromerzeugung aus Atomkraftwerken, aber bereits über die Hälfte aus erneuerbaren Energien. Kohle- und Gaskraftwerke kamen gemeinsam auf knapp 42 Prozent.infoAGEB (2023): Bruttostromerzeugung in Deutschland nach Energieträgern (online verfügbar).

Die jährliche Stromerzeugung (517 bis 550 Terawattstunden (TWh) im Zeitraum von 2000 bis 2021) liegt in Frankreich in der Regel deutlich über dem jährlichen Verbrauch (425 bis 499 TWhinfoRTE (2024b): Consumption (online verfügbar).), was das Land zu einem Nettoexporteur von Strom macht.infoRTE (2024c): Markets (online verfügbar). Eine Ausnahme war das Jahr 2022, in dem Frankreich wegen eines zeitweisen Ausfalls eines großen Teils seiner Atomkraftwerksflotte zum Nettostromimporteur wurde. Aufgrund des hohen Anteils der Atomkraft hat der französische Strommix relativ geringe Kohlenstoffemissionen. Die spezifischen CO2-Emissionen pro Kilowattstunde erzeugter Elektrizität lagen 2022 unter 60 Gramm. In Deutschland lag der Wert im Jahr 2022 wegen der hohen Kohleverstromung mehr als sechs Mal höher.infoRTE (2024d): Annual Electricity Review 2022 (online verfügbar); Vgl. auch Umweltbundesamt (2023b): Entwicklung der spezifischen Treibhausgas-Emissionen des deutschen Strommix in den Jahren 1990–2022 (online verfügbar).

Im französischen Stromsektor ist das aktuelle Ziel, bis spätestens 2030 einen Anteil von 40 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung zu erreichen. Dieser Anteil ist seit 2015 stetig gestiegen, von knapp 19 Prozent im Jahr 2015 auf 28 Prozent im Jahr 2022.infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques (2023): Chiffres clés des énergies renouvelables – Édition 2023 (online verfügbar). Der Trend für die Jahre von 2020 bis 2022 ist allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, da 2022 in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmejahr für das französische Stromsystem war, weil die Erzeugung aus Atomkraftwerken und Wasserkraftwerken historisch niedrig war. In Deutschland sind die Ziele für erneuerbare Energien deutlich höher: Bis 2030 soll ein Anteil von mindestens 80 Prozent am Bruttostromverbrauch erreicht werden.

Wachstum bei der Photovoltaik

Für die Photovoltaik sieht die mehrjährige Programmplanung für Energie (PPE) ein Ziel von 20,1 Gigawatt (GW) installierter Leistung für 2023 und zwischen 35,1 und 44 GW für 2028 vor. Ende September 2023 waren 18,3 GW Leistung installiert, neuere Daten liegen noch nicht vor. Zwischen September und Dezember 2023 hätten also 1,8 GW zugebaut werden müssen, um das Ziel zu erreichen, was mehr als dem gesamten Zubau in den ersten drei Quartalen 2023 entspricht. Somit wurde dieses Ziel wohl deutlich verfehlt. Allerdings hat sich der Ausbau der Photovoltaik seit Anfang 2021 insgesamt deutlich beschleunigt, so dass der Trend der vergangenen zwölf Monate deutlich über dem der vergangenen fünf Jahre liegt (Abbildung 4). Der erste Entwurf des dritten mehrjährigen Energieprogramms enthält noch höhere Ziele von 54 bis 60 GW im Jahr 2030 und 75 bis 100 GW im Jahr 2035.

Im Vergleich dazu sind in Deutschland derzeit Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von gut 80 GW installiert. Bis zum Jahr 2030 sind 215 GW und bis 2035 dann 309 GW geplant. Bezogen auf die aktuelle Bevölkerung entsprechen die Ziele für 2035 in Frankreich rund 1,1 bis 1,5 Kilowatt (kW) pro Kopf. In Deutschland ist das 2035-Ziel mit rund 3,7 kW pro Person etwa dreimal so hoch.

Langsamer Ausbau der Windkraft an Land

Für Onshore-Windkraftanlagen sieht die aktuell gültige Planung Kapazitätsziele von 24,1 GW für 2023 und 33,2 bis 34,7 GW bis 2028 vor. Ende September 2023 betrug die installierte Kapazität 21,9 GW und lag damit 2,2 GW unter dem Ziel, das drei Monate später erreicht werden sollte. Demnach wurde das Ziel höchstwahrscheinlich deutlich verfehlt. Anders als bei der Photovoltaik hat sich das Wachstum der Windenergie an Land in letzter Zeit nicht beschleunigt, da der Trend der vergangenen zwölf Monate ungefähr dem Trend der letzten fünf Jahre entspricht. Eine Beschleunigung des Ausbautempos ist daher unbedingt erforderlich, um die Ziele für 2028 zu erreichen. Dies gilt erst recht, wenn die erhöhten Ziele von 33 bis 35 GW installierter Leistung im Jahr 2030 (beziehungsweise 40 bis 45 GW im Jahr 2035) der aktuell vorgeschlagenen dritten mehrjährigen Planung erreicht werden sollen.

Im Vergleich dazu sind in Deutschland derzeit rund 61 GW Windkraft an Land installiert. Bis 2030 sollen es 115 GW sein, im Jahr 2035 dann 157 GW. Das französische Ziel für 2035 entspricht rund 0,6 bis 0,7 kW pro Kopf; in Deutschland liegt das entsprechende Ziel bei rund 1,9 kW.

Frankreichs Einstieg in die Windkraft auf See

Der Ausbau der Windkraft auf See hat in Frankreich im zweiten Quartal 2022 mit der Inbetriebnahme des ersten Offshore-Windparks vor der Küste von Saint-Nazaire mit einer Kapazität von 480 MW begonnen. Bis Ende 2023 wurden zwei weitere Parks ans Netz angeschlossen, wodurch die installierte Leistung auf rund 1,5 GW stieg. Diese Entwicklung reicht jedoch nicht aus, um das für 2023 festgelegte Ziel von 2,4 GW installierter Leistung zu erreichen. Es muss also zunächst ein Rückstand von etwa einem GW aufgeholt werden; innerhalb von fünf Jahren müssen dann weitere 2,8 GW installiert werden, um an das untere Planungsziel für 2028 von 5,2 GW zu kommen. Um das obere Ziel von 6,2 GW zu erreichen, müsste bis Ende 2028 rund dreimal so viel Leistung hinzukommen, wie bisher insgesamt installiert wurde. Das kürzlich für 2030 neu vorgeschlagene Ziel liegt mit vier GW sogar etwas unter dem unteren Ziel der aktuellen mehrjährigen Planung; dafür ist bis zum Jahr 2035 ein deutlich stärkeres Wachstum auf 18 GW geplant.

Im Vergleich dazu sind in Deutschland derzeit gut acht GW Windkraft auf See installiert. Bis 2030 sollen es 30 GW sein, fünf Jahre später schon 40 GW. Bezogen auf die Bevölkerung entspricht das neue französische Ziel für 2035 einem Wert von knapp 0,3 kW pro Kopf, in Deutschland sind es knapp 0,5 kW.

Wechselhafter Kurs bei der Atomkraft

Im Gesetz von 2015 war erstmals ein Ziel für die Reduzierung des Anteils der Atomkraft an der gesamten Stromerzeugung festgelegt. Er sollte von rund 76 Prozent im Jahr 2015 schrittweise auf 50 Prozent im Jahr 2025 sinken. Dieses Ziel wurde durch das Energie- und Klimagesetz von 2019 dahingehend geändert, dass das Zieljahr auf 2035 verschoben wurde. Schließlich wurde dieses Ziel ganz aufgegeben.infoLégifrance (2023): Loi n° 2023-491 du 22 juin 2023 relative à l'accélération des procédures liées à la construction de nouvelles installations nucléaires à proximité de sites nucléaires existants et au fonctionnement des installations existantes (online verfügbar). Auch die Obergrenze für die Gesamtkapazität zur Erzeugung von Atomstrom von 63,2 GW wurde gestrichen. Diese Gesetzesänderung spiegelt die Vision des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und seiner Regierung von einer Energiewende wider,infoEmmanuel Macron hat diese Vision insbesondere in seiner Rede von Belfort am 10. Februar 2022 dargelegt (online verfügbar). in der die Atomkraft ein Eckpfeiler der französischen Energiewende darstellt, was sowohl die Laufzeitverlängerung bestehender Reaktoren als auch den Bau neuer Anlagen beinhaltet. Deutschland ist dagegen im April 2023 endgültig aus der Nutzung der Atomkraft ausgestiegen.

Verkehrssektor: Unterschiedliche Trends bei Biokraftstoffen und Elektromobilität

Wegen des hohen Anteils an den Gesamtemissionen sind Maßnahmen im Verkehrssektor von großer Bedeutung für Frankreichs Klimapolitik. Besonders wichtig sind dabei Personenkraftwagen, die mehr als die Hälfte der Treibhausgasemissionen dieses Sektors ausmachen.infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques (2023): Chiffres clés des transports – Édition 2023 (online verfügbar).

In Frankreich gibt es rund 39 Millionen PkwinfoDie zuletzt verfügbaren Daten haben den Stand 1. Januar 2023 (online verfügbar). gegenüber rund 49 Millionen in Deutschland. Pro Kopf ist der Pkw-Bestand in beiden Ländern fast gleich, mit ungefähr 590 beziehungsweise 580 Pkw pro 1000 Einwohner*innen.

Stagnation bei Biokraftstoffen

Bis spätestens 2030 will Frankreich einen Anteil von 15 Prozent erneuerbarer Energien am Kraftstoffverbrauch erreichen. Im Jahr 2022 wurde ein Anteil von knapp neun Prozent erzielt.infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques ( (2023): Chiffres clés des énergies renouvelables – Édition 2023 (online verfügbar). Neuere Daten liegen noch nicht vor. Biodiesel machte dabei rund 72 Prozent aus, gefolgt von Bioethanol mit 27 Prozent.infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques (2023): Les énergies renouvelables en France en 2022 – Suivi de la directive (UE) 2018/2001 relative à la promotion de l'utilisation des énergies renouvelables (online verfügbar). Gegenüber einem linearen Zielpfad zwischen 2015 und 2030 lag der erreichte Anteil zuletzt 2,5 Prozentpunkte zu niedrig.infoDie entsprechende Visualisierung ist auf dem Open Energy Tracker zu finden (online verfügbar). Zudem ist der Trend in den vergangenen Jahren stagnierend oder sogar rückläufig. Auch in Deutschland stagniert die Nutzung von Biokraftstoffen bereits seit Jahren. Stattdessen setzen beide Länder künftig stark auf die Elektromobilität.

Elektromobilität: Moderate Ziele wurden erreicht

Die mehrjährige Programmplanung für Energie enthält auch konkrete Ziele für die Anzahl der reinen Elektrofahrzeuge und der Plug-in-Hybrid-Pkw sowie für die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte für die Jahre von 2023 und 2028. Ende 2023 sollten demnach 660000 reine Elektrofahrzeuge sowie 500000 Plug-in-Hybrid-Pkw erreicht werden;infoLégifrance (2020): Artikel 6 des Dekrets Nr. 2020-456 vom 21. April 2020 über die mehrjährige Energieplanung (online verfügbar). diese Flotten sollen bis 2028 auf drei Millionen Fahrzeuge beziehungsweise 1,8 Millionen Pkw anwachsen. Der Bestand an rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen hat Ende 2023 die Millionengrenze überschritten, das Ziel wurde also deutlich übertroffen.infoAvere France (2024): [Baromètre] Décembre 2023: le cap du millionième véhicule électrique est franchi! (online verfügbar). Auch die Plug-in-Hybride haben mit etwa 575000 Fahrzeugen ihr Ziel übererfüllt.infoDiese Zahl kann auch Plug-in-Hybride enthalten, die keine Pkw sind.

Um diese Ziele zu erreichen, gibt es verschiedene Fördermaßnahmen. Dazu gehören der „Umweltbonus“ für den Kauf eines neuen oder gebrauchten Elektrofahrzeugs (bis zu 7000 Euro) sowie eine „Umstellungsprämie“ für den Kauf eines schadstoffärmeren Fahrzeugs, wenn ein weniger umweltfreundliches Fahrzeug außer Betrieb genommen wird (bis zu 6000 Euro).infoMinistère de la Transition Énergétique (2024): Prime à la conversion des véhicules et Bonus écologique 2023 (online verfügbar). Außerdem fällt bei der Erstzulassung eines Fahrzeugs eine Steuer an, wenn das Fahrzeug als umweltschädlich eingestuft wird (sogenannter ökologischer Malus).infoPersonenkraftwagen mit CO2-Emissionen von mehr als 117 Gramm pro Kilometer (online verfügbar). Die Höhe der Steuer hängt davon ab, wie umweltschädlich das gekaufte Fahrzeug ist. Seit Januar 2024 besteht zudem ein „Sozialleasing“-Angebot für Haushalte, die unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen und ausreichend lange Arbeitswege zurücklegen. Dadurch können sie für 100 Euro pro Monat ein Elektrofahrzeug leasen.infoMinistère de la Transition Énergétique (2024): Prime à la conversion des véhicules et Bonus écologique 2023 (online verfügbar)

In Deutschland gibt es ein Flottenziel von 15 Millionen rein batterieelektrischen Pkw im Jahr 2030. Derzeit sind es in Deutschland gut 1,4 Millionen. Mit Hilfe eines logistischen Hochlaufpfads lassen sich für die Jahre 2023 und 2028 indikative Zwischenziele von rund 1,8 Millionen beziehungsweise 10,1 Millionen E-Autos ableiten. Diese Ziele liegen deutlich über den französischen, aber das tatsächliche Flottenwachstum bleibt derzeit hinter dem Zielpfad zurück.infoVgl. Wolf-Peter Schill et al. (2023): Gemischte Halbzeitbilanz für Ampel bei Energiewende – Gute Fortschritte bei Photovoltaik, schwache Dynamik bei Elektromobilität und Windenergie. DIW Aktuell 90 (online verfügbar). Bezogen auf die aktuelle Pkw-Flotte entspricht das französische Ziel für 2028 einem Flottenanteil von knapp acht Prozent batterieelektrischer Pkw. In Deutschland ergibt sich für das abgeleitete Ziel für 2028 ein entsprechender Flottenanteil von knapp 21 Prozent, und die anvisierten 15 Millionen E-Autos im Jahr 2030 entsprechen einem Anteil von knapp 31 Prozent.

Für öffentlich zugängliche Ladepunkte wurden Ziele von 100000 im Jahr 2023infoLégifrance (2020): Décret n° 2020-456 du 21 avril 2020 relatif à la programmation pluriannuelle de l'énergie (online verfügbar). und 400000 im Jahr 2030 (davon 50000 Schnellladepunkte) gesetzt.infoGouvernement français: Dossier de presse (27.10.2023) – Déploiement des bornes de recharge, En route pour 2030! (online verfügbar). Für 2023 wurde dies bereits im Mai des letzten Jahres erreicht. Ende 2023 gab es in Frankreich bereits 118000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, davon rund 20000 Schnelladepunkte mit einer Leistung von mehr als 22 kW.infoAvere France (2024): [Baromètre] 118 009 points de recharge ouverts au public fin décembre 2023 (online verfügbar).

In Deutschland sollen bis 2030 eine Million öffentlich zugänglicher Ladepunkte verfügbar sein. Den letztverfügbaren Daten zufolge sind es derzeit knapp 100000 LadepunkteinfoBundesnetzagentur (2023): Elektromobilität: Öffentliche Ladeinfrastruktur (online verfügbar). – also trotz größerer Pkw-Flotte weniger als in Frankreich.

Gebäude: hoher Energieverbrauch, aber vergleichsweise niedrige Emissionen

Gebäude sind in Frankreich für fast die Hälfte des Endenergieverbrauchs verantwortlich.infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques (2023) : Chiffres clés de l'énergie – Édition 2023 (online verfügbar). Davon entfallen wiederum fast zwei Drittel auf Wohngebäude. Allerdings machte der Gebäudesektor aufgrund eines hohen Anteils elektrischer Heizungen nur rund 18 Prozent der Treibhausgasemissionen des Jahres 2021 aus.infoCentre interprofessionnel technique d'études de la pollution atmosphérique (CITEPA) (2023): Rapport Secten (online verfügbar). Daten für das Jahr 2022 sind vorläufig und betragen 16 Prozent. So nutzten im Jahr 2021 mehr als ein Drittel der Hauptwohnsitze Strom als Hauptenergiequelle für die Heizung (darunter knapp acht Prozent Wärmepumpen).infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques (2023): Tableau de suivi de la rénovation énergétique dans le secteur résidentiel (online verfügbar). In Deutschland hat die Raumwärme mit knapp einem Drittel einen etwas kleineren Anteil am Endenergieverbrauch als in Frankreich.infoUmweltbundesamt (2023): Indikator: Energieverbrauch für Gebäude (online verfügbar). Wärmepumpen und Stromspeicheröfen hatten im Jahr 2022 hierzulande mit knapp sechs beziehungsweise knapp zwei Prozent aller Wohnungsheizungen jedoch einen deutlich geringeren Anteil.infoBDEW (2023): Wie heizt Deutschland 2023? (online verfügbar).

Frankreichs Strategie zur Reduzierung der Emissionen im Gebäudesektor beruht auf der weiteren Elektrifizierung von Heizungen und dem Verbot von Technologien mit besonders hohem Schadstoffausstoß. Zudem soll der Energieverbrauch durch Gebäudedämmung sinken. Seit Januar 2023 ist die Neuvermietung von Wohnungen in Bestandsgebäuden nur noch oberhalb eines bestimmten Energieeffizienzniveaus möglich.infoHierbei handelt es sich um Wohngebäude mit einem Endenergieverbrauch für Heizzwecke unter 450 kWh/m2. Vgl. Légifrance (2021) : Décret n° 2021-19 du 11 janvier 2021 relatif au critère de performance énergétique dans la définition du logement décent en France métropolitaine (online verfügbar). Darüber hinaus ist der Einbau von Heizungen, die mehr als 300 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde ausstoßen, seit dem 1. Juli 2022 verboten, was de facto ein Verbot des Einbaus neuer Ölheizkessel bedeutet.infoLégifrance (2022): Décret n° 2022-8 du 5 janvier 2022 relatif au résultat minimal de performance environnementale concernant l'installation d'un équipement de chauffage ou de production d'eau chaude sanitaire dans un bâtiment (online verfügbar). Außerdem ist seit 2022 der Einbau von Erdgasheizungen in neuen Einfamilienhäusern verboten. Ab 2025 wird er auch in neuen Mehrfamilienhäusern untersagt. Es wurde erwogen, die Emissionsgrenze von 300 auf 150 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde zu senken. Dies hätte ein allgemeines Verbot der Installation neuer Gaskessel zur Folge.infoGouvernement français (2023): Dossier de concertation – Accélérer la décarbonation du secteur du bâtiment, Seite 29 (online verfügbar). Dieser Plan wurde jedoch im Sommer 2023 verworfen.

In Deutschland hatte die Ampel-Regierung laut Koalitionsvertrag geplant, dass ab dem Jahr 2025 grundsätzlich nur noch Heizungen neu eingebaut werden dürfen, die mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Dieses Startdatum sollte zunächst ein Jahr nach vorne gezogen werden, wurde nach langen Diskussionen um das Gebäudeenergiegesetz letztlich aber weiter nach hinten verschoben. Nun dürfen in Bestandsgebäuden weiterhin Gas- oder Ölheizungen eingebaut werden, bis in der jeweiligen Gemeinde eine Wärmeplanung vorliegt, was je nach Kommune noch bis Juni 2028 dauern kann.infoFür eine vertiefte Diskussion zu Wärmepumpen und zum Gebäudenergiegesetz vgl. Folgen 7 bis 9 des Podcasts fossilfrei (online verfügbar).

Starkes Wachstum der erneuerbaren Energien im Wärmebereich

Bis 2030 soll in Frankreich ein Anteil von 38 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch für Wärme und Kälte erreicht werden. Im Jahr 2022 betrug dieser Anteil 27,2 Prozent. Den größten Beitrag dazu leistete die Heizung mit Holz in Haushalten (40 Prozent des Verbrauchs erneuerbarer Energien für Wärme und Kälte), gefolgt von Wärmepumpen (27 Prozent) und Biomasse ohne Holz (23 Prozent).infoMinistère de la Transition Écologique et de la Cohésion des Territoires, Service des données et études statistiques (2023): Les énergies renouvelables en France en 2022 – Suivi de la directive (UE) 2018/2001 relative à la promotion de l'utilisation des énergies renouvelables (online verfügbar). Der erreichte Anteil lag damit etwas unter dem Wert, der sich durch einen linearen Zielpfad zwischen 2015 und 2030 ergibt.infoDie entsprechende Visualisierung ist auf dem Open Energy Tracker zu finden (online verfügbar). Die Entwicklung war zuletzt jedoch dynamisch, der Anteil erneuerbarer Energien ist von 21,4 Prozent im Jahr 2018 auf 27,2 Prozent im Jahr 2022 gestiegen. Kann Frankreich dieses Tempo bis 2030 beibehalten, würde das Ziel von 38 Prozent im Jahr 2030 erreicht. Der Anstieg war zuletzt größtenteils auf den Ausbau von Wärmepumpen zurückzuführen, der in Frankreich deutlich besser vorankam als in Deutschland. Ein Grund für die geringere Nutzung von Wärmepumpen in Deutschland dürften die höheren Haushaltsstrompreise sein. Außerdem wurde Erdgas in Deutschland lange als „Brückenenergieträger“ betrachtet, und der Einbau neuer Erdgasheizungen wurde hierzulande bis vor kurzem sogar noch finanziell gefördert. In Frankreich gibt es schon seit längerem eine Förderung von Wärmepumpen.

Die mehrjährige Programmplanung für Energie legt auch explizite Ziele für die jährliche Wärmeerzeugung durch Wärmepumpen fest. Das Ziel für 2023 liegt bei knapp 40 TWh pro Jahr, wovon 35 TWh durch Luftwärmepumpen und knapp fünf TWh durch Erdwärmepumpen bereitgestellt werden sollen.infoArtikel 4 des Dekrets Nr. 2020-456 vom 21. April 2020 über die mehrjährige Energieplanung (online verfügbar). Im Jahr 2022 betrug die gesamte Wärmeerzeugung durch Wärmepumpen 42,7 TWh (witterungsbereinigt bei 47,6 TWh), lag also deutlich über dem Ziel. Dazu beigetragen hat der zuletzt deutlich gestiegene Absatz von Wärmepumpen in Frankreich, der im Jahr 2022 bei über 1,1 Millionen Geräten lag, davon 770000 Luft-Luft-Wärmepumpen. Wenn sich der Trend der vergangenen fünf Jahre fortsetzt, dürften die für 2028 gesetzten Ziele (zwischen 44 und 52 TWh) vorzeitig erreicht werden (Abbildung 5). In Deutschland ist der jährliche Zubau von Wärmepumpen deutlich geringer. Im Jahr 2022 wurden nur 236000 Wärmepumpen zugebaut;infoVgl. Pressemitteilung des Bundesverbandes Wärmepumpe e.V. (online verfügbar). ab 2024 sollen jährlich eine halbe Million neue Wärmepumpen installiert werden.

Fazit: Licht und Schatten bei französischer Energiewende

Die Energie- und Klimapolitik Frankreichs umfasst eine große Anzahl von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen, die in fünfjährigen, strukturierten Planungsprozessen überarbeitet werden. Dabei ist die französische Regierung derzeit im Verzug: Die aktuelle Fünfjahresplanung der französischen Energie- und Klimastrategie hätte bereits am 1. Juli 2023 verabschiedet werden müssen. Ein erster Entwurf wurde aber erst Ende 2023 vorgelegt und bereits für das Fehlen konkreter Ziele für erneuerbare Energien kritisiert.infoPerrine Mouterde, Le Monde (08.01.2024): Le projet de loi sur la souveraineté énergétique critiqué pour l’absence d’objectif chiffré sur les renouvelables (online verfügbar).

Bei der Senkung der Bruttotreibhausgasemissionen scheint Frankreich derzeit weitgehend im Plan zu liegen, was allerdings auch auf Sondereffekte wegen der Covid-Pandemie und der Energiepreiskrise zurückzuführen ist. Im Gebäudesektor erfüllt Frankreich seine Ziele aktuell offenbar ebenfalls, vor allem wegen des starken Ausbaus von Wärmepumpen.

Im Gegensatz dazu wurden Ziele für erneuerbare Energien nicht erreicht, und die Fortschritte in den letzten fünf Jahren sind, insbesondere im Verkehrssektor, nicht sehr ermutigend. Generell liegt Frankreich bei allen Zielen für den Ausbau der Photovoltaik sowie der Windkraft an Land und auf See im Rückstand. Stattdessen wird auf Atomkraft gesetzt. Dies ist eine politische Entscheidung, die die „écologie à la française“ unter der Präsidentschaft von Macron deutlich kennzeichnet.infoVgl. Adeline Guéret (2023): „Écologie à la Macron“: Handeln darf nicht nur ein Wort sein: Kommentar. DIW Wochenbericht 40, 558 (online verfügbar). Wenn allerdings die Ziele für erneuerbare Energien erreicht werden sollen, müssen die Anstrengungen zum Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen deutlich erhöht werden.

Ein Vergleich der energiepolitischen Ziele Frankreichs und Deutschlands zeigt Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. Die Treibhausgasemissionen sind in Frankreich bereits deutlich niedriger, dafür will Deutschland fünf Jahre vor Frankreich klimaneutral werden. Bei der Mobilität und der Raumwärme fokussieren sich beide Länder auf Elektrifizierung. Während die Ziele Deutschlands für die Elektromobilität ambitionierter sind, müssen die E-Auto-Flotte und die Ladeinfrastruktur in beiden Ländern deutlich schneller wachsen. Beim Ausbau der Wärmepumpen kommt Frankreich aktuell schneller voran als Deutschland. Im Stromsektor sind die Unterschiede am größten: Hier setzt Frankreich auf die Atomkraft,infoZur Rolle der Atomkraft in internationalen Energieszenarien vgl. Christian von Hirschhausen et al. (2023): Energie- und Klimaszenarien gehen paradoxerweise von einem starken Ausbau der Atomenergie aus. DIW Wochenbericht 44, 609–617 (online verfügbar). Deutschland dagegen auf einen starken Ausbau erneuerbarer Energien. Frankreich will die Windkraft und Solarenergie langfristig ebenfalls stärker nutzen, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.

Ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien erscheint auch in Frankreich sinnvoll. Dies würde es dem Land nicht nur erlauben, seine Ziele für erneuerbare Energien einzuhalten, die zuletzt verfehlt wurden; es würde auch helfen, das Erreichen der französischen Klimaziele gegen Risiken bei der Nutzung der Atomkraft abzusichern. Falls es künftig erneut zu Problemen bei der bestehenden Kraftwerksflotte oder zu Verzögerungen bei den anvisierten Neubauten kommt, wäre ein ergänzender, verstärkter Ausbau der erneuerbaren Energien hilfreich. Die Gefahr, dass in Frankreich dadurch „zu viel“ emissionsfreier Strom erzeugt würde, erscheint dagegen in Anbetracht des absehbar stark steigenden Bedarfs an erneuerbarem Strom in Europa gering.

Adeline Gueret

Wissenschaftliche Mitarbeiterin & Doktorandin in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt

Wolf-Peter Schill

Leiter des Forschungsbereichs „Transformation der Energiewirtschaft“ in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt



JEL-Classification: Q40;Q42;Q48
Keywords: France; energy policy; energy transition
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2024-4-1

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